Doberan, Stadt und Domänenamt an der Ostsee. 1828

Aus: Geographische Beschreibung der Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz
Autor: Hempel, Gustav (?), Erscheinungsjahr: 1829
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Bad Doberan, Heiligendamm, Ostseebad, Seebad, Badeort, Samuel Vogel, Badearzt, Badeanstalt, Baderegeln, Badekur, Heilbad, Kurbad, erstes deutsches Seebad, 1793
Doberan, Domänenamt an der Ostsee, fast 35 Q.-M. groß, und früher größtenteils der ehemaligen Abtei und Kloster gleichen Namens gehörig. Das Amt hat fast durchgehend einen sehr guten Boden, und gehört zu den bevölkertsten Gegenden des Landes, indem über 2.300 Individuen auf die Q.-Meile kommen. Es enthält 58 Ortschaften mit 8 Kirchdörfern, 13 Landgütern, 27 Erbzinsgehöfte, 238 Bauern und 303 Büdner. Darin der Marktflecken:

Doberan, mit mehr als 200 Häusern und 2.000 Einwohnern, ist besonders wegen der vortrefflichen Seebadeanstalt, der ältesten in Deutschland, berühmt, und hat auch zu Bädern benutzte Stahl- und Schwefelquellen. Doberan liegt 1/2 Meile von der Ostsee, am äußersten, südöstlichen Ende eines weiten Tales, welches fast von allen Seiten von Hügeln und Anhöhen umgeben wird. Der Ort besteht aus mehreren, zum Teil nur weitläufig mit Häusern besetzten, Straßen und Plätzen, ist nicht regelmäßig gebaut, hat aber doch ein freundliches Ansehen und viele ansehnliche und große Häuser. Das Großherzogliche Palais ist von mittlerer Größe, geschmackvoll und in einem edlen Stile aufgeführt, und im Innern mit den schönsten, im Lande verfertigten Möbeln geziert. Es liegt am sogenannten Kamp, einem mit lauter ansehnlichen Gebäuden besetzten Platze von ziemlich beträchtlichen Umfange, und wird an der hintern Seite von Englischen Gartenanlagen umgeben. Auf einer mit zu diesem Garten gezogenen wiesengründigen Ebene steht die Kirche, ein großes und stolzes Gebäude im gotischen Geschmack und in Kreuzform erbaut, auf dessen Mittelpunkte sich eine mäßige Turmspitze erhebt. Die Höhe des Gewölbes beträgt 80 Fuß, die Länge des Schiffs 220, und die Breite in den Kreuzgängen 100 Fuß. Im Innern befinden sich mehrere Altertümer, einige Reliquien und viele Monumente von den hier begrabenen Mecklenburgischen Fürsten, z. B. von den Herzögen Christian Ludwig und Karl Leopold. Nicht weit von der Kirche steht das Amtshaus mit parkartigen Anlagen. Am Kamp liegt auch das große und gut eingerichtete Logierhaus, und daneben das ansehnliche Schauspielhaus. In der Nähe befindet sich das Erbgroßherzogliche Palais mit einem Springbrunnen vor demselben. Eins der schönsten Gebäude Doberans ist noch das Stahlbad, ebenfalls unweit des Kampes belegen. Der Neue Markt ist ein mit hübschen massiven Häusern bebauter Platz, erst seit einigen Jahren angelegt.

Eine starke halbe Meile von Doberan, beim heiligen Damme befindet sich die eigentliche Seebadeanstalt. Den Weg dahin bildet eine gut unterhaltene auf einer flachen Hügelkette angelegte Chausseestraße. Das Badehaus, in welchem auch die Schwefelbäder enthalten sind, liegt etwa 50 Schritte vom Seeufer, ist zwar nur von einem Stockwerke aber 180 Fuß lang. An demselben grenzt ein angenehmes Gehölze in welchem Spaziergänge ausgehauen sind. Ein eigenes Gebäude enthält den großen Gesellschaftssaal und einige Erfrischungszimmer. In einem andern kleineren Hause werden an Arme unentgeldlich Bäder ausgeteilt. Zum Baden in der offenbaren See gibt es noch besondere Anstalten, so wie auch dazu eingerichtete Boote.

Die Umgebungen Doberans gewähren überall das Bild einer heiteren lieblichen Landschaft. Nahe bei der Kirche erhebt sich der mit Spaziergängen versehene Buchenberg, und auf einer andern Seite ebenfalls unmittelbar an Doberan der Jungfernberg (103 Fuß über die Meeresfläche) mit einem Pavillon. Von beiden Höhen hat man die interessantesten Aussichten, vorzüglich vom Jungfernberge aus, wo man das ganze Tal, an dessen Ende der Ort liegt, in tiefer Niederung vor sich sieht, und in der Ferne mehrere Dörfer, Rostock, Warnemünde und die Ostsee. Noch verdient die seit einigen Jahren wieder im Stande gesetzte katholische Kapelle zu Altenhof, 1/2 Meile von Doberan, erwähnt zu werden; ein angenehmer Weg führt zu derselben. —

Der heilige Damm gewahrt einen ganz eigentümlichen schönen Anblick, durch die ungeheure Menge verschiedenartig gefärbter glatter Kieselsteine, die das Meer hier ausgeworfen hat, und die einen Wall von beträchtlicher Breite und Höhe in der Lange einer halben Meile darstellen.

Die Anzahl der Fremden, die den Ort während der Badezeit besuchen, steigt gewöhnlich über 1.400. Größtenteils besteht diese Badegesellschaft aus Mecklenburgern, Preußen, Hannoveranern, Engländern, Hamburgern und Holsteinern. Auch der Großherzog verweilt jeden Sommer in Doberan. Die alljährlich während der Badesaison Statt findenden Pferde-Rennen bringen auch manchen Fremden hierher. Die Rennbahn ist 1/4 Meile vom Orte, links vom Wege zum heiligen Damme.

Doberan war ehedem eine Abtei und Mönchskloster, Zisterzienser Ordens, gestiftet 1173 vom Fürsten Pribislav II. und 1552 vom Herzog Johann Albrecht I. säkularisiert. Kloster und Kirche waren vormals mit vielen Reichtümern und Privilegien dotiert, und letztere stand durch mancherlei Legenden und Reliquien in großen Ansehen; so dass zu derselben sogar aus sehr entfernten Ländern gewallfahrtet wurde. Die Kirche ward von 1186 bis 1232 erbaut. Das Seebad legte der jetzt regierende Großherzog im Jahr 1793 an.
Der Kamp mit dem Herzoglichen Palais.

Der Kamp mit dem Herzoglichen Palais.

Der Kamp in Doberan.

Der Kamp in Doberan.

Das Stahlbad zu Doberan.

Das Stahlbad zu Doberan.

Die Kapelle in Althof.

Die Kapelle in Althof.

Der Heilige Damm und die Ostsee.

Der Heilige Damm und die Ostsee.

Das Salon- und das Badehaus in Heiligendamm.

Das Salon- und das Badehaus in Heiligendamm.

Der Neue Markt in Doberan.

Der Neue Markt in Doberan.

Die Großherzoglichen Logierhäuser in Heiligendamm.

Die Großherzoglichen Logierhäuser in Heiligendamm.

Das Sommerhaus der Alexandriene.

Das Sommerhaus der Alexandriene.

Die Kirche - Das Doberaner Münster.

Die Kirche - Das Doberaner Münster.

Das Großherzogliche Palais in Doberan.

Das Großherzogliche Palais in Doberan.

Der Kamp nach Osten.

Der Kamp nach Osten.

Das Innere der Kirche zu Doberan.

Das Innere der Kirche zu Doberan.

Blick auf den Buchenberg zu Doberan.

Blick auf den Buchenberg zu Doberan.