Güstrow, ehemals Residenz der Herzöge der Linie Mecklenburg-Güstrow. 1828

Aus: Geographische Beschreibung der Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz
Autor: Hempel, Gustav (?), Erscheinungsjahr: 1829
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Güstrow, Landesbeschreibung, Ortsbeschreibung,
Güstrow, die Vorderstadt dieses Kreises, in einem Tal an der Nebel und von Wesen umgeben, 71 Fuß über die Meeresfläche, hat 871 Häuser, 3 Kirchen (die Dom-, Pfarr- und heilige Geistkirche) und 8.384 Einwohner, worunter 165 Juden. Sie ist der Sitz einer Justizkanzlei, des Steuer- und Zollkollegiums und eines Amtes. Auch sind hier eine Superintendentur, eine gelehrte Schule (Domschule), das Landarbeitshaus, und gute Armenanstalten: endlich ein Leihhaus.

Die Stadt hat im Innern ein freundliches, gefälliges Ansehen, viele ansehnliche und große Häuser, — meistens Giebelhäuser von 2 bis 4 Stockwerken — aber wenige gerade und regelmäßige Straßen. Die am besten gebauten Gegenden der Stadt sind: Der Marktplatz, der, obgleich 2 umfangsreiche Gebäude, die Pfarrkirche und das Rathaus, auf demselben stehen, dennoch groß zu nennen ist, die Glevinerstraße, Domstraße, Mühlenstraße und der Pferdemarkt. Merkwürdige Gebäude sind:

1. Das Schloss, jetzt zum Landarbeitshaus (mit 224 Individuen) eingerichtet, ein großes, altertümliches Gebäude, von höchst imponierendem Ansehen. Es umschließt 3 Seiten eines Quadrats — die 4te Seite ist unlängst abgebrochen — und hat in der Vorderfronte 192 Fuß Länge und 80 Fuß Höhe, ohne das Dach. Am Schlosshofe liegt das zum Landarbeitshause gehörige Krankenhaus.
2. Das Justizkanzlei Gebäude am Schlossplatze gelegen, und im neuen Geschmack erbaut.
3. Die Domkirche, im gotischen Geschmack und in Kreuzform erbaut, gehört unter die besten und merkwürdigsten Kirchen Mecklenburgs. Sie ist 228 Fuß lang, 66 Fuß und im Kreuze I00 Fuß breit, aber nur 55 Fuß im Gewölbe hoch. Sie hat im Innern manche Verzierungen; merkwürdig sind die meisterhaft gearbeiteten steinernen Statuen, Fürst Borwin II. und Herzogs Ulrich mit seinen beiden Gemahlinnen, welche 70.0000 Rthlr. gekostet haben sollen. Noch findet man in der Kirche die Gräber: des Fürsten Heinrich Borwin II. und seines Sohnes Nicklas I.; des letzten Fürsten zu Wenden, Wilhelm; der Herzöge Ulrich mit Gemahlin, Hans Albrecht und Gustav Adolph mit Gemahlin.
4. Die Pfarrkirche, mit einem schönen, 180 Fuß hohen Turme.
5. Das Rathaus, ein großes, ansehnliches Gebäude.
6. Das große Wollmagazin; es liegt am Schlossplatze, so wie auch
7. das neu erbaute Schauspielhaus.
Noch ist das in diesem Jahre eingerichtete Dampfbad zu erwähnen.

Güstrow ist eine der nahrhaftesten, lebendigsten und gewerbsamsten Städte des Großherzogtums. Unter den bürgerlichen Gewerben zeichnen sich aus: 53 Kaufleute, 39 Gastwirte, 1 Tabakfabrik, eine Wachslichtfabrik, 34 Branntweinbrenner, 10 Grützmühlen, 9 Lohgerber, 71 Fuhrleute, eine Buchdruckerei. Zum Verkehr der Stadt tragen auch bei: der Wollmarkt, der Fastnachtsmarkt, die Tierschau und das sehr zahlreich besuchte Pferde-Rennen. Zum Behuf des letzteren ist nahe der Stadt eine Rennbahn angelegt. Steuertrag 10.802 Rthlr.

Die Umgebungen der Stadt sind durch Promenaden, hübsche Gärten und die zerstreut liegenden Vorstädte sehr anmutig. Zu ersteren gehört vorzüglich der Wall, eine geschmackvolle Gartenanlage, welche etwa den 4ten Teil der Stadt umgibt; dabei ein großes, ansehnliches Hotel. Ländliche Vergnügungsorte sind: Der Brunen, ein parkartiges Gehölz am Parumer See, die angenehme Schöninsel im Gutower See usw. — Güstrow hat unter allen Mecklenburgischen Städten die größte Feldmark, aus 2.020 Morgen Acker bestehend; auch besitzt die Stadt 7 Landgüter und kleinere Gehöfte; der Domkirche gehört das Landgut Dehmen, woselbst eine gute Stuterei ist. Übrigens wurde Güstrow im Jahr 1220 von Heinrich Borwin II. mit Stadtgerechtigkeit bewidmet, und von eben diesem Fürsten wurde 1226 die Domkirche nebst einem Kollegiatstift begründet. Demnächst war die Stadt die gewöhnliche Residenz der Wendischen Fürsten, und von 1556 bis 1695 der Herzöge von Mecklenburg-Güstrow. Das Schloss erbaute Herzog Ulrich von 1587 bis 1594.
Güstrow im Jahre 1632.

Güstrow im Jahre 1632.

Güstrow - der Dom.

Güstrow - der Dom.

Güstrow - der Markt.

Güstrow - der Markt.

Güstrow.

Güstrow.