Die Stadt Krakow und Oldendorf

Autor: Lisch, Georg Christian Friedrich (1801 Strelitz - 1883 Schwerin) Prähistoriker, mecklenburgischer Altertumsforscher, Archivar, Konservator, Bibliothekar, Redakteur, Heraldiker und Publizist (Freimaurer), Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Landesgeschichte, Krakow, Stadtgeschichte, Kloster Doberan, Niclot,
Das Alter der Stadt Krakow hat sich bis jetzt nicht über das Jahr 1298 hinaus zurückführen lassen. Die Stadt wird in diesem Jahre zuerst genannt, als der Fürst Nicolaus von Werle am 21. Mai 1298 dem Kloster Doberan die beiden zunächst bei der Stadt gelegenen Seen, den „krakower See“ und den „oldendorfer See“ verkauft (vgl. Jahrbuch. XVII., S. 287): der Fürst verkaufte die beiden Seen:

„den einen, welcher größer ist und an der Stadt Krakow liegt, woher er auch den Namen erhalten hat, dass er Krakower See genannt wird, den anderen, welcher kleiner ist, und an das Dorf, welches Oldedorp genannt wird, stößt, welche beide Seen immer verbunden gewesen und bisher ungeteilt geblieben sind.“

An demselben Tage bewilligte die verwitwete Fürstin Sophie von Werle mit denselben Worten diesen Verkauf, da diese beiden Seen mit zu ihrem Leibgebinge gelegt waren. Bei diesem Verlaufe ward jedoch ausdrücklich bedungen, dass „die Bewohner der Stadt Krakow der Freiheit auf dem großen See und auf einigen Inseln desselben genießen sollten, welche sie als ihnen von den Vorfahren des Fürsten verliehen durch glaubwürdige Urkunden klar beweisen könnten“.

Die Stadt ist also viel älter als 1298, und wahrscheinlich durch den Fürsten Nicolaus I. (1237-1277), wenn nicht schon von Borwin gestiftet. Leider hat die Stadt kein altes Denkmal mehr, und auch an der Kirche ist so viel herumrestauriert, dass sich ein Stil nicht mehr erkennen lässt. Nur die romanisierenden Lissenen an den Ecken deuten noch auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts für den ursprünglichen Bau hin.

Das Eigentum des großen Krakower Sees hat immer den Fürsten gehört; jedoch sind der Stadt Krakow immer umfängliche Fischereigerechtigkeiten auf dem See und zwei Inseln oder „Werder", der Schwerin und der Lehmwerder (im 14. Jahrhundert Leuen Werder), in demselben bestätigt worden. Im Jahre 1298 ward dem Kloster Doberan auch der landesherrliche See verkauft, welcher bei dem Dorfe Oldendorp lag. Dieses Dorf steht nicht mehr und ist früh untergegangen, stand aber nach der Urkunde gewiss noch im Jahre 1298. Dies gibt Veranlassung, die Verhältnisse der Feldmarken der Stadt Krakow und der angrenzenden Güter zu untersuchen.

Die wendische Fürstenburg Krakow lag nicht an der Stelle der jetzigen Stadt, sondern eine weite Strecke südlich davon im Krakower See nahe am Ufer, auf Stadtgebiet, nördlich von dem Dorfe Mollen, dem alten Burgwalle von Dobbin gegenüber (vgl. Jahrb. XXIV., S. 303 flgd.). Dieser Burgwall wird noch in den Akten des 17. und 18. Jahrhunderts „Borgwall" genannt und ist noch heute unter diesem Namen bekannt. Die Lage ist der von Kutsin (Quetzin) ähnlich.

Westlich von dem großen Krakower See und dem Burgwalle lag an einem kleineren See früher ein Dorf, welches wohl ohne Zweifel Krakow hieß und zu dem Burgwalle gehörte. Nachdem die Stadt Krakow gegründet war, verlor dieses Dorf den Namen und ward das Olde Dorf oder Oldendorf genannt. Die Ackerfeldmark dieses Dorfes, welches, nach der oben angeführten Urkunde noch im Jahre 1298 stand, ward bei der Gründung der Stadt Krakow zu der Stadtfeldmark gelegt und bildete wohl einen Hauptbestandteil derselben.
Leider besitzt die Stadt keine Urkunden mehr. Die älteste Bestätigung der Stadtprivilegien stammt aus der Zeit 1365 — 1375; das großherzogliche Archiv besitzt eine jüngere Abschrift in deutscher Übersetzung, in welcher leider der Schluss mit dem Datum weggelassen ist. Da aber der Fürst „Johannes de oldere von Werte" die Urkunde ausgestellt hat, so muss sie in die Zeit 1365—1375 fallen. Nach dieser Bestätigung waren der „stadt breve vorbranth", bei einer Eroberung, wie eine jüngere Urkunde sagt. Durch diese Urkunde wird der Stadt Krakow auch der Besitz der Felder von Oldendorp versichert:
„Mehr vnse gedachten rhatmanne weyde in scheden vnde velben des Olden Dorpes myt stadtrechte ganß scholen beholden." Damals stand also das Dorf Oldendorp nicht mehr. In der nächsten Bestätigung durch die letzten Fürsten Balthasar und Wilhelm von Werle, welche ebenfalls nur in einer Übersetzung und ohne Datum vorhanden ist, aber in die Zeit 1418 — 1421 fallen muss, wird der Stadt wieder das oldendorfer Feld versichert:
„Sonsten sollen vnsere bürgermeister des alten dorffesfeldt mit dem stadtrecht gantz behalten." Die nächstfolgenden Privilegien von 1437 und 1503 sind nur in allgemeinen Ausdrücken gehalten und erwähnen des alten Dorfes nicht mehr.

Die Stadt Krakow hatte aber nicht das ganze Dorf Oldendorf erhalten, sondern der See von Oldendorf war der Landesherrschaft verblieben und ein Teil der Feldmark und des Holzes von Oldendorf war an die benachbarten Vasallen zu Lehn gegeben.
Nach der Verkaufsurkunde von 1298 lag das Dorf Oldendorf an einem kleinen See, welcher bis dahin der Landesherrschaft gehörte. Dieser See liegt zunächst westlich von dem großen Krakower See und südwestlich von der Stadt Krakow und wird von dem großen Krakower See durch einen Landrücken getrennt, über welchen die Chaussee von Plan nach Krakow führt, so dass man, wenn man von Plan nach Krakow fährt, nicht weit vor der Stadt Krakow zunächst den großen Krakower See rechts und den Oldendorfer See links hat. Dieser See wird noch heute im Munde des Volkes „ollendörper See" genannt.

Die Feldmark Oldendorf lag also zwischen der Stadt Krakow, westlich neben derselben, und den benachbarten Gütern Sammit und Tessin, welche auch Seen mit eigenen Namen haben, die nicht mit dem Oldendorfer See zu verwechseln sind, wenn sie auch nahe bei, jedoch getrennt von demselben, liegen. Ein Teil der Feldmark von Oldendorf war zu Sammit gelegt, welches ein altes Lehn der Familie Weltzin war, die noch heute das benachbarte Tessin besitzt. Im Jahre 1478
„verpfändete Mathias Weltzin zu Sammit („Tzammytte") seinem Vetter Joachim Weltzin 2 Katen in Sammit, die Hälfte an lem oldendorfer Holze, seinen Anteil des Feldes Verkewitz und die Fischerei auf seinem Anteil Wassers."
Hiernach wäre hier also auch noch ein Dorf Verkewitz, vielleicht in dem jetzigen Gute Kl. Tessin, untergegangen. Im Jahre 1487
„verpfändete Jacob Weltzin dem Bürger Hermann Pinnow zu Güstrow seinen Anteil des Sees zu Sammit und der Feldmark zu Oldendorp."

Die Geschichte der Feldmark der Stadt Krakow scheint also nach diesen Mitteilungen ziemlich klar zu sein.

Im Osten war der Stadtfeldmark durch den großen See eine Naturgrenze gegeben. Im Norden grenzten nicht weit von der Stadt die Besitzungen der uralten adeligen, ausgestorbenen Familie von Grube, deren Gut Grube mit Vorwerk Grube und Seegrube noch vor nicht langer Zeit bekannt war, jetzt aber Charlottental genannt wird. Die Familie von Grube hat ohne Zweifel der nahen Kolonie Grubenhagen den Namen gegeben.

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Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist

Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist

Krakow am See, Rathaus

Krakow am See, Rathaus

Die Kirche - Das Doberaner Münster.

Die Kirche - Das Doberaner Münster.

Das Innere der Kirche zu Doberan.

Das Innere der Kirche zu Doberan.