Hansestadt Rostock und Seebad Warnemünde

Aus: Mittel- und Nord-Deutschland. Zweiter Teil. 1861
Autor: Baedeker, Karl (1801-1859) Verleger, Autor von Reiseführern, Erscheinungsjahr: 1861
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Reiseführer, Hansestadt Rostock, Seebad Warnemünde, Warnow, Universität, Doberan
Die Rostocker Bahn führt von Kleinen weiter über Blankenberg nach Bützow (Erbgroßherzog), ansehnliches Städtchen, in dessen Nähe das große Landeszuchthaus Dreibergen. (Hier zweigt sich die Bahn nach Güstrow ab.) Zwischen Schwaan und Rostock überschreitet die Bahn die schiffbare Warnow, welcher sie eine Zeit lang nahe bleibt.

Rostock (Hôtel de Russie, Sonne, Hôtel du Nord neben d. Post, Z. 20, M. 20, F. 8 S., Konditorei von Heinz am Markt; Droschke 6 S.), die bedeutendste mecklenburgische Stadt, mit 25.105 Einwohner, an der Warnow, in der äußeren Erscheinung Lübeck ähnlich, mit ansehnlichem überseeischem Handel, welcher durch 278 eigene Schiffe, die größte Handelsflotte in der Ostsee, gefördert wird. An der 1419 gestifteten Universität (100 Studenten) war einst der Astronom Keppler Lehrer, von Wallenstein, als Herzog von Mecklenburg 1629 während seines kurzen Regiments, hierher berufen.

In der großen sauberen im 13. Jahrhundert erbauten Marienkirche, der Lübecker ähnlich, zahlreiche Grabdenkmäler, namentlich der Familie von Meerheimb. An einem Pfeiler eine Tafel zum Gedächtnis der 1812 im Feldzug gegen Russland gebliebenen 1.500 Mecklenburger, mit Angabe der Namen der Offiziere. Eine Steinplatte bezeichnet die Stelle, wo die Leiche des aus seinem Vaterland verbannten Hugo Grotius, der hier auf der Durchreise als schwedischer Gesandter am französischen Hof 1645 starb, beigesetzt war, bis sie später nach Delft in Holland gebracht wurde.

Der Turm der Petri-Kirche ist 42 Fuß hoch, der Seefahrer erblickt ihn, wenn er noch 4 bis 5 Meilen von der Küste entfernt ist. Den Blücherplatz ziert das eherne Standbild des Feldmarschalls Blücher (zu Rostock am 16. Dez. 1742 in der Altbettelmönchstraße geboren), von Schadow entworfen, mit der Goethe'schen Inschrift: „In Härren und Krieg, in Sturz und Sieg, bewusst und groß, so riss er uns vom Feinde los“, bei seinen Lebzeiten (1819) von Mecklenburgern errichtet. Die allegorischen Reliefs deuten auf Blüchers Fall bei Ligny und des Feindes Vertreibung bei Waterloo.

Die Warnow ist bei Rostock 8 bis 10 Fuß tief, sie bildet hier einen lebhaften Hafen, in welchem stets eine Anzahl Seeschiffe vor Anker liegen. Ein Spaziergang am Hafen, weiter an der Stadtmauer entlang über die Wälle der ehemaligen Festung, die heute noch von Gräben umgeben sind, ist belohnend und nimmt etwa 45 Min. in Anspruch. An der südlichen Stadtmauer ragt ein Turm hervor, den 1618 Tycho de Brahe als Sternwarte aufführen ließ, jetzt als Lazarett dienend, an der abweichenden Bauart leicht zu erkennen.

Warnemünde an der Ostsee, der Hafen von Rostock, in den an 700 Schiffe jährlich ein- und auslaufen, liegt 2 Meilen nördlich von Rostock. Dampfboot 2mal täglich. Die Seebäder zu Warnemünde zählen im Juli und August an 4.000 Badegäste.

Doberan (Logierhaus, Lindenhof), 1 1/2 M. westlich von Rostock, früher eines der berühmtesten vornehmen Seebäder an der Ostsee, hat nach dem Tode des Großherzogs Paul Friedrich sehr verloren. Das Schloss von einem Park umgeben, und die gotische Kirche mit Denkmälern der großherzogl. Familie, sind die ansehnlichsten Gebäude. Die Bäder sind 1/2 Meile entfernt, auf dem Heiligen-Damm, wo auch Bad- und Gasthäuser. Mehrmals täglich Schnellwagen (12 S.) zwischen Doberan und Heiligen-Damm.

.

.

.

Rostock, Universität

Rostock, Universität

Rostock, Kröpeliner Tor

Rostock, Kröpeliner Tor

Rostock, Giebelhäuser bei der Nikolaikirche

Rostock, Giebelhäuser bei der Nikolaikirche

Rostock, Kröpeliner Tor und Teufelsgrube

Rostock, Kröpeliner Tor und Teufelsgrube