Geschichte der Stadt Greifswald - 15. Greifswald und die Universität unter schwedischer Hoheit bis 1660.

Aus der Landesgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns
Autor: Hahn, J. C. (? - ?) Gymnasiallehrer, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Pommern, Sitten und Gebräuche,
Als Bogislaw XIV. am 10. März 1637 gestorben war, wollte der Kurfürst von Brandenburg von dem Lande laut seines Erbrechtes Besitz nehmen, aber die Schweden, welche das ganze Land besetzt hatten, wehrten es ihm, worauf er auf des Kaisers Seite trat. Dadurch ward Pommern wieder der Schauplatz des Krieges, der sich bis nach Greifswald erstreckte und dem platten Lande großen Schaden zufügte. Es wurden nicht bloß die Dörfer und Höfe der Stadt und Universität verheert und niedergebrannt, sondern die strenge Kriegszucht unter den Schweden hatte auch so sehr nachgelassen, dass die Besatzung der Stadt sich die größten Gewalttätigkeiten erlaubte. Am 14. November 1637 zündeten die schwedischen Soldaten das Kloster zu Eldena an, und alle Wirtschaftsgebäude brannten ab. Das schwarze Kloster, worin die Universität ihre Ökonomie hatte, wurde von schwedischen Reitern in Besitz genommen, welche es verwüsteten. Es ist deshalb zu bewundern, dass sich die Universität noch aufrecht erhielt und die Zahl der Studierenden sich nicht wesentlich verminderte, obgleich mehrere Professoren gestorben waren, deren Stellen nicht gleich wieder besetzt werden konnten, und andere die Stadt verlassen hatten, da sie kein Gehalt bekamen. Es war daher eine große Wohltat, dass die schwedische Königin Christina, die Freundin der Künste und Wissenschaften, einzelnen Professoren 200, 300, 400 Gulden zuwandte und der Stadt wiederholt Zollfreiheit erteilte. Auch der General Torstenson und Johann Oxenstirna, der Sohn des berühmten schwedischen Staatskanzlers, nahmen sich der Stadt und Universität an und bewirkten, dass der letzteren 1.000 Thaler aus der Staatskasse zur Verteilung unter die Professoren zugewiesen wurden. Überrhaupt war die schwedische Regierung sehr tätig, Pommern wieder in Aufnahme zu bringen, obgleich sie wiederholt durch das Kriegsgetümmel darin unterbrochen wurde.

Schon im Jahre 1515 war bei einem heftigen Sturm die sehr hohe Spitze des Nicolaiturmes herabgestürzt und hatte einen Teil des Kirchengewölbes zerschlagen. Der Schaden war bis zum Jahre 1531 wieder ersetzt, aber man hatte die Turmspitze wieder in einem Missverhältniss zu ihrem Unterbau viel zu hoch gemacht, daher stürzte sie am 13. Februar 1650, Nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr bei einem ähnlichen Orkane nochmals herab und zerschlug wiederum das Kirchendach und Gewölbe. Eine nähere Angabe über diesen Vorfall und den Wiederaufbau siehe in dem Anhange.

Eine neue große Bedrängnis kam über die Stadt Greifswald, als Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst, im September 1657 die schwedische Partei verlassen und sich den Feinden Schwedens angeschlossen hatte. Im Jahre 1659 rückte er vor Greifswald und stürmte es in der Nacht vom 23. auf den 24. September von der Südseite, während er die Stadt durch Feuerkugeln in Brand schießen ließ. Dieser Sturm wurde jedoch von den Bürgern und der geringen schwedischen Besatzung abgeschlagen, so wie ein zweiter, der gegen das Steinbeckertor gerichtet war. Kommandant der Stadt war Burchard Müller von der Löhne, Erbherr auf Ludwigsburg,

Karl X. Gustav von Schweden, der während seiner Regierung alle seine Nachbaren siegreich bekämpft hatte, starb 1660 und der Friede zu Oliva verschaffte den nordischen Reichen und also auch unserer Stadt die so hoch notwendige Ruhe, um sich wenigstens etwas von ihren großen Verlusten und Einbußen erholen zu können.

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Karl X. Gustav (1622-1660) König von Schweden

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Greifswald, Eldena, Kirche des Zisterzienser-Klosters (2)

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Greifswald, Eldena, Kirche des Zisterzienser-Klosters

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Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) trug den Beinamen: der Große Kurfürst

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Greifswald, Nikolai-Domkirche

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