Erneuerung des Andenkens an einen früheren vaterländischen Beobachter des Mondes

Aus: Freimütiges Abenblatt, Band 8 (1826)
Autor: Redaktion - Freimütiges Abendblatt (Zimmermann), Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Astronomie, Mondbeobachtung, Johannes Kepler, Fernrohr, Linder, Mann im Mond, Leben auf dem Mond, Wunder am Himmel, Planet, Sonne, Mond und Sterne, Halbmond, Vollmond
Aus: Freimütiges Abendblatt. Achter Jahrgang. Schwerin, den 6ten Januar 1826. 04

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Bekanntlich behaupteten schon mehrere alte griechische Philosophen, z. B. Anaragoras, dass der Mond von lebendigen Geschöpfen bewohnt sei. Ihre Behauptungen waren nichts weiter, als wahrscheinliche Hypothesen, ohne alle weitere Beweise sinnlicher Wahrnehmungen. Die neueren Behauptungen von Schröter und Gruithuisen gründen sich aber auf wirkliche Anschauung, durch ihre Fernröhre.

Aus den von letzterem wirtlich bemerkten künstlichen und wallähnlichen Gebilden lässt sich nun zwar eben nicht ein sicherer Schluss auf lebende und vernünftige Bewohner des Mondes, als Urheber der gedachten Erscheinungen, machen, indem die Natur sehr oft, auch bei ihren Erzeugnissen, eine gewisse Regelmäßigkeit beobachtet, z. B. bei allen Arten von Kristallen: allein wenn es mit der Behauptung des verstorbenen Schröter seine wirkliche Richtigkeit hat, dass er auf der scheinbaren Oberfläche des Mondes eine Art von Straßen, und auf selbige sich willkürlich bewegende Geschöpfe bemerkt habe, so gewährt eine solche Erscheinung allerdings einen sehr konkludenten Beweis für die wirkliche Existenz lebender Wesen im Monde.

Ob und in wie fern mit diesen Beobachtungen des verstorbenen Schröter die Erfahrungen anderer bewährter Astronomen, z. B. eines Herschel, Piazzi, Lalande usw., übereinstimmen und dieselben bestätigen, muss ich, als ein Laie in der Astronomie, auf sich beruhen lassen; sollten dieselben aber dadurch eine nähere Bestätigung erhalten haben oder in der Zukunft noch erhalten, so wird der Herr Hofrat Masch, welcher die Ehre dieser Entdeckung dem Herrn Prof. Gruithuisen streitig gemacht und dem verstorbenen Lizenziaten Schröter zugeeignet hat, es mir gefälligst zu gute halten, wenn ich dieselbe für einen bereits vor vielen Jahren verstorbenen Einwohner Mecklenburgs, nämlich den zu Ivenack verstorbenen Küster Trump, in Anspruch nehme.

Derselbe hatte sich nämlich, nicht nur aus einer leidenschaftlichen Vorliebe für die Astronomie, zu einem ausgezeichneten Astronomen gebildet, sondern sich auch unter dem Beirat eines andern Berliner Astronomen — ni fallor, des verstorbenen Lambert — ein eignes 30 oder 40füßiges Fernglas gebildet und die dazu erforderlichen Gläser selber geschliffen. Der Mond war ebenfalls der Hauptgegenstand seiner Betrachtungen, und mehrere seiner Zeitgenossen, welche er den Mond durch sein Teleskop hat betrachten lassen, haben mich versichert, dass sie nicht nur Straßen, sondern auch sich bewegende Wesen auf selbigem gesehen hatten. Der eine wollte sogar einen sich fortbewegenden Kahn bemerkt haben. Die eigentliche Zeit dieser Beobachtungen kann ich so genau nicht mehr angeben, allein wenn ich mich nicht irre, so ist der Küster Trump bereits vor 50 bis 60 Jahren verstorben. So wie dasselbe sehr oft bei gewissen neuen Erfindungen der Fall ist, so habe auch ich früher über diese angeblichen Betrachtungen gespottet und sie keiner weitern Beachtung wert gehalten: allein gegenwärtig scheinen sie mir allerdings eine nähere Berücksichtigung zu verdienen; denn warum sollte man nicht durch das Trumpsche Fernrohr dieselben Erscheinungen, wie durch das Gruithuische, haben wahrnehmen können? Ich empfehle daher diesen Gegenstand einer nähern Untersuchung. Vielleicht sind noch Leute am Leben, welche den verst. Trump gekannt und durch sein großes Fernrohr den Mond betrachtet haben. Für diejenigen welche sich der Bemühung einer solchen nähern Untersuchung unterziehen wollen, bemerke ich noch, dass von diesem astronomischen Genie bereits vor 30 bis 50 Jahren in einer zu Berlin — ni fallor — bei Pauli herausgekommenen Zeitschrift für Naturkunde usw. die Rede gewesen ist, welche wenigstens die Existenz desselben außer Zweifel setzen wird. *) Mir soll es genügen, wenn ich zur Erhaltung des Andenkens an einen solchen merkwürdigen Mann etwas mit beitragen kann, der in günstigeren Verhältnissen vielleicht ein zweiter Herschel geworden wäre. Zinzow, den 20. Nov. 1825
Zimmermann.

*) Einer unserer geehrten Herrn Mitarbeiter schreibt uns über diesen Gegenstand Folgendes: „Von dem Küster Trump in Ivenack habe ich in den Jahren 1786 und 87 in der Stavenhagener Gegend noch viel sprechen, und ihn als einen sehr sinnreichen, aber sehr bescheidenen Mann rühmen hören. Er war damals aber schon tot, und das große, von ihm zu dem Riesenfernrohr gebaute Gerüst hatte der Wind lange schon umgeworfen. Der Mann hatte sich über diesen Unfall damit getröstet, doch so viele Wunder am Himmel mit eignen Augen gesehen zu haben. Die näheren Angaben von seinen Entdeckungen habe ich damals für zu ungenau gehalten, und daher nicht sonderlich beachtet. Der vormalige Pastor Hahn zu Kittendorf, welcher 1792 starb, sprach mit vielem Interesse von diesem Manne. Die Berliner Zeitschrift, worin Nachricht von ihm gegeben wird, führt wahrscheinlich den Titel: (ältere) Schriften der Gesellschaft naturforschender Freunde, die bei Pauli herauskamen.“ — Sehr angenehm würde es uns sein, wenn etwanige Besitzer dieser Schriften uns jene Nachricht im Auszuge mitteilen. Überhaupt werden wir jede weitere Auskunft über das Leben und die Entdeckungen dieses Mannes mit Vergnügen (unfrankiert) entgegennehmen. d. Red.
Kepler, Johann (1571-1630) Johannes Kepler war ein deutscher Naturphilosoph, Mathematiker, Astronom, Astrologe, Optiker und evangelischer Theologe. Johannes Kepler entdeckte die Gesetze der Planetenbewegung.

Kepler, Johann (1571-1630) Johannes Kepler war ein deutscher Naturphilosoph, Mathematiker, Astronom, Astrologe, Optiker und evangelischer Theologe. Johannes Kepler entdeckte die Gesetze der Planetenbewegung.

Mond, von der Erde aus gesehen

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