Geschichte der Stadt Greifswald - 11. Vorgänge bei der Reformation in Greifswald.

Aus der Landesgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns
Autor: Hahn, J. C. (? - ?) Gymnasiallehrer, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Pommern, Sitten und Gebräuche,
Gleich nach dem Tode des Herzogs Georg I. zwangen zu Greifswald die Altermänner der Bürgerschaft den Rat, den als Prediger beliebten Johann Kniepstrow auf Kosten der Stadt von Stralsund kommen zu lassen. Bürgermeister waren damals Mg. Borghard Beckmann, früher an der Universität, Vike Bole und Caspar Bünsow. Unter den Ratmännern war auch ein früherer Akademiker, Mg. Petrus Gruel. Im Juni 1531 kam Kniepstrow nach Greifswald und hielt am fünften Sonntage nach Trinitatis seine erste Predigt über die christliche Gerechtigkeit nach Matth. 5, v. 20. Er fand bei dem Volke vielen Beifall und am Tage Aller Heiligen stellten die Kanoniker zu St. Nicolai ihre Horas ein und der katholische Gottesdienst hörte hierselbst auf. Im Februar 1532 kamen die lutherischen Prediger Johann Schulte und Mg. Clemens Timme nach Greifswald. Der Rat blieb aber der neuen Lehre abgeneigt, wies dem Kniepstrow eine ganz schlechte Wohnung an und bewilligte ihm kaum 20 Gulden als Gehalt für ein Jahr. Er kehrte daher nach Stralsund zurück, hinterließ aber zu Greifswald Schulte und Timme, so wie Mattheus Eggard für die drei Hauptkirchen.

Unter der Regierung Bogislaw X. stand die Universität zu Greifswald in großer Blüte, weil dieser Fürst die tüchtigsten Lehrer für dieselbe zu gewinnen wusste. Bei der Rückkehr von seiner Reise nach dem gelobten Lande, brachte er den berühmten Petrus Ravennas und dessen Sohn Vincentius mit, welche von 1498 bis 1503 hierselbst lehrten. Im Jahr 1509 kam auch auf kurze Zeit Ulrich von Hutten hierher und fand bei dem Bürgermeister Wedege Lotze gastliche Aufnahme. Bald entzweiten sich aber beide Männer, und als Hutten nach Rostock gehen wollte, ließ Lotze ihn vor dem Fettentore von den Stadtknechten überfallen, berauben und grausam misshandeln.

Als die neue Lehre auch in Greifswald angenommen wurde, erzeugte sie große Zerwürfnisse unter den akademischen Lehrern. Als die Canonicate aufgehoben wurden, wanderten ihre Inhaber aus und die meisten Vorlesungen mussten eingestellt werden. Johannes Bugenhagen wandte bei seiner Kirchenvisitation der Universität große Sorgfalt zu und wurde dabei von Thomas Kantzow kräftig unterstützt, welcher bei dem Herzog Geheimschreiber war. Der Herzog Philipp I. berief darauf neue Lehrer von ausgezeichnetem Ruf und brachte es dahin, dass zu Martini 1539 die Universität wieder eröffnet wurde, und in volle Tätigkeit treten konnte. Es war aber kein Leichtes, diese Anstalt aufrecht zu erhalten, da nach dem Wegfall der Canonicate die Einkünfte der Universität sehr dürftig waren und doch nach dem neuen Statute von 1545 die Anzahl der Professoren vermehrt werden sollte. Man kann daher die Mühe und Entsagung der Männer, welche in dieser bedrängnisvollen Zeit der Hochschule vorstanden oder daran lehrten, nicht genug anerkennen und bewundern.

Zu den verdienstvollsten unter diesen Männern zählen wir Jakob Runge aus Stargard, den Nachfolger Kniepstrows, welcher 1557 neben seiner Professur noch die Generalsuperintendentur über das ganze Herzogtum Wolgast erhielt und beide Ämter 38 Jahre lang mit unermüdlicher Tätigkeit bis an seinen Tod im Jahre 1595 verwaltete. Das Rektorat führte er mehrere Mal. Durch seine Kirchenordnung und Kirchenagende erhielt die lutherische Kirche Pommerns ihre dauernde Gestaltung, und Mohnike sagt von ihm, dass er für Pommern dasselbe gewesen sei, was Calvin für Genf war, mit welchem er in vielen Stücken vergleichbar ist. Mit Melanchthon stand er in den freundschaftlichsten Beziehungen und begleitete ihn in den wichtigsten Geschäften, z. B. 1557 nach Worms zum Religionsgespräche mit den Katholiken. Im Jahre 1558 ward Runge an Bugenhagens Stelle nach Wittenberg berufen, lehnte diesen ehrenvollen Ruf aber aus Vaterlandsliebe ab.

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01. Luther in 1526

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Bogislaw X. (1454-1523) Herzog von Pommern

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Bugenhagen, Johannes (1485-1558) Bedeutender Reformator und Weggefährte Martin Luthers

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Georg I. (1493-1531) Herzog von Pommern

Georg I. (1493-1531) Herzog von Pommern

Philipp I. (1515-1560) Herzog von Pommern-Wolgast

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Hutten, Ulrich von (1488-1523)Humanist, erster Reichsritter, Schriftsteller

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RA 024 Melanchthon Philipp

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