Doberan - Schloss und Flecken

Rheinisches Konversations-Lexikon oder enzyklopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände
Autor: Herausgegeben von einer Gesellschaft rheinländischer Gelehrter, Erscheinungsjahr: 1833
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Bad Doberan, Heiliger Damm, Ostseebad, Heiligendamm, Gottlieb Samuel Vogel, Großherzog Friedrich Franz I., Baderegeln
Doberan, Schloss und Flecken (2.200 Einw.) mit einem Amte, eine Stunde von der Ostsee im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. In der Kirche sieht man die Begräbnisse der alten Herzoge von Mecklenburg und andern Personen. Eine Viertelmeile davon zieht sich der heilige Damm, ein hoher Wall durch die Natur künstlich gebildeter und wunderbar gefärbter Steine, weit in die Ostsee hinaus. Das Meer soll diese Steine in einer Nacht, vielleicht durch ein Erdbeben aufgeregt, ausgeworfen haben. Das vormalige Zisterzienserkloster ist jetzt ein fürstliches Jagdschloss. Das eine Stunde von Doberan entfernte Seebad, die älteste deutsche Seebadeanstalt, ward auf Befehl des Herzogs [Friedrich Franz I.] 1793 angelegt angelegt. Nahe an der Ostseeküste liegt, umgeben von kleinen Gebäuden, das große Badehaus, welchem das Seewasser durch Pumpen und Röhren zugeführt wird. Man nimmt kalte und erwärmte Bäder; auch sind Vorrichtungen zum Regenbad, zur Mutterdusche etc. Gebadet wird in der See mittelst Badekarren mit 4 Rädern, welche die Badezeit über in der See bleiben, und aus deren innerem Raume, der zum Entkleiden dient, eine Treppe ins Wasser hinabführt. Gegen die Macht der Meereswellen ist das Ufer durch eine Mauer geschützt. Ein hohes, schattenreiches Portal, von dem Bade zum Ruhen und zur Abkühlung bestimmt, mit einer schönen Aussicht auf die weite See, steht am Ufer. Nach dem Bade kann man in einem Lustwalde sich Bewegung machen. Seit 1811 ist ein Haus für 12 arme Kranke errichtet, welche die Bäder ganz frei erhalten. Da nur wenige Kurgäste im Badehause wohnen können, so nehmen alle andre ihre Wohnung in Doberan, wo man sehr gutes Unterkommen findet. Für die Verschönerung Doberans hat der Großherzog viel getan. Der Kamp, ein großer Platz, enthält schattenreiche Anlagen, auch einen Konzertsaal. Das große Logierhaus, das zu Wohnungen für Kurgäste bestimmt ist, hat einen Saal für Spiel und Unterhaltung. Rauschende Vergnügungen sind in das nahegelegene Gebäude verwiesen. Seit 1805 ist ein Schauspielhaus erbaut. In der Nähe liegen: der Park mit seinem Wasserbecken, der Jungfernberg mit seinen Anlagen und der Aussicht auf die mit Schiffen belebte See und landeinwärts bis Rostock; der Buchenberg, die Lademühle, die Althofermühle etc. Entferntere sehenswerte Orte sind: Dietrichshagen mit seinem Berge, einem der höchsten Hügel Mecklenburgs, von welchem aus man den größten Teil Mecklenburgs, die Ostsee mit mehren Inseln, bis Holstein überschaut. Warnemünde, der konventer Landsee, wo man sich mit der Schwanenjagd belustigen kann u. dgl. m. (Vgl. Vogels „Handbuch zur Kenntnis von Dobberan“, Rostock 1819.)

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Cover der Neuauflage

Cover der Neuauflage

Das Innere der Kapelle

Das Innere der Kapelle

Das Waldhaus

Das Waldhaus

Die Steilküste

Die Steilküste

Bad Doberan um 1800

Bad Doberan um 1800