Die Abschaffung des Puderns betreffend – Einfluss auf die Kornpreise

Aus: Freimütiges Abendblatt, Band 8 (1826)
Autor: Redaktion - Freimütiges Abendblatt, Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Mode, Haarmode, Haarpuder, Kornpreise, Kultur- und Sittengeschichte
Die Annahme des Verfassers des Aufsatzes: „Ein neu aufgefundener Grund der Verminderung der Kornpreise“, in No. 3.59 d. Bl., dass die Sitte des ungepuderten und unfrisierten Einhergehens von Campens Philanthropin ausgegangen sei, und sich von dort durch die Universitäten allgemein in Deutschland verbreitet habe, würde zum wenigsten für dieses eine Mal die Selbstständigkeit der Deutschen in einer Modensache begründen; mögen auch immerhin Campens Jünger dieselbe nicht des praktischen Nutzens halber, sondern bloß aus einer leeren Theorie aufgebracht haben

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Der Herr Verfasser des besagten Aufsatzes nehme es mir aber nicht übel, wenn ich seiner Meinung nicht beipflichten und mich nicht überzeugen kann, dass vom Philanthropin her der Tauwind wehte, welcher den Schnee so schnell und allgemein von allen Häuptern verschwinden machte; sondern ich glaube vielmehr, dass dieser buchstäblich aus Westen, zur Zeit der französischen Staatsumwälzung stürmte: und gewiss, der Annaliste menschlicher Torheiten, Moden in Kleidertrachten u. s. w. hat eben so viel Ursache, wie der politische Geschichtsschreiber, dieses Ereignis als eine höchst wichtig bezeichnende Epoche anzunehmen.

Während der Revolution in Frankreich nun, ward auch das ungepuderte Haar ein Kennzeichen der Republikaner, welche sich auf jede Weise von den Anhängern des alten französischen Systems (in welchem Frisur, so wie aller modischer Putz, bekanntlich keine Nebensachen waren) recht scharf zu unterscheiden suchten. Wohl mag es gewesen sein, dass einige vorbereitende Ursachen dieser neu gallischen Sitte die Wege nach und in Deutschland schon geebnet hatten, doch erst seit ihrem Rheinübergange fielen die Ritter des Beutels und Quastes ganz in ihrem Ansehen und wurden ihrer einträglichen Pfründen beraubt. Wohl uns, wäre zu jener Zeit nichts Ärgeres über den Rhein zu uns gekommen, und hätte kein böserer Einwanderer geebnete Wege in Deutschland vorgefunden!

In England datiert sich diese Sitte des Nichtpuderns und Nichtfrisierens ebenfalls aus jener Zeit: Oppositionsgeist aber gab hier der Sache den eigentlichen Ausschlag. Der berühmte Pitt nämlich, welcher damals unter unendlichen Schwierigkeiten und Gefahren mit bewundernswürdiger Geschicklichkeit das britische Staatsruder führte, war oft über die Herbeischaffung der erforderlichen Geldmittel in Verlegenheit. Die Nation war schon bis zum Übermaße mit direkten und indirekten Steuern belastet, wo sollte sein Scharfsinn nun noch eine Auflage finden, welche anscheinlich gering, wenig belästigend und doch einträglich wäre? Endlich verfiel er auf eine Haarpuder-Taxe, in welcher er alle jene Vorteile vereinigt zu sehen glaubte. Jeder Kopf, meinte er, dem dieser Schmuck unentbehrlich geworden ist, und deren gibt es viele in den drei vereinte» Königreichen, wird sich leicht bestimmen lassen, dem bedrängten Staate dafür «in kleines Opfer zu bringen; die geringen Volksklassen werden gar nicht beschwert, und im Parlamente muss die Sache schon durchgehen. Er hatte richtig vorausgesehen: trotz alles Pochens der Opposition im Unterhause unter Foxens Anführung, setzte Pitt seinen Vorschlag durch; die Lords willigten ein und der König gab der Bill seine Zustimmung. Da aber spielte Fox seinem glücklichen Gegner unerwartet einen Streich, wodurch dessen Sieg fast ganz wirkungslos blieb: er trug von Stund an gar keinen Haarpuder mehr, und fand bei seinen zahlreichen Anhängern und unter seinen, für alles Praktische Sinn habenden Landsleuten so viele Nachahmer, dass der Artikel „Haarpuder-Taxe" mit einem gar winzigen Ertrage im englischen Einnahme-Budget prangte, und oft ei» lautes Gelächter in der ernsten britischen Parlaments-Versammlung hervorgelockt hat. Die Auflage war vor einigen Jahren noch nicht zurückgenommen, und ich entsinne mich, damals in England nur noch einige Sine-Curisten, jasagende Repräsentanten von rotten borrughs und dergleichen ministerials mehr, gesehen haben, welche honoris causa fortfuhren, ihren Kopf mit weißem Mehlstaube zu bestreuen.
000 A ce soir! La Mésangère, Paris, um 1800

000 A ce soir! La Mésangère, Paris, um 1800

012 Journal des Dames 1791

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018 Journal des Dames 1792

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023 Gallery of fashion, London 1794

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062. Ein Mann der Zeit von George I. 1714-1727

062. Ein Mann der Zeit von George I. 1714-1727

068. Ein Mann der Zeit von George III. 1760-1820

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