Geschichte der Stadt Greifswald - 08. Rubenows Wirksamkeit und Tod, 1462.

Aus der Landesgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns
Autor: Hahn, J. C. (? - ?) Gymnasiallehrer, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Pommern, Sitten und Gebräuche,
Herzog Wartislad IX. starb bald nach der Stiftung der Universität gegen Ostern 1457. Sein Nachfolger Erich II. geriet sogleich mit der Stadt Greifswald in Händel. Es war die fürstliche Vogtei Horst an Greifswald verpfändet, woran auch Bürger aus Stralsund einen Anteil hatten. Gleichwohl jagte der Herzog mit seinen Hofleuten im Horster Walde und zwang die Insassen zu Jagdfronden und Bewirtung.

Das nahm sowohl Rubenow als der Magistrat zu Stralsund sehr übel, und als keine Vorstellungen bei dem Herzoge halfen, so beschlossen sie, ihm auf eine nachdrückliche Weise die Jagdlust in ihrem Gebiete zu verleiden. An der Spitze von Bewaffneten aus beiden Städten zog Rubenow in der Nacht des 22. August 1457 aus und überraschte die schlafenden Waidmänner so unerwartet, dass der Herzog nur mit Not entkam und mehrere Diener gefangen nach Greifswald geführt wurden. Aus Rache regte nun der Herzog die zahlreichen Neider und Feinde, welche sich Rubenow im Bewusstsein seiner Verdienste durch sein kräftiges und rücksichtsloses Regiment zugezogen hatte, dermaßen gegen ihn auf, dass er, seines Lebens nicht mehr sicher, nach Stralsund flüchten musste. Diesmal wurde der Zwiespalt durch seine Freunde noch vermittelt und eine Aussöhnung herbeigeführt, so dass Rubenow nach Greifswald zurückkehren und seine Ämter wieder übernehmen konnte. Die Aussöhnung war aber nicht aufrichtig, und der Hass seiner Feinde wurde um so tödlicher, je länger und sorgfältiger sie ihn verbergen mussten. Am bittersten hassten ihn zwei Männer, jeder der Genosse seiner Würden, nicht aber seines Verdienstes und Ruhmes: Dietrich Lange, zweiter Bürgermeister, und Dr. Bukow, nach Rubenow der angesehenste Akademiker. Diese fanden an zwei verbrecherischen Menschen, Klaus Hörmann und Damerow, willige Werkzeuge für ihre langgehegten Rache-Pläne. Am letzten Tage des Jahres 1462 hatte sich Rubenow nach seiner Gewohnheit in früher Morgenstunde in die Ratsschreiberei begeben und ohne seine Kollegen zu erwarten seine städtischen Geschäfte begonnen. Da besetzte Damerow die Tür, sein Genosse trat in die Stube und spaltete dem Arglosen mit einem Beile den Kopf, so dass er tod vom Stuhle sank. Seine Feinde ließen die Mörder entkommen und erwählten seinen entschiedenen Gegner, Klaus von Osten, an seiner Stelle. Zwar drohten die Bürger und Studenten, empört über diese grässliche Tat, Aufruhr und Rache, aber seine Feinde ließen den Herzog Erich heimlich mit bewaffneter Macht in die Stadt, welcher diese Bewegung unterdrückte. Als der Herzog aber so weit ging, das ganze Geschlecht der Rubenow aus der Stadt verbannen zu wollen, erregte den Ratmann, Heinrich Hennings, der Schwestersohn von Rubenows junger Witwe, einen neuen Aufstand der Bürger, in welchem Lange und Osten erschlagen und ihre Leichen aufs Rad geflochten wurden, Bukow entwich nach Gützkow in sein Plebanat.

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Rubenow, Heinrich (1400-1462) Bürgermeister von Greifswald

Rubenow, Heinrich (1400-1462) Bürgermeister von Greifswald

Greifswald, Dom, Rubenowdenkmal

Greifswald, Dom, Rubenowdenkmal

Greifswald, Universität, Rubenowdenkmal auf dem Rubenowplatz

Greifswald, Universität, Rubenowdenkmal auf dem Rubenowplatz