Die mecklenburgische Brigg Gustav. 1875

Aus: Allgemeine Illustrierte Zeitung. Über Land und Meer. 17. Jahrgang.
Autor: Herausgegeben von F. W. Hackländer, Erscheinungsjahr: 1875

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Segelschiff, Brigg, Beschuss
Am 11. Dezember kam die mecklenburgische Brigg Gustav, welche auf der Fahrt von New York nach Passages begriffen war und eine Ladung Petroleum und Naphtha an Bord hatte, an der nordspanischen Küste in einen furchtbaren Sturm, der sie zwang, in der Bucht von Guctaria vor Anker zu gehen. Da unfern der kleinen befestigten Stadt sich Ankerplätze mit Bojen befinden, hätte ohne Einmischung der Karlisten das Schiff sich ruhig festlegen und am nächsten Tage mit einem dortigen Lotsen die Reise nach seinem Bestimmungsort, dem wenige Meilen weitergelegenen Passages vollenden können. Die für Carlos septimo, dem Prätendenten, kämpfenden Straßenräuber und Riffpiraten gaben der Sache eine andere Wendung. Während alle Leute mit dem Festmachen der Segel beschäftigt waren, und trotz der aufgehissten deutschen und der Notflagge, feuerten die Karlisten, zirka 30 an der Zahl, eine Salve nach der anderen auf das Schiff ab. Die Matrosen vollendeten indes ihre Arbeiten und ein von Guctaria abgesandtes Boot suchte sich dem Schiffe und den Bojen zu nähern. Der Kugelregen ließ jedoch das Antauen nicht zu, das Schiff musste seinem Schicksal überlassen bleiben und Kapitän und Mannschaft konnten nur nach mehrmaligen Versuchen und äußerster Lebensgefahr für Retter wie zu Rettende bei eintretenden Dunkelheit an Land gebracht werden. Während dieser ganzen mühevollen Arbeit, also während beinahe vier Stunden, hörte das Feuern der Kalisten, die sich noch aus der nahen Garnison Zarauz verstärkt hatten, nicht auf. Es sollen mehr als 2.000 Schüsse gefallen sein. Die Offiziere der republikanischen Stadt Guctaria nahmen die Schiffbrüchigen sehr freundlich auf, wie überhaupt die ganze Einwohnerschaft, die nun schon seit Jahr und Tag von der Landseite belagert wird und oft am Nötigsten, sogar an Wasser, Mangel leidet, den Deutschen, die sie als die "Ihrigen" . . . ansah, lebhaft ihre Sympathie bezeigte. Gleich nach Verlassen des Schiffes ist das selbe bei Zarauz aufgefahren. Die deutsche Regierung konnte diesen Schimpf den die Karlisten ihrer Flagge angetan, nicht auf sich ruhen lassen, und sofort ergingen die energischsten Aufforderungen an die spanische Regierung, welch auch, sobald alle nötigen Papiere eingelaufen, volle Satisfaktion zu geben versprach, was der deutschen Regierung die Unannehmlichkeit ersparte, sich selbst Genugtuung zu verschaffen. Es gingen spanischerseits drei Kriegsschiffe in die Gewässer von Zarauz, um die Karlisten für die der deutschen Flagge angetane Schmach zu züchtigen. Inzwischen kreuzt auch das deutsche Schiff Nautilus in den Gewässern von Zarauz.

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Maritimes, Die mecklenburgische Brigg Gustav bei Zeranz

Maritimes, Die mecklenburgische Brigg Gustav bei Zeranz