Geschichte der Stadt Greifswald - 21. Greifswald und Schwedisch-Pommern bis zum französischen Kriege von 1807.

Aus der Landesgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns
Autor: Hahn, J. C. (? - ?) Gymnasiallehrer, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Pommern, Sitten und Gebräuche,
Die ersten Jahre des laufenden Jahrhunderts verflossen für unsere Provinz und Stadt in segensreichem Frieden. Zwar war der junge König Gustav IV. Adolph ein entschiedener Gegner der französischen Revolution und ein Feind Napoleons, aber seine Staaten lagen zu weit von dem damaligen Kriegsschauplatze entfernt, als dass diese Feindschaft gegen den neuen Kaiser für uns hätte nachteilig werden können. Als sich das deutsche Reich 1806 auflöste, erhielt der König freie Hand, sein geliebtes Pommern, in welchem er sich gerne aufhielt, neu zu organisieren und den Widerstand zu beseitigen, den ihm die pommerschen Landstände entgegensetzten.

In diesen Ständen hatte der Adel ein entschiedenes Übergewicht. Dasselbe hatte er unter Hessensteins Verwaltung benutzt, um die Bauern auf den adeligen Gütern zu legen, oder sie aus ihren Höfen zu vertreiben. Der Grundherr nahm den Bauern die Ackerhufen, welche sie und ihre Vorfahren gegen Frohndienste bisher besessen hatten, und vereinigte sie mit den eigenen zu großen Gütern, welche er entweder selbst bewirtschaftete, oder verpachtete, um einen höheren Ertrag daraus zu ziehen. Die ausgetriebenen Bauern wurden Einlieger oder Tagelöhner.

Auch bei den Städten und der Universität fand dieses Legen, jedoch in einem viel geringeren Umfang, Nachahmung, nur die schwedische Regierung erklärte sich entschieden dagegen und ließ es auf den Domainen nicht zu. Sie erkannte sehr wohl, dass in dem Bauernstande ein sehr wichtiger und bildsamer Volksbestandteil, der in den skandinavischen Reichen mit zu den vier Reichsständen gehörte und in Freiheit und Wohlstand lebte, unterdrückt und in Knechtschaft gebracht wurde. Der schwedisch-pommersche Statthalter Graf Liewen verfasste schon l772 eine Denkschrift, welche er seinem Nachfolger übergab, worin er die Wiederherstellung der bereits gelegten Bauerhöfe verlangte. Zufolge dessen wurden schon im folgenden Jahre die Stände und die Ritterschaft von der schwedischen Regierung aufgefordert, zu bewirken, dass dem schädlichen Legen der Bauerstellen Einhalt getan werde; aber die Stände lehnten diesen Antrag ab. Neue Aufforderungen fruchteten eben so wenig, und die Bauerdörfer verschwanden mehr und mehr auf dem adligen Grundbesitze.

Im Jahre 1803 trat unser so eben verstorbener großer Landsmann Ernst Moritz Arndt, damals Adjunct an der Universität zu Greifswald, als Verteidiger des Bauernstandes auf und verfasste die Schrift: Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen. Darüber erhoben die Adligen ein gewaltiges Geschrei und suchten den Verfasser bei dem jungen Könige zu verdächtigen. Dieser machte den damaligen Statthalter Grafen v. Essen zum Schiedsrichter, und als dieser sich für Arndts Ansichten erklärte, so blieb Arndt nicht bloß unangefochten, sondern der König wurde auch in seinen Reformplänen noch mehr bestärkt.

So wurde denn am 4. August 1806 ein Landtag nach Greifswald berufen. Er bestand nach schwedischer Weise aus den Abgeordneten der vier Stände, der Ritterschaft, der Geistlichkeit, der Bürger und Bauern.

Für die Zusammenkunft der Ritterschaft war das akademische Gebäude eingerichtet; die Priesterschaft versammelte sich in der Wohnung des Generalsuperintendenten, der Bürgerstand in der Schonenfahrercompagnie und der Bauernstand in der Aula des Gymnasiums.

Nachdem die Mitglieder des Landtages am 3. August sich gehörig legitimiert hatten, nahm am 4ten Morgens um 10 Uhr die feierliche Eröffnung unter großem Prunke ihren Anfang und begann mit der Ernennung des Grafen de la Gardie zum Landtagsmarschall Der Generalsuperintendent Schlegel war Sprecher des Priesterstandes und der von der Leibeigenschaft befreite Bauernstand wurde von dem Domainenpächter Ascher, einem Schwager von Arndt, vertreten. Der König sagte in seiner Thronrede, er wolle zur Erhöhung der Wohlfahrt seiner deutschen Staaten denselben die Verfassung verleihen, welche in seinen übrigen Reichen bestände, ohne sie dadurch vom deutschen Vaterland zu trennen.

Der Landtag dauerte 14 Tage. Beim Schluss am 18. August wurden dieselben Feierlichkeiten beobachtet, welche bei der Eröffnung Statt gefunden hatten. Alle Stände begrüßten die neue Ordnung der Dinge mit lautem Jubel, nur bei dem Adel zeigte sich einige Opposition.
Gustaf IV. Adolf (1778-1837) König von Schweden von 1792-1809

Gustaf IV. Adolf (1778-1837) König von Schweden von 1792-1809

Ochsen vor dem Pflug

Ochsen vor dem Pflug

Getreideernte

Getreideernte

Hahn und Hennen

Hahn und Hennen

Bauer mit Pferd

Bauer mit Pferd

Greifswald Stadtansicht

Greifswald Stadtansicht