Die mecklenburgischen Großherzogtümer

Handels-Geographie und Handels-Geschichte für Kaufleute, Fabrikanten, Staats- und Geschäftsmänner in jeder Beziehung.
Autor: Nischwitz, Chr. Fr. Adolph Dr. (?) deutscher National-Ökonom und Publizist, Erscheinungsjahr: 1838
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Wirtschaft, Handel, Landwirtschaft
Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin.
Handels-Produkte.

Dieses meist ebene, von der Elbe und Ostsee bespülte und von Torfmooren durchzogene, sowie mit ansehnlichen Laub- und Nadelholzwaldungen und unzähligen Seen bedeckte Land ist sehr fruchtbar und liefert auf seinem Marschboden eine Menge Produkte, namentlich viel Getreide und Holz zur Ausfuhr, Rübsamen, Flachs, Hanf, Tabak, Hopfen, und ungeachtet seiner nördlichen Lage, in guten Jahren auch bedeutende Quantitäten Obst zur Ausfuhr seewärts.
Wichtig wurde in der neuern Zeit, neben der ausgezeichneten Rindvieh-, Schweine-, Schaf- (gegen 700.000 Stück) und Gänsezucht, die sehr verbesserte Pferdezucht; daher denn auch der Handel mit sehr geschätzten Pferden, wie sie nicht leicht ein anderer deutscher Staat aufzuweisen hat, mit gemästetem Vieh, Butter, fetten geräucherten Gänsebrüsten, Bett- und Schreibfedern, sowie mit Wolle von Bedeutung ist, wozu auch noch die starke Fischerei in der Elbe, in den vielen Seen und im baltischen Meere kommt.

Das Mineralreich ist arm, und gibt, außer Braunkohlen (bei Mallitz im Hrzgth. Schwerin), viel Torf, Gips, Kalk, Töpferton und Salz aus einer einzigen Quelle zu Sülze an der Recknitz im Hrzgth. Güstrow (über 80.000 Ctr.), bisweilen etwas Bernstein an den Küsten der Ostsee und im Müritzsee. Mineralquellen hat das Land zu Doberan (hier auch das älteste deutsche Seebad), und Parchim im Hrzgth. Schwerin und zu Goldberg und Stavenhagen im Hrzgth. Güstrow.

Gewerbs-Industrie.

Diese ist in Vergleich zu andern deutschen Ländern noch sehr unbedeutend; denn eigentliche Fabriken gibt es nur in sehr geringer Zahl, und selbst diese sind von keiner großen Bedeutung. Am stärksten ist die Leinen- und Wollenweberei (ordinäre Tuche und Fries); die letztere am stärksten und besten zu Schwerin, Plau und Malchow; auch gibt es viele Gerbereien (zu Rostock allein über 40 und in den übrigen Städten gegen 80); ebenso ist die Tabakfabrikation nicht unbedeutend, und wird von 12 Fabriken und etwa 50 einzelnen Fabrikanten (meist zu Rostock, Wismar und Schwerin) betrieben. Geringes Papier wird in 7 Papiermühlen, und ebenso grünes Hohl- und Tafelglas in 7 Glashütten (zur Ausfuhr) verfertigt. Zuckerfabriken gibt es nur zu Rostock, Branntweinbrennereien in überaus großer Anzahl (über 500) sowohl in den Städten als auf den Rittergütern und Domänen. Außerdem sind noch zu nennen mehrere gute Essigbrauereien, besonders zu Rostock, 50 bis 60 Grützmühlen, gegen 30 Teerofen, 20 Kalkbrennereien, Ziegeleien, Tonpfeifenbäckereien und Leimsiedereien.

Mecklenburgs Handel.

Mecklenburg hat durch seine Lage, zwischen der Ostsee und Elbe einen sehr günstigen Platz zum Handel, und es benutzt solchen auch zu einem lebhaften Schifffahrtsverkehr; nur fehlte es bisher noch für den Innenhandel an guten Straßen und andern Verbindungsmitteln, zu deren Anlegung man jedoch in den letzten Jahren auch hier ernstlich geschritten ist, wie schon der kürzlich vollendet Eldekanal beweist, durch welchen, mittels der Stör und Elde, die Verbindung zwischen Schwerin und Hamburg hergestellt wurde. Übrigens hat Mecklenburg bei seinem Handel die Bilanz für sich, denn so bedeutend auch hier die Einfuhr von Fabrikaten und ausländischen Waaren ist, so wird dieselbe doch durch die noch stärkere Ausfuhr von inländischen rohen Produkten gedeckt. Am stärksten ist der Handel mit Russland, Schweden und Norwegen, Dänemark, England, den Niederlanden, den Hansestädten und Hannover, weniger wichtig jetzt, wegen des hohen Zolltarifs, mit Preußen und den übrigen deutschen Zollvereinsstaaten.

Die wichtigsten Handelsplätze des Landes sind die Ostseehäfen Rostock und Wismar, nächst dem Boitzenburg an der Elbe. Außer diesen treiben aber auch Güstrow, Schwerin, Parchim, Grabow, Dömitz und Ribnitz nicht unbedeutenden Handel. Zur Belebung des innern Handels dienen die vielen Jahrmärkte, die nicht bloß in den Städten und Flecken, sondern auch auf mehreren Dörfern (29) gehalten werden. Die wichtigsten sind die zu Rostock und Wismar, die Wollmärkte zu Güstrow, Boitzenburg und Neubrandenburg, die großen Buttermärkte zu Grabow und mehrere bedeutende Viehmarkte an den genannten Orten.

Ausgeführt wird hauptsächlich: Getreide aller Art, auch Malz, Mehl, Grütze, Hülsenfrüchte und Rapps, teils zur See über Rostock und Wismar nach England, Schweden etc., teils auf der Elbe über Boitzenburg nach Hamburg, teils ins Preußische (in guten Jahren an 20.000 Last); Wolle, ebenfalls ein Hauptprodukt, nach Berlin, Hamburg und Lübeck (jährlich gegen 40.000 Stein, zu einem Werte von etwa 350.000 Thlr.). Butter, auch Käse, größtenteils nach Hamburg und Berlin, über Grabow und Fürstenberg. Auf den Buttermärkten zu Grabow werden allein jährlich über 500.000 Pfd. Butter zu einem Werte von 75 bis 80.000 Thlr. verkauft. Ferner ebendahin: gemästetes Vieh, und Holz meist auf der Elbe nach Hamburg; Pferde nach mehreren Ländern, besonders auch feine Reit- und Wagenpferde auf die Messen nach Leipzig. Das großherzogl. Hauptlandgestüte ist zu Redefin bei Hagenow; die berühmteste Stuterei Mecklenburgs aber besitzt der Graf von Plessen zu Ivenack an der pommerschen Grenze im Hrzgth. Schwerin. — Minder wichtig ist die Ausfuhr von Fischen (besonders geräucherte Heringe oder Bücklinge) Häuten, Bett- und Schreibfedern, Obst, teils frisch, teils getrocknet nach Russland und Schweden (von Rostock jährlich 4 bis 6.000 Tonnen Äpfel), Tabak, Glas, Essig von Rostock, Branntwein etc. — Eingeführt werden dagegen außer Kolonial- die meisten Manufaktur- und Fabrikwaren, Wein, Südfrüchte, Steinkohlen und alle Metalle.

Man schlägt den Wert der jährlichen Ausfuhr auf 3 bis 3 ½ Mill., die Landeseinkünfte auf 1 ½ Mill., die Staatsschulden auf mehr als 6 Mill Thlr. an.

Durch einen neuerdings (Juni 1836) zwischen den Großherzogtümern Mecklenburg und Frankreich abgeschlossenen sehr günstigen Handels- und Schifffahrtsvertrag hat sich für den Absatz der Produkte Mecklenburgs auf 10 Jahre ein sehr vorteilhafter Markt in Frankreich eröffnet, dagegen aber auch Frankreich ein bedeutendes Depot für seine Erzeugnisse und Fabrikate in den mecklenburgischen Häfen und dadurch zugleich in Deutschland gewonnen, da die Menge von französischen Waren, welche seitdem zu Rostock und Wismar ankommen, ungeachtet der strengen Grenzbewachung, dem Schleichhandel nach Preußen und den übrigen Zollvereinsländern, wo jene Waren hohen Einfuhrabgaben unterliegen, zu viel Reiz und Anlass geben. Auch in Schwerin finden sich schon beträchtliche französische Warenlager, und die Annehmlichkeiten des Aufenthalts in Doberan während der Badesaison (schreibt man aus Mecklenburg) werden nicht wenig dadurch vermehrt, daß alle französischen Waren zu so billigen Preisen zu haben sind. Die Konsumtion an französischen Weinen soll in Folge des genannten Traktats außerordentlich zugenommen haben, und ebenso die Einfuhr von Kolonialwaren, so daß der inländische Markt damit überführt sei.

Schwerin.

Die Haupt und Residenzstadt des Landes, am gleichnamigen See, hat unter allen Städten Mecklenburgs die reizendste Lage und zählt über 13.000 Einw., die zwar keinen wichtigen Handel, aber doch durch die hiesige Schifffahrtsgesellschaft, welche mittels der Stör und Elde eine Wasserfahrt zur Elbe und nach Hamburg unterhält, einigen Verkehr mit Landesprodukten treiben. Unter den Gewerben sind auszuzeichnen 1 Tuchmanufaktur, 7 Tabaksfabriken, 1 Steinschleiferei, sowie mehrere Branntweinbrennereien und Essigbrauereien. Auch hat die Stadt 2 Buchhandlungen, 1 Buch- und 1 Kupferdruckerei.

Rostock.

Die größte Stadt Mecklenburgs und der wichtigste Handelsplatz des Landes, liegt an der schiffbaren Warnow, die hier eine ansehnliche Breite (2400 Fuß) und Tiefe hat und den Hafen der Stadt bildet, und zählt über 19.000 Einw. Die Hauptsächlichste Erwerbsquelle Rostocks, das besondere Vorrechte, z. B. eine ganz freie Verfassung, das Münzrecht usw. hat, ist Schifffahrt und ein ausgebreiteter Seehandel, bestehend in Ausfuhr der obengenannten Landesprodukte (allein Getreide für 1 Mill. Thlr.) und Einfuhr von Kolonial- und Fabrikwaren, für welchen die Stadt über 150 Schiffe besitzt. Durch die Tätigkeit der hiesigen Kaufleute haben sich die Geschäfte des Platzes in der neuern Zeit sehr gehoben, und es laufen jetzt jährlich zu Warnemünde, dem 2 Meilen von hier an der Mündung der Warnow in die Ostsee gelegenen und von Lotsen, Fischern und Schiffsbauern bewohnten Vorhafen Rostocks, 5 bis 600 Schiffe ein, unter welchen, neben denen der Stadt und andern mecklenburgischen Häfen, die dänischen und schwedischen die Mehrzahl bilden. Auch auf der obern Warnow von Bützow und auf der Nebel von Güstrow an wird schon seit längerer Zeit mittels sogenannter Prahmen lebhafte Schifffahrt nach Rostock betrieben. Die Nieder-Warnow von Rostock ab hat schon für bedeutende Fahrzeuge hinlängliches Fahrwasser, allein größere Seeschiffe mußten bisher, bevor sie in die Warnow einlaufen konnten, auf der Rhede zu Warnemünde durch Leichterschiffe gelöscht werden, was, bei dem sehr lebhaften Verkehr zwischen diesem Seehafen und Rostock, seit Kurzem sehr zweckmäßig durch ein Dampfboot geschieht.

Neben der Schifffahrt werden hier auch mehrere Gewerbe lebhaft betrieben. Man zählt außer 100 Schiffern mehr als 200 Kaufleute, 54 Branntweinbrennereien, 2 Essigbrauereien, 2 Zuckersiedereien, 41 Lohgerbereien, 9 Leimsiedereien, l Cichorien-, 8 Tabaks- und 6 Seifenfabriken etc. und treibt Fischerei und Schiffbau; auch hat Rostock 2 Buchhandlungen, 1 Buchdrucker- und 1 Steindruckerei. Seebadeanstalt bei Warnemünde.

Wismar.

Die zweite Handelsstadt des Großherzogtums (mit 10.000 Einw.), an einem Busen der Ostsee gelegen, die hier einen vortrefflichen Hafen bildet, treibt ebenfalls Schifffahrt mit 70 eigenen Schiffen, neben welchen jährlich noch 200 fremde einlaufen. Wismar hat gegen 100 Kaufleute, über 50 Schiffer und viele Fischer; auch gibt es hier, wie in Rostock, viele Gerbereien, 2 Tabaks- und 1 Spielkartenfabrik, 2 Buchhandlungen, 1 Buchdruckerei, 1 Steindruckerei und eine Seebadeanstalt.

Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz.

Klima, Boden und Produktenreichtum sind, mit Ausnahme der Seefische, da dieses Großherzogtum, kein Küstenland besitzt, ganz gleich dem von Mecklenburg-Schwerin; denn auch hier geben Ackerbau und Viehzucht die Hauptbeschäftigung und den meisten Gewinn. Ebenso verhält es sich mit den Gewerben und dem Handel. Die höhere Industrie ist ebenfalls wenig bekannt. Tuchweberei, Leder- und Tabaksbereitung und Branntweinbrennereien bilden die vorzüglichsten Gewerbe; auch macht man in 5 Papiermühlen ziemlich gutes Papier. Ferner sind zu bemerken mehrere Kupfer- und Messinghämmer im Ratzeburgischen, 2 Glashütten und 20 Schneidemühlen. Neubrandenburg, Fürstenburg und Altstrelitz machen die meisten Handelsgeschäfte und bemerkenswert sind noch: der Wollmarkt zu Neubrandenburg, die Pferdemärkte zu Altstrelitz und die Buttermärkte zu Fürstenberg.

Man legt sich hier ebenfalls mit großer Sorgfalt auf die Pferdezucht, und vortreffliche Stutereien sind zu Ihlenfeld und Großmilzow; zu Neustrelitz befindet sich das Landgestüt für die großherzogl. Domänen.

Die Staatseinkünfte betragen nahe an 400.000, die Staatsschulden gegen 400.000 Thlr.

Neu- und Altstrelitz.

Die Haupt- und Residenzstadt am Zierkersee, mit ziemlich 6.000 Einw., ist regelmäßig gebaut und lebhaft und gewerbsam, doch finden sich hier, außer 1 Buchhandlung und 1 Buchdruckerei, keine größeren Industrieanstalten. — In der 1 Stunde davon liegenden früheren Residenz, Altstrelitz oder Strelitz, mit 3500 Einw., wird ein sehr bedeutender Pferdemarkt gehalten, der aus den entferntesten Gegenden Europas besucht wird; auch gibt es hier 3 Leder- und 2 Tabaksfabriken.

Wichtiger als Alt- und Neustrelitz in Hinsicht auf Fabriktätigkeit und Handel ist Neubrandenburg mit 6.000 Einw., 43 Brantweinbrennereien, 3 Tabaks-, 1 Tuch-, Papier-, Karten-, Leim- und einer chemischen Fabrik. Auch wird hier jährlich ein Wollmarkt gehalten.

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Schweriner Schloss um 1880

Schweriner Schloss um 1880

Rostock: Häusergruppe an der Grube

Rostock: Häusergruppe an der Grube

Rostock, Marktplatz mit Marienkirche und Blutstraße

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Güstrow, Schloss

Güstrow, Schloss

Schwerin (Meckl.), Großherzogl. Schloss 1918

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Wismar, Fürstenhof, Portal, Rückansicht

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Bei der Feldarbeit

Bei der Feldarbeit

Töpferei in Mecklenburg, Mitte des 19. Jahrhunderts

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Die Pferdezucht in Mecklenburg war sehr geschätzt

Die Pferdezucht in Mecklenburg war sehr geschätzt

Heiligendamm, Kurhaus und Chaussee

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Hauptsächliche Erwerbsquelle in Rostock war die Schifffahrt und ein ausgebreiteter Seehandel

Hauptsächliche Erwerbsquelle in Rostock war die Schifffahrt und ein ausgebreiteter Seehandel

Ackerbau und Viehzucht war die Hauptbeschäftigung in Mecklenburg

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Kristallschleifferei in Wismar

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