Der wendische Burgwall oder Tempelwall von Dobbertin

Zur Baukunde - 1. Zur Baukunde der vorchristlichen Zeit
Autor: Lisch, Georg Christian Friedrich (1801 Strelitz - 1883 Schwerin) Prähistoriker, mecklenburgischer Altertumsforscher, Archivar, Konservator, Bibliothekar, Redakteur, Heraldiker und Publizist (Freimaurer), Erscheinungsjahr: 1862

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Kloster Dobbertin, Burgwall, Wenden, von Maltzan, Mittelalter
Es ließ sich annehmen, dass das Kloster Dobbertin auf einer heidnischen Burg- oder Tempelstätte gebaut sei, da die Lage ganz dazu geeignet ist und der wendische Name Dobbertin (wahrscheinlich: Ort des Gütigen) darauf hindeutet; jedoch ist auf der Stelle des Klosters und der Umgebungen seit dem Mittelalter so viel gebaut, gegraben, verändert und Kultiviert, dass sich sehr schwer eine klare Ansicht gewinnen ließ. Durch die Aufklärungen, welche der Herr Klosterhauptmann von Maltzan zu Dobbertin durch Spezialkarten und Lokalandeutungen an Ort und Stelle gegeben hat, lässt sich jetzt aber ein ziemlich klares Bild von den heidnischen Zuständen dieser Gegend geben.

Die heidnischen Erdbauten erstreckten sich am See entlang von der Kirche und dem Kloster eine weite Strecke hindurch bis zur Mildenitz, dort wo die Mühle und gegenüber das Pfarrgehöft steht.

Der Hauptburgwall ist die Stelle, auf welcher jetzt das Kloster steht. Dieser erhöhete Raum bildet, wie alle großen heidnischen Burgwälle, ein regelmäßiges Oblongum, welches an zwei Seiten von dem Dobbertiner See bespült wird, an den beiden andern Seiten tief in Moorgrund abfällt. Der See hatte den wendischen Namen Jawir oder Jauer und heißt jetzt noch Jäger. Dieser feste Burgwall, welcher in der Tiefe auf einer natürlichen Insel stehen mag, besteht aus aufgetragener, verschiedenartiger Erde, vorherrschend aber aus grobem Sand („Grand"), in verschiedenartigen Schichten. Beim Bau des Turmes sollen auch viele Scherben und Knochen ausgegraben sein. An den Landseiten ist dieses erhöhte Oblongum von tiefer liegendem Moorgrund umgeben.

Vor diesem Burgwall liegt nach der Mühle hin die Vorburg, ein großes, etwas niedrigeres, festes Viereck, welches ebenfalls aus grobem Sand („Grand") aufgetragen ist und an einer Seite auch von dem Jäger-See begrenzt, an den andern Seiten von weiten Moor- oder Wiesenstrecken umgeben ist. Dieser Raum, welcher in neueren Zeiten zu Parkanlagen und Gärten umgeschaffen und vielfach umgestaltet ist, heißt noch heute der „große Werder" (d. i. große Insel) und war ohne Zweifel die Vorburg oder die Stadt für die größere Masse des Volks.

Am äußersten Ende der Wiesen fließt der Mildenitzfluss, an welchem die Mühle liegt, aus dem Jäger-See, und gegenüber liegt der Pfarrhof.

Nahe bei dem Pfarrhofe, jenseits der Mildenitz, liegt das älteste Armenhaus von Dobbertin, welches noch heute oft S. Jürgen genannt wird und aus dem frühen Mittelalter stammt, also ursprünglich zum Obdach für Aussätzige gestiftet war. Dieses Armenhaus lag also ohne Zweifel dicht vor dem alten Orte Dobbertin.

Man muss sich daher die Lage des alten Ortes Dobbertin so denken, dass der Zugang bei dem S. Georgen-Hospitale war; dann ging man über die Mildenitz bei der Mühle auf einem Erddamm durch die Wiese über den großen Werder und von hier über einen Erddamm auf den Burg wall Dobbertin, welcher also durch alle diese festen Umgebungen und den See hinreichend geschützt war.

Vor dem Werder liegt noch ein drittes Plateau, auf welchem jetzt die Dorfhäuser und viele andere Klostergebäude stehen; auch dieses Plateau ist noch von weiten Niederungen umgeben. Ob dasselbe noch zu dem alten wendischen Orte Dobbertin gehört habe, ist wohl schwer zu bestimmen. Der Raum scheint dazu zu groß zu sein; jedoch wird er nicht wenig zur Befestigung der Burgstätte beigetragen haben. Die vielen neueren Bauten des Klosters sind größtenteils auf diesem Räume aufgeführt und daher hat der Ort jetzt eine ungewöhnlich große Ausdehnung.

Nach diesen Mitteilungen scheint es aber außer Zweifel zu sein, dass die Stelle des Klosters Dobbertin der Hauptburgwall der Gegend war. Die Stadt Goldberg ist eine christliche mittelalterliche Anlage und war zur Zeit der Stiftung des Klosters noch ein Dorf („Golz").

                G. C. F. Lisch.
Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist

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