Güstrow, den 5. Februar 1825 - Winter-Konzert-Saison begonnen

Aus: Freimütiges Abendblatt, Band 8 (1826)
Autor: Redaktion - Freimütiges Abendblatt, Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Güstrow, Winterkonzert, Stadtgeschichte, Kultur
Am 1sten d. M. gaben die Herren Bierwerth und Schrumpf bereits ihr drittes Abonnement-Konzert für diesen Winter. Wir haben die Nachricht über diese öffentlichen Produktionen bis hierher aufgeschoben, um, da mit denselben vermöge ihrer früheren Ankündigung eine neue und bessere Epoche für diese Wintervergnügungen beginnen sollte, unseren Bericht vollständiger geben zu können, wenn sie, was nunmehr erfolgt ist, wenigstens zur Hälfte ihren Zyklus vollendet haben würden.

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So müssen wir denn zunächst anzeigen, dass unser Konzertsaal im Jahnschen Hause durch eine neue Einrichtung wesentlich gewonnen hat. Es ist nämlich auf Kosten sämtlicher Abonnenten — freilich ohne sie vorher darüber zu fragen — eine Erhöhung für das Orchester angebracht und diese durch eine Galerie von dem übrigen Saale geschieden. Dadurch wird die Akustik mehr befriedigt und das Personal der Musiker vor jeder Störung von Seiten der Zuhörer bewahrt. Die Erhöhung kann übrigens leicht abgenommen werden und sie beeinträchtigt daher keine anderweitige Bestimmung des Saals.

Was uns nun von Musikleistungen in den drei verschiedenen Sessionen zu Gehör kam, war größtenteils vorzüglich, sowohl in Hinsicht der Komposition als der taktfesten Exekution. Wir heben, der Beschränktheit des Raums wegen, daraus nur hervor: eine zweimalige, sehr gelungene Aufführung der Ouvertüre zum Freischütz; ein Klavierkonzert, gespielt im rühmlichem Ausdrucke von Dem. Karoline Bierwerth; ein Doppel-Konzert für Flöten von Berbignier, äußerst ansprechend vorgetragen vom Hrn. Kowatsch und dem jungen Walter, ersterer vormals, letzterer noch jetzt Zögling unseres Hrn. Bierwerth; ein Fagottkonzert, geblasen von den Erstgeanten; eine Symphonie von Ries; eine Bassarie aus der Schöpfung, eine zweite aus der Zauberflöte, beide gesungen vom Herrn Schrumpf, so wie mit ungemeiner Fertigkeit, durchgeführt von demselben, eine Polonaise von Beer für die Violine. Hr. S. besitzt eine sehr angenehme Bassstimme, nur ist sie für eine Begleitung mit dem vollen Orchester zu schwach, und auch ohne eine solche versteht man leider seine Worte durchaus nicht. Er wird eine freundliche Erinnerung über diesen Mangel an Schule hoffentlich gern hören und benutzen. Als Violinspieler ist derselbe gewiss ausgezeichnet

Möchte man unter den uns vorzuführenden Musikstücken nur nicht häufig so sehr lange, die Mehrzahl der Zuhörer ermüdende Kompositionen wählen! In dieser Hinsicht vermissen wir ein Hinaufschreiten unserer Konzerte, da man uns früher mehr Abwechslung und mehr allgemein Verständliches bot. Auch die Chöre unserer Singvereine bleiben gegenwärtig aus. Ob wir darüber zu klagen haben oder nicht, das ist im kompetenten Publikum noch nicht entschieden. Dagegen will man jetzt ein exakteres Spiel im Ganzen und einen Vorzug in den meisten Prinzipalpartien der Instrumente gegen die frühere Periode wahrnehmen. Ref. enthält sich jeder Vergleichung und suspendiert sein Urteil bis zur Beendigung der Winterkonzerte.

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Güstrow - der Markt.

Güstrow - der Markt.

Güstrow - der Dom.

Güstrow - der Dom.

Güstrow im Jahre 1632.

Güstrow im Jahre 1632.

Güstrow.

Güstrow.