Geschichte der Stadt Rostock – Erstes Buch – Das Aufblühen der Stadt – 8. Die Vitalienbrüder auf der Ostsee

Aus: 1. Teil. Von der Gründung der Stadt bis zum Tode Joachim Slüters (1532)
Autor: Koppmann, Karl (1839-1905) Stadtarchivar, Erscheinungsjahr: 1887

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Reformationszeit, Joachim Slüter, Wendenburg, Niklot, Warnow, Alt-Rostock
Der Bruder Albrechts II, Herzog Johann I von Stargard, fuhr 1390 nach Schweden hinüber, um Stockholm, die einzige Festung, welche von der Herrschaft König Albrechts übrig geblieben war, im Namen seines Neffen in Besitz nehmen. Im folgenden Jahr (1391) unternahm sein Sohn, Johann II, einen Kriegszug, zu welchem Rostock und Wismar Kriegsschiffe ausrüsteten, eroberte Bornholm und Gotland und kam nach Stockholm. Dem bedrängten Schloss Lebensmittel zuzuführen, war, wie die Aufgabe der Mecklenburger, so auch der Vorwand jener Gesellen, welche unter dem Namen Vitalienbrüder in bisher unerhörtem Maße die Ostsee unsicher machten und raubten und plünderten, was auf der See war. Ihre Hegung in Rostock und Wismar reizte Holländer und Engländer zu bitteren Vorwürfen und selbst zu Repressalien gegen die Hansestädte, die doch selber arg genug von den Freibeutern geschädigt wurden. Im Jahr 1394 wurde die Ausrüstung einer Flotte beschlossen, die zweifach so stark sein sollte wie diejenige, die man 1368 gegen Dänemark und Norwegen aufgebracht hatte; aber die Ausführung scheiterte an dem Widerspruch der preußischen Städte, deren Herrscher, der Hochmeister des Deutschordens, durch eine mecklenburgische Gesandtschaft zum Abschluss eines vorläufigen Friedens bewogen worden war. Im folgenden Jahr gelang es den Hansestädten, einen Frieden zwischen der Königin Margaretha und den Mecklenburgern zu vermitteln, der König Albrecht von Schweden und seinem Sohn Erich am 8. September 1395 gegen ein Lösegeld von 60.000 Mark löthigen Silbers (2 ½ Millionen Reichsmark) die Freiheit gab; binnen drei Jahren sollte der König das Lösegeld zahlen oder nach Ablauf derselben entweder in die Gefangenschaft zurückkehren oder Stockholm an die Königin ausliefern lassen; Stockholm sollte inzwischen als Unterpfand den Hansestädten zur Bewahrung übergeben werden.

Margaretha, die nach dem Tode ihres Sohnes Olaf Erich von Pommern, Enkel ihrer Schwester Ingeburg, Sohn der Marie von Mecklenburg und des Herzogs Wartislaw VII von Pommern-Stolp, zu ihrem Nachfolger erwählt hatte, gewann demselben im Jahre 1396 die Huldigung in Dänemark und Schweden und bewirkt am 13. Juli 1397 den Abschluss der kalmarischen Union, durch welche die drei nordischen Reiche dauernd unter Einen König gestellt wurden. Dem gegenüber entschlossen sich die Mecklenburger, das Kriegsglück noch einmal zu versuchen. Erich, des Schwedenkönig Albrechts Sohn, fuhr 1396 nach Gotland hinüber, wo Wisby durch eine mecklenburgische Besatzung dem dänischen Hauptmann des Landes, Swen Sture, gegenüber der ganzen Insel, nahm den Königstitel an und gedachte mit der Hilfe der Vitalienbrüder sich Stockholms zu bemächtigen. Aber ein früher Tod machte diesen Plänen Erichs am 27. Juli 1397 ein schnelles Ende; Gotland fiel durch einen Handstreich des Hochmeisters am 5. April 1398 in die Gewalt des Deutschordens; Abo und die übrigen Schlösser Finnlands, die in den Händen Swen Stures und anderer Vitalienbrüder waren, mussten 1399 der Königin Margaretha übergeben werden. Schon vorher war auch Stockholm, da König Albrecht weder das Lösegeld aufzutreiben vermochte, noch in die Gefangenschaft zurückzukehren Willens war, der Königin Margaretha am 29. August 1398 von den Hansestädten ausgeliefert worden. Dreizehn Monate später, am 29. September 1399, machten Rostock und Wismar mit den nordischen Reichen ihren Frieden.
Hansewappen

Hansewappen

Hanse Kogge

Hanse Kogge

Rostock Stadtansicht

Rostock Stadtansicht

Lübeck Das Holstentor

Lübeck Das Holstentor

Die Plünderung Wisbys

Die Plünderung Wisbys

Wirtshausszene in der Hansezeit

Wirtshausszene in der Hansezeit

Danzig - Frauengasse

Danzig - Frauengasse

Berlin und Kölln

Berlin und Kölln

Flucht an Bord einer Kogge

Flucht an Bord einer Kogge