Erbauung des alten oder Wendischen Rostocks

Aus: Beiträge zur Geschichte des alten, Wendischen Rostocks
Autor: Mahn, J. F. A. (?-?), Erscheinungsjahr: 1854
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Rostock, Stadtgeschichte, Wenden, Stadtgründung, Historische Quellen
In jene Zeit nun, wo die tätigen Wenden die Wildnisse unsers Landes in gesegnete Fluren umwandelten, wo überall große und kleine Städte und Dörfer errichtet wurden, fallt auch die Erbauung des alten Rostocks, jenes Rostocks, welches i. J. 1161. der Dänenkönig Waldemar I. (1157—82) von Grund aus zerstörte. Allein bei dem gänzlichen Mangel an Urkunden kann weder das Jahr der Erbauung, noch selbst das Jahrhundert mit Sicherheit angegeben werden, und es lässt sich nur die Vermutung aussprechen, dass die Wenden die so wichtige und geeignete Lage der Gegend für Schifffahrt und Handel gleich anfangs nicht außer Acht gelassen, sondern schon sehr früh daselbst ihre Wohnungen gegründet haben.

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Welche Gegend konnte ihnen auch größere Vorteile für ihre Hauptbeschäftigung gewähren, als der bedeutendste Fluss des Landes, vorzüglich da, wo er sich so ansehnlich erweitert? Außerdem erteilen einmütig alle Schriftsteller die Versicherung, die Ufer der Unter-Warnow hätten den fruchtbarsten Boden zum Getreidebau, die fettesten Wiesen zur Viehzucht dargeboten, und diese Fruchtbarkeit scheint mir auch die Ursache gewesen zu sein, weshalb in der Folge zum Andenken das grüne Viereck in das Wappen der Stadt mitaufgenommen wurde. Enthielt auch der Fluss nach Saxo Grammaticus (lib. XIV. hist. Dan.) Zeugnis damals nicht die jetzige Tiefe, um große Seeschiffe bis zur Stadt zu tragen, so bleibt es doch ausgemacht — mit ihren kleinen Schiffen durchschnitten die Wenden kühn die Ostsee, brachten ihre Produkte nach Skandinavien und fanden auf ihren Raub- und Plünderungszügen gegen die Dänischen Inseln stets bei Verfolgungen vor größeren Schiffen in dem Fluss einen sichern Zufluchtsort. Rostocks und der umliegenden Gegend Bewohner waren aber aller Wahrscheinlichkeit nach der Dänen gefährlichste Feinde, die ihren Inseln sowohl, als ihrem Handel den ärgsten Schaden zufügten. Dies geht daraus hervor, dass Waldemars Zorn besonders auf sie fiel und der mächtige Dänenfürst, um Rache zu nehmen, an der Mündung der Warnow 1161 ein so furchtbares Heer landete, dem die Rostocker mit aller ihrer Tapferkeit nicht zu widerstehen vermochten.

Über die Größe des alten, Wendischen Rostocks sind nur dürftige Nachrichten vorhanden. Die erste, aber zuverlässige, über Rostock seit seiner Gründung gibt Chemnitz in seiner Genealogia ducum Megapol S. 1634.1 König Gottschalk (1045-1066) hat Rostock erstlich zum Städtlein oder oppidum gemacht.
Keineswegs kann ich der Meinung beipflichten, das alte Rostock sei so klein gewesen, als man gewöhnlich annimmt, ja ich möchte die Angabe Saxos nur für die richtigere erklären; denn nicht allein ist er der ältere Schriftsteller, der nur ungefähr fünfzig Jahre nach der Zerstörung Rostocks lebte und schrieb, sondern aus seiner Darstellung leuchtet auch deutlich eine genaue Kenntnis aller Umstände, so wie der Beschaffenheit der ganzen Gegend hervor. In seiner Beschreibung des Kampfes beider Völker trat den Dänischen Schiffen eine zahlreiche Wendische Flotte auf der Warnow entgegen, welche ihnen den Durchgang vom Meere zum Breitling streitig machte. Rostock ist von seinen Einwohnern verlassen.
Kurz vor der Zeit, wo der Angriff der Dänen 1161 erfolgte, war der Sachsenherzog Heinrich der Löwe mit gewaltiger Heeresmacht in Mecklenburg eingefallen. Gegen ihn bedurfte der Wendenfürst Niclot alle seine Schaaren, und da er wider die Dänen keine Hilfe senden konnte, so ist es wahrscheinlich, wohl darf ich sagen gewiss, dass die Rostocker nur deshalb ihre Stadt verlassen, um mit den übrigen Bewohnern der Umgegend die zahlreiche Wendische Flotte zu bemannen. Dieser Umstand setzt aber eine nicht geringe Bevölkerung Rostocks voraus und rechtfertigt die Angabe Saxos, Rostock mit dem Worte urbs zu benennen, liefert zugleich auch den genügenden Aufschluss, dass die Wendische Flotte ihre Hauptstation in der Warnow hatte und dass die Rostocker schon damals eine bedeutende Flotte besaßen.

Unter den Städten jener Zeit darf man sich übrigens durchaus nicht unsere jetzigen vorstellen, noch viel weniger an regelmäßige und gepflasterte Straßen denken; die Wendischen Städte machten nur einen Haufen unordentlich unter einander liegender, aus Sträuchern und Lehm errichteter Wohnungen aus. So beschreiben sie alle Historiker.

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Warnemünde, Strom, Hafen und Leuchtturm

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