Geschichte der Stadt Greifswald - 19. Die Friedensperiode von 1720 bis 1757 und der siebenjährige Krieg.

Aus der Landesgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns
Autor: Hahn, J. C. (? - ?) Gymnasiallehrer, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Pommern, Sitten und Gebräuche,
In den verschiedenen Friedensschlüssen, welche den nordischen Krieg beendigten, hatte Schweden von all seinen deutschen Staaten nur Vorpommern innerhalb der Peene und die Stadt Wismar behaupten können, welches noch dazu in einem höchst verwüsteten, entvölkerten und verarmten Zustande war. Wir wollen denselben an unserm Greifswald anschaulich zu machen suchen.

Durch die oben angeführten Feuersbrünste während der Kriege waren die Quartiere um die Marien- und Jacobikirche ganz häuserleer geworden. Sie wurden bis in dieses Jahrhundert hinein nur zu Gartenplätzen benutzt. Von den stolzen steinernen Bauten des 14ten, 15ten und 16ten Jahrhunderts waren nur wenige am Markt und in den angrenzenden Straßen stehen geblieben. Was wieder aufgebaut wurde, ward aus den noch brauchbaren Mauern halbzerstörter Gebäude mit einem schlechten hölzernen Überbau, oder auch ganz ärmlich aus Holz mit Lehmwänden errichtet, welches die durch die Noch erzeugte Genügsamkeit der damaligen Einwohnerschaft beweist.

Die 37 Friedensjahre wirkten zwar wohltätig auf das Wiederaufblühen von Stadt und Land, jedoch scheint es in der Stadt langsamer gegangen zu sein. Als die Universität 1747 ihr neues Collegiengebäude errichtete, konnte sie den wüsten, jetzt Rubenowplatz für weniger als 1.000 Thlr. bis zur langen Straße erweitern, denn es lagen nur zwei alte Häuser im Wege, aber selbst eine solche Mehrausgabe musste damals gescheut werden.

Da es in der Stadt noch so wüste war, so dachte man an keine Vorstädte. Dieselben sind aus der neueren und neuesten Zeit. Es lagen nur vor den Haupttoren einzelne Mühlen- und Ackerhöfe unordentlich durcheinander, weswegen es späterhin sehr schwer hielt, darin ordentliche und noch weniger gerade Straßen zu gewinnen.

Was diese Friedensperiode wieder erworben hatte, das ging in den schweren Zeiten des siebenjährigen Krieges wiederum verloren. Obgleich König Adolph Friedrich die Schwester Friedrich des Großen, Ulrike Eleonore, zur Gemahlin hatte, so musste er doch dem Bündnisse gegen seinen Schwager beitreten, denn die Königliche Gewalt war nach dem Tode Karls XII. sehr herabgedrückt worden und fast ganz an den Reichsrat und die Reichsstände übergegangen. Diese teilten sich in die Parteien der Mützen und Hüte, von welchen die erstem im französischen, die andern im russischen Solde stand; da damals aber sowohl Frankreich als Russland zu den Feinden des großen Königs gehörten, so machten beide Parteien gemeinschaftliche Sache, wogegen der König nichts vermochte.

Der Krieg wurde aber nur lässig und unrühmlich geführt und hatte kein anderes Ergebnis, als dass das Land von neuem vollständig ausgesogen wurde, obgleich die Preußen gute Mannszucht hielten und nur selten mutwillig Schaden anrichteten. Sie waren aber durch die eigene Not gezwungen, die größtmöglichsten Kriegssteuern und Lieferungen einzutreiben und alles von Wert, selbst die Glocken der Dorfkirchen, wegzunehmen, um daraus Kanonen zu gießen.

Ein herzzerreißendes Bild entwirft uns davon Heller in seiner Chronik von Wolgast, welche Stadt, hart an der Grenze liegend, dem Kriegsdrucke noch mehr als Greifswald ausgesetzt war. Es kostete jedoch ein einziger Besuch, welchen im Winter 1758 die Preußen hieselbst machten, der Universität an Geld und Lieferungen allein 37.000 Thlr., und die Stadt wird wohl nicht minder belastet worden sein. Von da an wiederholten sich die Hin- und Herzüge der beiden feindlichen Parteien in unserer Provinz, und Greifswald hatte bald schwedische, bald preußische Besatzung, bis am 22. Mai 1762 der Friede zu Hamburg diesen Drangsalen ein Ende machte.

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Friedrich II. (1712-1786) König von Preußen

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Karte des Herzogtum Pommern aus dem 17. Jahrhundert

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Maria Theresia (1717-1780) Erzherzogin von Österreich

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