Die Großherzogtümer Mecklenburg

Aus: Handbuch der neuesten Erdbeschreibung
Autor: Georg Martin Brueckner (1800-1881) deutscher Geograph und Lokalhistoriker, Erscheinungsjahr: 1837
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Großherzogtümer Mecklenburg, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Landesbeschreibung, Schwerin, Neustrelitz, Rostock, Warnemünde, Doberan, Neubrandenburg
Mecklenburg, eine zusammenhängende, von Preußen, Hannover und Lauenburg umschlossene Landschaft, bildet als Teil des norddeutschen Flachlandes eine völlige Ebne, die bloß durch einen hindurchziehenden, niedrigen Hügelrücken etwas gewölbt, von da sanft zur Ostsee und zum Elbgebiet geneigt ist.

Sein Grund und Boden ist, wie in der Mark, Sand und nur Lehm- und Marschland, dem ungeachtet ist er höchst fruchtbar und seine von Fichtenwaldungen bekleideten Hügel, die grünen Wiesen, die zahllosen Seen, Flüsse und fetten Kulturgegenden (selbst die weithin zerstreuten, zum Teil gewaltigen Urgebirgstrümmer) geben dem Ganzen Wechsel und Schönheit. Seine reichen Gewässer schleichen teils zur Ostsee als Trave, Warnow, Recknitz und Peene, teils zur Elbe als Havel, Boitze, Sude und Elde; und unter den fischreichen Seen sind die bedeutendsten der Schweriner-, Plauer-, Müritzsee und ein Teil des Ratzeburgersees.

Sein feuchtmildes, die Vegetation begünstigendes Klima (nur gegen die Ostsee hin rau und veränderlich), sein ergiebiger, gutgepflegter Boden und seine grasreichen Wiesen machen den Ackerbau (Getreide, Flachs und Obst) und die Viehzucht (herrliches Rindvieh, Butter, Hamburger Rauchfleisch, festknochige Pferde) blühend und zum gesegneten Betrieb von mehr als 1.280 Landgütern; dagegen ist die Industrie und der innere Verkehr (schlechte Landstraßen) weniger bedeutend, doch gehobener ist der Seehandel (Wismar und Rostock).

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Mecklenburg, vor der Völkerwanderung von Sueven, nachher von slavischen Wenden, vorzüglich den Obotriten, unter eigenen Fürsten bewohnt, wurde von Heinrich dem Löwen erobert und kolonisiert, und unter dem slawischen Regenten Pribislaus, dem Stammvater des noch regierenden Mecklenburgischen Hauses, das unter dm deutschen Fürsten allein slawischer Abstammung ist, 1170 zum Fürstentum erhoben. Nach vielfachen Teilungen und Kämpfen bestehen seit 1701 die beiden Linien Schwerin und Strelitz.

Das Mecklenburgische Völkchen, größerenteils niederdeutschen, kleinerenteils wendischen Stammes, hat eine meistens kräftige Natur, und bei wohlgenährtem Pflegma eine derbe Offenheit. Seine wissenschaftliche Kultur wird von Rostock (Universität) angebaut; seine Volksbildung, lange durch die Leibeigenschaft niedergedrückt, hebt sich allmählich. Seine Verfassung ist monarchisch, jedoch durch gemeinsame Landstände mit alten, wichtigen Rechten beschränkt.

Das Land hat auf 276 Quadrat-Meilen. gegen 540.000 Einwohner (lutherisch); hiervon fasst Schwerin auf 229 Q.-M. gegen 453.000 (463.000) E.; Strelitz auf 47 Q.-M. 87.000 E.

Mecklenburg-Schwerin: Hauptorte (Einwohner): Schwerin (13,5E.), Ludwigslust (4), Grabow, Hagenow, Dömitz, Malchow, Gadebusch, Wittenburg, Sternberg, Doberan, Neustadt, Dorf Mecklenburg, Bützow, Warin, Güstrow (8,5) Malchin, Plau, Röbel, Penzlin, Teterow, Stavenhagen, Ribnitz, Sülz, Goldberg, Remplin, Boitzenburg, Burg-Schlitz, Rostock-Warnemünde (20) Wismar (10), Insel Poel.
Mecklenburg-Strelitz: Hauptorte (Einw.): Stargard, Neustrelitz (6), Altstrelitz, Friedland, Neubrandenburg (6), Woldegk, Fürstenberg, Wesenberg, Mirow, Stargard, Ratzeburg, Schönberg.

Vorzüglichste Orte: Schwerin. Haupt- und Residenzstadt, schön gelegen am Schwerinersee; besteht aus der Vorstadt, Altstadt und Neustadt (letztere gehört nicht zum Gebietsteil Schwerin). — Ludwigslust, regelmäßig gebauter Ort in schöner Gegend. Schloss mit schönen Gartenanlagen, Sommerresidenz. In der Nähe das Dorf Wöbbelin mit Theodor Körners Grab und Denkmal. — Grabow, viel Industrie. Schlacht 1638. — Dömitz, an der Elbe und Elde, mit einer kleinen Festung auf einem Elbewerder. Schlacht 1635. — Gadebusch, an der Radegast. Schlacht 1712. — Doberan, 1 Stunde von der Ostsee, berühmtes Seebad, in reizender Gegend. Mineralquellen. Dabei der heilige Damm längs der Ostsee. Pferderennen, — Güstrow, lebhafte Verkehrstadt an der Nebel. Pferderennen. — Malchin, an der Peene, Sitz des Landtags, abwechselnd mit Sternberg. — Sülz, an der Recknitz, mit großer Saline. — Boitzenburg, an der Elbe. Schifffahrt und Fischfang. — Rostock, die größte und wichtigste Stadt des Landes, an der Warnow, altertümlich gebaut, Universität, viel Schifffahrt und bedeutender Handel, besonders vom Hafen Warnemünde aus. Blüchers Geburtsort, sein Denkmal auf dem Markt. — Marienkirche, mit dem Grab des Hugo Grotius. Rostocker Äpfel. — Wismar, an einem Busen der Ostsee, viel Seehandel.

Neustrelitz, schön gebaute Haupt- und Residenzstadt. Vom Markt aus laufen in Form eines Sterns 8 Straßen nach den 8 Toren. Schloss des Großherzogs mit schönem Garten. Pferderennen. Die Lustschlösser Belvedere und Hohenzieritz. In letzterem starb die Königin von Preußen, Louise, 1810. — Neubrandenburg, regelmäßig gebaute Stadt an der Tollense, Industrie, Tabaks- und Hopfenbau. — Beim Dorf Prillwitz am Tollensee angeblich die Lage der alten, slavischen Stadt Rhetra. — Ratzeburg, schön gelegene Stadt, von der jedoch nur der Domhof und Palmberg hierher gehört. — Fürstenberrg an der Havel, mit großem Butterhandel, — Stargard, in einem engen Tal, mit einem Bergschloss; Weberei.
Schwerin - Totalansicht

Schwerin - Totalansicht

Warnemünde, Strom, Hafen und Leuchtturm

Warnemünde, Strom, Hafen und Leuchtturm

Schwerin - Stadtansicht - Schloss - Hoftheater

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Der Heilige Damm.

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Das Schloss in Ludwigslust um 1830

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Die Rostocker Altstadt vom Beguinenberge

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Bauer und Bäuerin aus Biestow bei Rostock

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Der Markt

Der Markt

Stargard um 1900

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Die Neustadt

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