Geschichte der Stadt Greifswald

Aus der Landesgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns
Autor: Hahn, J. C. (? - ?) Gymnasiallehrer, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Pommern, Hansestadt Greifswald, Hansa, Hanse

Obgleich zu einer Geschichte der Stadt Greifswald die schätzbarsten Vorarbeiten, besonders von dem verstorbenen Herrn Bürgermeister Gesterding und dem noch jetzt wirkenden Herrn Professor Kosegarten, gemacht worden sind, so hat es doch noch immer an einer zusammenhängenden und auch für ein größeres Publikum fasslichen Darstellung gefehlt. Der Unterzeichnete hat es unternommen, nach diesen Hilfsmitteln eine solche Geschichte unserer Stadt zu verfassen, und übergibt sie hiermit einer billigen Beurteilung der geneigten Leser. Bei der Darstellung der Stadtverfassung in dem dritten Anhange verdankt er wichtige Belehrungen dem Herrn Professor Dr. Pütter, wofür er ihm öffentlich seinen Dank ausspricht.
        Im Juni 1860.

                                Inhaltsverzeichnis.

Einleitung
01. Ursprung der Stadt Greifswald
02. Von den Kirchen und Klöstern der Stadt
03. Das damalige Geld
04. Die Kaufmannschaft der Stadt
05. Die Gewerke und Brüderschaften
06. Der mecklenburgische Krieg, von 1326-1328
07. Die Stiftung der Universität zu Greifswald 1456 mit einem Blick auf den Kultur- und religiösen Zustand der nächst vorhergehenden Zeit
08. Rubenows Wirksamkeit und Tod, 1462
09. Die Verfassung der Universität
10. Vorbetrachtung zur Reformation und ihr Beginnen in Pommern
11. Vorgänge bei der Reformation in Greifswald
12. Des Herzogs Philipps I. Verordnungen in Betreff der Kirchen, Klöster und frommen Stiftungen in Greifswald
13. Die Stadt und Universität unter der Regierung des Herzogs Philipp Julius, von 1592-1625
14. Greifswalds Drangsale im 30jährigen Kriege
15. Greifswald und die Universität unter schwedischer Hoheit bis 1660
16. Die Regierungszeit Karls XI., von 1660-1697
17. Pommerns und Greifswalds Bedrängnisse unter Karl XII., von 1697 bis 1718
18. Die große Feuersbrunst in Greifswald am 1. März 1713
19. Die Friedensperiode von 1720 bis 1757 und der siebenjährige Krieg
20. Greifswalds Wiederaufschwung in der segensreichen Friedensperiode zwischen dem 7jährigen Kriege und der französischen Revolution
21. Greifswald und Schwedisch-Pommern bis zum französischen Kriege von 1807
22. Der französische Krieg und die Okkupation des Landes durch die Franzosen im Jahre 1807
23. Der Krieg von 1812 und die letzten Zeiten der schwedischen Herrschaft
Erster Anhang. Zur Geschichte des Gymnasiums zu Greifswald
Zweiter Anhang. Zur Geschichte der Nicolai-Kirche
Dritter Anhang, Greifswalds Stadtrecht. Verfassung und Verwaltung

                                        Einleitung.

In den Gestaden der Ostsee von der Recknitz bis zur Weichsel wohnten nach der Völkerwanderung zwei nahe verwandte wendische Volksstämme, die Ranen oder Ruganen und die Pommern oder Pommeranen. Die Ersteren besaßen außer der Insel Rügen den nördlichen Teil von Neuvorpommern zwischen dem Ryck, der Trebel und Recknitz, die Letzteren unter mehreren Fürsten stehend, den ganzen übrigen Küstenstrich an der Ostsee, und teilten sich in eigentliche Pommern und Pommerellen. Diese Vielherrschaft schwächte sie, so dass sie weder über die weit minder zahlreichen und ausgedehnten Ranen obsiegen, noch gegen ihre Nachbaren, die Polen, ihre Unabhängigkeit behaupten konnten, von welchen ihnen auch im Anfange des 12. Jahrhunderts, 1124—1128, durch den Bischof Otto von Bamberg das Christentum aufgedrungen wurde. Doch wirkte zu ihrer Bekehrung neben der Furcht vor den Polen auch viel die feurige Beredsamkeit und die Freigebigkeit des Bischofs von Bamberg mit.

Die Ruganen hatten außer den Pommern mächtige Feinde an den Dänen, mit welchen sie in beständigen Fehden lebten. Man unternahm beiderseits häufige Seezüge und plünderte einander die Küsten aus; aber an Unterwerfung und bleibende Oberherrschaft über den Mindermächtigen wurde lange nicht gedacht.

Als aber Heinrich der Löwe in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Kämpfe des Kaisers Friedrich Barbarossa gegen die Lombarden zur Gründung eines selbstständigen Reiches im Lande der Wenden benutzen wollte, verbündete er sich mit dem Dänenkönige Waldmar I., 1137—1182, und versuchten im Lande der Wenden bleibenden Besitz zu erwerben. Die Obotriten in Mecklenburg wurden gänzlich bezwungen und größtenteils ausgerottet, aber durch die Entzweiung der Verbündeten scheiterte die Unternehmung der Verbündeten gegen Pommern.

Im Jahre 1168 sandte Waldemar seinen Feldherrn, den Bischof Absalon von Rösciöld, zur endlichen Bezwingung und Bekehrung der Ranen aus. Er eroberte auch ihre Hauptfeste Arkona, zerstörte den dasigen Tempel des Götzen Swantevit und brachte das Werk der Bekehrung der Unterworfenen zum Christentum glücklich zu Stande. Von da an betrachtete sich der Rügenfürst als Vasall der dänischen Krone und erhielt von derselben auch Unterstützung gegen die Herzöge des vorderen Pommerns, deren Hauptsitze Wolgast, Stettin und Demmin waren.

In diesen Fehden war besonders das Land auf der Südseite des Rycks sehr verwüstet und entvölkert. Vom Bodden bis nach Gützkow hinunter bedeckte ein dichter Eichen- und Buchenwald das Land und erstreckte sich auch über die heutige Stadt und Feldmark von Greifswald. Nur einzelne wendische Höfe und Dörfer lagen am Rande dieses Waldes, von welchen uns vor der Entstehung unserer Stadt die Orte Kemnitz, Wyck, Ladebow, der Salzort oder das Rosenthal, Leist, Wampen, Dersekow, Dargelin, Sanz u. a. genannt werden.

Die Grenze zwischen dem pommerschen und rügenschen Gebiete blieb lange streitig, doch waren in den ersten Dezennien des 13. Jahrhunderts die Fürsten von Rügen faktisch im Besitz des Landes am Ryck bis zu seinem Ausflusse hin und darüber hinaus. Fürst Jaromar glaubte diesen unsicheren Besitz am besten zu verwerten, wenn er ihn an die Kirche schenkte und sich dafür die Gunst und den Schutz derselben erkaufte. Er bot ihn zuerst dem Kloster zu Dargun an, aber die Mönche desselben wussten davon keinen Gebrauch zu machen, daher wandte sich der Fürst nach Dänemark und zog aus dem Kloster zu Esserum auf Seeland Zisterziensermönche dahin. Dieselben legten am Ausfluss der Hilda oder des Ryckes 1207 ein Kloster an, das nach dem Fluss seinen Namen erhielt. Es wurde von Jaromar, der auch der Erbauer von Stralsund ist, (1212) reich mit Grundbesitz ausgestattet, den die klugen Mönche sich auch von den pommerschen Herzögen bestätigen ließen, um ganz sicher zu gehen.

Im Anfange des 13. Jahrhunderts war besonders der Nordwesten von Deutschland, die Niederlande, das Friesen- und Sachsenland, durch mancherlei Unglücksfälle heimgesucht. Durch den Fall Heinrichs des Löwen war das einst so starke Herzogtum Sachsen in viele kleine Gebiete zerschlagen, deren Herrn ihrer Fehdesucht auf Kosten des fleißigen Bürgers und Bauern freien Lauf ließen. Als nun auch noch Überschwemmungen und andere Naturereignisse hinzukamen, so wurde einem großen Teile der Bevölkerung der Aufenthalt in der Heimat so sehr verleidet, dass sie sich in einem gewaltigen Strome in die entvölkerten Wendenlande ergossen und daselbst eine Menge Städte und Dörfer gründeten, deren Namen Köln an der Spree (jetzt ein Teil von Berlin), Frankfurt an der Oder etc. die Herkunft ihrer Begründer anzeigen. Bei uns gibt die Nachsilbe Hagen die Dörfer und Höfe an, welche diese Deutschen angelegt haben. Sie wurde dem Namen des Begründers angehängt, was viele Beispiele, als Hans-, Friedrichs-, Dieterichshagen etc. beweisen.
Die geistlichen Herrn wussten von diesen Auswanderern den besten Nutzen zu ziehen. Sie räumten den Bauern, welche nicht nur einen viel bessern Landbau, sondern auch eine ganz vorzügliche Benutzung des Rindviehes einführten, anständige Freiheiten der Person und des Eigentums ein, und wirkten den Kaufleuten und Gewerbetreibenden die Erlaubnis aus, an gewissen Orten Wochenmarkt abhalten zu dürfen.

Dass dies zur Gründung von Städten geführt habe, erzählt Kosegarten in seiner Nachricht von der Entstehung und Beschaffenheit der Stadt Greifswald. Verlag von F. Otte 1846, S. 7. wie folgt. „Als Graf Berthold von Zäringen sich entschlossen hatte, die Stadt Freiburg im Breisgau anzulegen, bestimmte er eine Stelle als Marktplatz, verfügte sich zu derselben hin, rief Kaufleute herbei und wies denselben Hausplätze an, welche rings um den Markt gelegen waren. Sobald die Marktstelle eingerichtet worden, kamen von allen Seiten Kaufleute herbei und bauten sich an. Vier und zwanzig dieser Kaufleute wurden zu Ratsmännern der neuen Stadt bestellt."

Wegen dieser Art der Entstehung führen in Schweden mehrere Städte das Wort Köping, d. i. Kaufung, Kaufort, Markt, in ihren Namen, wie z. B. Nyköping, d. i. Neumarkt, Norköping, d. i. Nordmarkt, Söderköping, d. i. Südmarkt.

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Hansewappen

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Hanse Kogge

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Lübeck Das Holstentor

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Die Plünderung Wisbys

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Flucht an Bord einer Kogge

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Wirtshausszene in der Hansezeit

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