Elbe-Schweriner See-Ostsee-Kanal

Autor: Redaktion, Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung, Erscheinungsjahr: 1825
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Schweriner See, Kanal, Elbe, Wismar, Ostsee, Wallenstein, Wasserstraße
Es ist hier jetzt wieder mehr wie je von dem Entwürfe die Rede, die Elbe mittelst des Schweriner Sees mit der Ostsee zu verbinden. Diesem Entwürfe, mit dem schon Wallenstein sich beschäftigt hat — es finden sich zwischen Wismar und dem Schweriner See noch Spuren von dem Kanale, den er daselbst graben lassen wollte — stellen sich aber bedeutende Schwierigkeiten entgegen. Der Schweriner See soll nämlich an hundert Fuß höher liegen, als die Ostsee.

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Auf der kurzen Strecke von einigen Meilen bis Wismar würden also an zehn Schleusen angelegt werden müssen, um den Kanal daselbst fahrbar zu machen. Da man aber die Kosten einer jeden Schleuse ungefähr auf hunderttausend Thaler anschlagen kann, so leuchtet ein, dass sie für den möglichen Nutzen zu hoch hinanlaufen würden. Jetzt ist man auf den sehr glücklichen Gedanken gekommen, dass man durch eine Chaussee von Wismar bis zum See dasselbe und mit wenigeren Kosten würde erreichen können, und dadurch wird der Plan um Vieles ausführbarer. Von Schwerin bis zur Elbe besteht eine Verbindung für kleine Fahrzeuge. Bis Grabow wird sie schon jetzt benutzt. Wir hatten diesen Herbst eine Zeitlang das Vergnügen, den sonst toten See durch einige segelnde Schiffe, welche Raps dahin von Vicheln brachten, belebt zu sehen; ein erfreulicher Anblick, der in den Herzen der Zuschauer den Wunsch, jenes Projekt bald zur Ausführung gebracht zu sehen, recht lebendig machte.

Wie diejenigen versichern , welche mit der Örtlichkeit näher bekannt sind, würde in dieser Gegend mit wenigen Kosten, welche sogar durch Gewinn an Wiesen und Land leicht mehr als ausgeglichen werden möchten, die Schiffbarmachung für größere Fahrzeuge zu bewerkstelligen sein. Die Wichtigkeit einer solchen Wasserverbindung ist einleuchtend. Was für segensreiche Folgen müsste es für Mecklenburg haben, wenn man die Elbe durch dasselbe leiten könnte — und doch würde man auf diesem Wege fast dasselbe erreichen. Die beiden Städte Wismar und Rostock — denn auch das letztere würde, mittelst einer Kunststraße, welche von Bützow aus die Warnow mit dem Schweriner See verbände, sich leicht mit demselben in Verbindung setzen können — würden sehr dadurch gewinnen. Sie, die jetzt auf die Ostsee beschränkt sind, würden für ihr Getreide einen neuen Absatzweg erhalten. Dass er ihnen, wie dem Lande sehr vorteilhaft sein würde, erhellt daraus, dass das Korn, welches einmal nicht viel Landfracht tragen kann, in Boitzenburg meistens bedeutend höher im Preise steht, als in den Ostseehäfen, besonders wenn starker Bedarf im inneren Deutschland ist. Diese Städte würden dadurch zugleich , was sehr wichtig ist, auf einem wohlfeileren Wege, als durch die immer sehr kostspielige Ostseefahrt, mit Hamburg in Verbindung kommen.

Die Realisation dieses Plans möchte in den jetzigen Zeiten, wo der Staat Geld zu billigen Zinsen aufnehmen kann, besonders noch aus dem Grunde wünschenswert sein, um den Tagelöhnern, denen es in vielen Gegenden an Verdienst fehlt, Arbeit zu verschaffen. Um die Ausführung selbst möglich zu machen, wird es aber noch nötig sein, ihr ein besonderes Gesetz voraufgehen zu lassen, wodurch bestimmt ausgesprochen wird, was freilich an sich auch schon aus dem allgemeinen Rechte zu deduzieren sein möchte: dass der Einzelne nötigenfalls dem Ganzen sein Eigentum oder einen Teil desselben gegen Entschädigung abzutreten verpflichtet ist. Dieses, um die Hindernisse, welche Einzelne sonst der Ausführung gemeinnütziger Zwecke in den Weg legen können, aus dem Wege zu räumen.

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Schwerin (Meckl.), Schlossbrücke, Hoftheater und Museum 1917

Schwerin (Meckl.), Schlossbrücke, Hoftheater und Museum 1917

Schwerin (Meckl.), Burggarten

Schwerin (Meckl.), Burggarten