Die Hansestädte im Dreißigjährigen Krieg

Aus: Aus den Archiven der Hansestädte
Autor: Burmeister, Carl Christoph Heinrich (1809-1842) Theologe, Historiker, Publizist, Mitglied der königlichen Gesellschaft für nordische Altertumskunde in Kopenhagen und des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Erscheinungsjahr: 1843
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Hanse, Hansa, Hansestädte, Freihandel, Zollverein, Preußen, Österreich, Zölle, Handelsschranken, Freihandel, Europa, Welthandel, Hamburg, Bremen, Lübeck
Trotz des abmahnenden Schreibens des Kaisers wurde das Bündnis der Generalstaaten mit den Hansestädten immer enger. Den 25. Aug. 1617 langte Foppius ab Aisma als Bevollmächtigter in Lübeck an. Des Kaisers Bescheid d. d.. Prag 31. Julius 1617 „wegen der dabei merklich versierenden Hoheit und Präeminenz und des heiligen Reichs Interesse“ blieb dabei unbeachtet. Wahrscheinlich übergab der Graf Friedrich von Solms auch in diesem Jahre seine Bedenken zu Bremen und bat, man solle sich mit dem perpetuo milite in eine Verfassung stellen:

1. weil man allenthalben dem Stadtwesen feind, demselben von den Potentioribus stark zugesetzt und gleichsam als eine Eul unter den Vögeln gehasst werde;

2. weil beim Kaiserlichen Hof wenig Favor zu gewärtigen

3. weil wegen der schwedischen Allianz mit K. M. und Spanien und Dänemark und England zerfallen.

Die schwedische Allianz scheint jedoch noch nicht fest geschlossen worden zu sein. Wenigstens finden wir einige Zeit später die Städte mit dem Könige von Dänemark (1621 in Unterhandlung.*) Während dieser Unterhandlungen war aber bereits der dreißigjährige Krieg ausgebrochen.

*) Im Jahr 1619 3. Sept. wurden die Wismarschen Abgeordneten mit Nebeninstruktionen wegen des Königs von Schweden versehen. Den 24. Junius 1620 befand sich König Gustav Adolf in Poel und riet dem Herzoge von Mecklenburg, „sich vor den Dänen für zu sehen.“ (Jahrbücher des Vereins für meckl. Geschichte und Altertumskunde I. S. 183.) Im J. 1621 wollte der König von Dänemark 24 Schiffe und 8.000 Mann, die Städte 12 Schiffe mit 4.000 Mann auf 10 Jahre ausrüsten.

Am 12. Nov. 1618 wandten sich die böhmischen Stände an die Hanse und nahmen ihre Beihilfe in Anspruch, welche indes nicht bestimmt zugesagt wurde. *) Inzwischen war aber der Generalsyndikus der Hanse, Dr. Johann Domann, Bevollmächtigter der Hanse in wichtigen Unterhandlungen im Haag (20. Sept. 1618) verstorben, und die Hanse geriet bald darauf mit den Generalstaaten wegen ihrer alten Privilegien in Russland in Widerstreit. Wenn auch die Unterhandlungen fortdauerten, so scheint doch das innige Verhältnis etwas lauer geworden zu sein. Im Jahre 1619 schrieben nicht allein Friedrich von der Pfalz d. d. Prag 25. Okt. 1619, sondern auch der Kurfürst Jochim Ernst von Brandenburg, Herzog zu Preußen, Johann Friedrich, Herzog zu Württemberg und die Städte Straßburg, Ulm und Nürnberg an die Hanse (27. November 1619) um Beistand. Lübeck schrieb deshalb einen Hansetag wegen der katholischen Ligue zum 20. Jan. 1620 **) aus, auf welchem nach Antrag des neu erwählten hansischen Syndikus Dr. Lambert Steinwig unterhandelt wurde. Auch der Kaiser hatte sich an Lübeck um Beisteuer zum Türkenkriege gewandt (22. Dez. 1619). Es erfolgte bald ein Neues Schreiben des Königs von Böhmen Friedrich von der Pfalz, Prag 22. April 1620, um dringende Assistenz, welches die Städte zu neuen Beratungen führte. Man beschloss Truppen zu werben und in jeder Stadt ein stehendes Heer zu halten. In Lübeck und Hamburg wurden Truppen geworben, Wismar wollte aber die Truppen ohne Einwilligung der Bürger nicht einnehmen, und wo möglich der Neutralität sich befleißigen.***) Der Tod des hansischen Syndikus Dr. Johann Domann war für die Hanse ein großer Verlust; er allem kannte wie keiner Personen und Verhältnisse in den verschiedensten Ländern, und hatte allein ein engeres Bündnis mit den Generalstaaten zu erhalten vermocht.

*) Fast allen Städten wurden Kopien des böhmischen und ungarischen Freiheitsbriefes zugesandt.

**) Wegen des Königs von Böhmen, heißt es Artik. 8, so soll das Schreiben beantwortet und mora excusiret werden.

***) Rostock wollte dagegen außer den 120 Mann, welche Wismar endlich sich verpflichtete einzunehmen (22. August 1620) noch 30 Mann einnehmen.


Während, dieser Zeit ging auch der Waffenstillstand zwischen Spanien und den Generalstaaten zu Ende. Welche Stellung die Hansestädte, wäre das Bündnis mit den Reichsstädten zu Stande gekommen und vom Kaiser bestätigt *) und der Bund mit den Generalstaaten von Bestand gewesen, im dreißigjährigen Kriege hätten behaupten können, ist nicht schwer einzusehen. Die Generalstaaten hatten schon am 13. Mai 1621 ein Bündnis mit dem Könige von Dänemark geschlossen, wodurch die Hanse freilich in ihren Privilegien und Handelsverhältnissen beeinträchtigt wurde.**) Vergebens waren die Bitten der Stadt Nürnberg um Hilfe 22. Okt. 1621 und 8. Juni 1632 gegen die Spanier. Man gab sich guten Hoffnungen hin. Lübeck kündigte den 20. Nov. 1622 dem Grafen von Solms den Oberbefehl über die hansischen Truppen auf. Der Mangel an aller Zufuhr näherte den König Christian IV. 1623 wieder den Hansestädten.***) Der Kaiser Ferdinand sandte seinen Rat Heinrich Husen in vertrauter Sendung an die Stadt Lübeck, 8. Dezember 1624, um das Bündnis mit Dänemark und Schweden zu verhindern. Die Hanse schrieb einen Hansetag nach Bergedorf aus. Hier, trug ihnen der französische Gesandte im Namen des Königs, von Frankreich ein Bündnis an, welches die Hanse jedoch ablehnte (Urk. 9). Bereits hatte aber auch schon Tilly d. d. Holzminden 5. Mai 1625 den Hansestädten seinen Übergang über die Weser und sein Einrücken in den niedersächsischen Kreis angezeigt und geboten, sich nach des Kaisers Befehl zu richten und dem Kaiser die Treue zu bewahren.

*) Domann wollte 1617, obgleich von der Stadt Braunschweig dringend gebeten, die Gesandtschaft an den Kaiser nicht anders unternehmen, als wenn ihm 2.000 Thaler Gnadengeld, 1.000 Thaler jährliche Besoldung und 100 Thaler für sein Haus gereicht würden.

**) Vorstellung an den König von Dänemark 6. Mai 1622.

***) Der König Christian IV. bittet die Stadt Lübeck d. d. Friedrichsburg 25. Nov. 1623 seine Untertanen mit Essen und Trinken zu versorgen.


Doch hatte die Hanse Hoffnung, durch die glücklichen Eroberungen des Königs von Schweden Gustav Adolf in Liefland ihre Schifffahrt auf Reval wiederhergestellt zu sehen. *) Nach dem unglücklichen Ausgange der Schlacht bei Lutter am Barenberge für den König von Dänemark war dieser dennoch zum Frieden nicht sehr geneigt. Wallenstein schrieb vom Feldlager zu Crempe an die Stadt Lübeck Nov. 1627 der Bildung und Ausrüstung einer Flotte kein Hindernis in den Weg zu legen. Gleichzeitig begannen die Unterhandlungen der kaiserlichen Gesandten in Lübeck, welche zum Zweck hatten, ein enges Bündnis mit dem Kaiser gegen die Generalstaaten, England und die nordischen Reiche herbeizuführen.

*) In dem Schreiben d. d. 11. Jan. 1625, welches König Gustav Adolf dem Dr. Joh. Witte Rat des Herzogs Adolf Friedrich von Mecklenburg, an die Hansestädte mitgab, bittet Er die Städte der verfallenen Stadt durch ihren Handel dorthin wieder aufzuhelfen, da er ihnen jegliche Sicherheit und Bequemlichkeit gewähren werde.
Hansewappen

Hansewappen

Hanse Kogge

Hanse Kogge

Albrecht von Wallenstein

Albrecht von Wallenstein

Gustav Adolf

Gustav Adolf

Friedrich V. von der Pfalz

Friedrich V. von der Pfalz

Ernst von Mansfeld

Ernst von Mansfeld

Christian IV. von Dänemark

Christian IV. von Dänemark

Christian von Braunschweig

Christian von Braunschweig

Hans Georg von Arnim

Hans Georg von Arnim

Kaiser Ferdinand II.

Kaiser Ferdinand II.

Kurfürst Johann Georg von Sachsen

Kurfürst Johann Georg von Sachsen

Maximilian von Bayern

Maximilian von Bayern