Der große Hansebund - 1. Entstehen und älteste Geschichte des Hansebundes.

Aus: Das Bürgertum und Städtewesen der Deutschen im Mittelalter
Autor: Rauschnick, Gottfried Peter Dr. (1778-1835) Arzt und Schriftsteller, Reiseberichte und historische Abhandlungen, Erscheinungsjahr: 1829

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Hansebund, Hansa, Hansetag, Mittelalter, Bürgerstand, Koggen, Handel, Städtewesen, Bürgerleben,
Nicht nur in der Geschichte des deutschen Städtewesens, sondern auch in der Geschichte des deutschen Mittelalters ist der Hansebund eine der merkwürdigsten Erscheinungen, die den entschiedensten und heilsamsten Einfluss auf das Volks- und Bürgerleben der Deutschen geäußert hat, besonders aber mit eine Hauptursache des Glanzes und der Größe der deutschen Städte während des 14. und 15. Jahrhunderts und der Würde und Gediegenheit des deutschen Bürgerstandes gewesen ist. Durch den weit verbreiteten Handel der Hanse wurden Gewerbe und Künste blühend gemacht, alle Zweige des Landbaues belebt und Deutschland mit einem Reichtum überströmt, der unglaublich sein würde, wenn er nicht durch unwiderlegliche Tatsachen außer Zweifel gesetzt wäre. Ja es darf mit gutem Grunde behauptet werden, dass die deutschen Städte sich ohne den Hansebund schwerlich bis zu neuerer Zeit bei ihren Rechten und Freiheiten behauptet haben, sondern vielmehr von der wachsenden Macht der Landesherren einzeln erdrückt sein würden. Darum ist eine Darstellung des Entstehens der Einrichtungen und der merkwürdigsten Begebenheiten dieses wichtigen Bundes hier an der Stelle:

Von den ältesten Zeiten bestanden in dem deutschen Reiche Handelsgesellschaften, deren Zweck gemeinsame Verteidigung gegen räuberische Angriffe und gemeinschaftliches Erstreben von Handelsvorteilen war: solche Gesellschaften wurden Hansen genannt. Diese Gesellschaften, anfangs nur von wenigen Mitgliedern und für eine kurze Dauer geschlossen, bildeten sich immer mehr aus und trafen gewisse feste Anordnungen, die ihre Sicherheit und Bequemlichkeit und ihren Vorteil bezweckten. Sie hatten unter anderen Handelslager in den auswärtigen Handelsstädten, aus denen sie ihre Waren verkauften, und erwirkten sich von den Landesherren Schutz und andere Begünstigungen dafür. Das älteste bekannte Handelsprivilegium hat Köln im Jahr 979 von König Ethelred erhalten, welches Heinrich II. im Jahr 1176 erneuerte und auch auf Lübeck und andere deutsche Städte ausdehnte. Lübeck verband sich mit einigen anderen deutschen Städten zu einem vorteilhaften Handel nach England.

Dieser Handelsverein lieh im Jahr 1216 dem Könige Heinrich III. eine große Anzahl Schiffe gegen die Franzosen und erhielt als Entschädigung für die vielen in einem Sturm zu Grunde gegangenen Schiffe den freien Handel für alle Zeiten. In Frankreich erhielten deutsche Handelsgesellschaften ähnliche Berechtigungen. Diese Verbündungen oder Hansen mögen zwar allerdings den Gedanken zu Stiftung eines großen Hansebundes geweckt haben, sie waren aber jedoch keineswegs die Anfange dieses Bundes selbst. Ehe er begann, bestanden drei besondere Verbündungen: die eine, der Westseebund, aus rheinländischen und niederländischen Städten Köln an der Spitze, und im Besitz des Stallhofes in London; der Bund der Österlinge, wovon Wisby, Bremen, Lübeck, Magdeburg, Lüneburg, Soest und Hamburg Mitglieder waren und eine Niederlage in Nowgorod besaßen; dann ein dritter Bund zwischen Hamburg und Lübeck, der hauptsächlich des niederländischen Handels wegen errichtet wurde, wovon bald auch Braunschweig, Salzwedel und die märkischen Städte Teil nahmen.

Das Jahr der Stiftung des großen Hansebundes ist deshalb mit Gewissheit nicht anzugeben, weil dieser Bund sich nur nach und nach bildete und sich im Laufe der Zeiten weit über seinen ursprünglichen Zweck hinaus vergrößerte. Über sein Entstehen kann Folgendes angegeben werden. Im Jahr 1238 stifteten die Hamburger mit den Bewohnern des Landes Wursten und 1239 mit den Hadelern und Friesen einen Vertrag zur gegenseitigen Beschützung und Beförderung ihres Handels, zur Auslieferung gestrandeter Güter und zur Erleichterung des Warentransports. Einen gleichen Vertrag schlossen 1241 die Hamburger mit den Lübeckern, um die Straße zwischen der Trave und der Elbe zu sichern, die Elbe selbst von Seeräubern frei zu halten und auf gemeinschaftliche Kosten die Sicherheit ihres Handels und ihrer Bürger zu bewirken. Dieser Bund wird für den Ursprung der großen Hanse angegeben und kann in sofern dafür gelten, als er nicht wie die früheren ein nur von Kaufleuten geschlossener Vertrag, und also Privatverbindung, sondern ein zwischen 2 Städten geschlossener Staatsvertrag war.

Sobald dieser Bund geschlossen war, warben die Bundesgenossen Soldkrieger und zerstörten damit die nahe gelegenen Raubschlösser, dann wurden Kriegsschiffe ausgerüstet und die Ströme und das Meer von den Seeräubern befreit. Gleich anfangs versuchte Erich Plogpennig von Dänemark diesen Städtebund zu überwältigen; allein die Hansen, deren Flotte von dem Lübeck'schen Bürgermeister und Admiral Alexander Soltwedel befehligt wurde, blieben Sieger, und errangen einen vorteilhaften Frieden, durch welchen ihnen große Handelsfreiheiten in Dänemark zugestanden wurden. Im Jahr 1247 trat die Stadt Braunschweig dem Bunde bei, darauf auch die wendischen Städte Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswalde, dann Kolberg und Stolpe, Stettin und Anklam, endlich Wisby und Riga; im Jahr 1284 traten die niederländischen Städte Gröningen, Kampen und Stavern, 1289 Lüneburg, 1293 Elbing, 1294 Bremen, Goslar, Halle, Magdeburg und Stade hinzu, so dass bis zum Ende des 13. Jahrhunderts die Anzahl der Bundesstädte 23 betrug. Unter der Zeit hatte der Bund in mehreren Ländern, als 1252 in Sachsen und Flandern, 1255 in Holstein und 1260 Lübeck für sich allein in Meyenburg die Zollfreiheit und andere Vorrechte ausgewirkt und letztere Stadt im Jahr 1275 von dem Kaiser Rudolph das Recht erhalten, zur Sicherheit ihres Handels Bündnisse und Verträge zu errichten. Der erste Hansetag wurde zu Lübeck im Jahr 1260 gehalten, doch erhielt der große Hansebund seine eigentliche Grundverfassung erst im Jahr 1284. Damals wurde Lübeck für das Haupt des Bundes anerkannt und ihr der Oberbefehl über die Flotte übertragen.

Schon auf dem ersten Hansetage im Jahr 1260 wurde die Übereinkunft wegen der für den gesamten Hansebund dienenden Handelsniederlagen getroffen, in deren Besitz zum Teil schon früher einzelne Städte gewesen waren. Eine solche wurde in Nowgorod in Russland errichtet. Diese mächtige und alte Stadt, besaß eine freistädtische Verfassung und war der Stapelplatz aller russischen und vieler orientalischen Handelsartikel. Von Nowgorod wurden die Waren nach Wisby gesandt und von da aus nach den deutschen und niederländischen Handelsplätzen verführet. Seit dem Jahr 1272 handelten die deutschen Hansen unmittelbar nach Nowgorod und erwarben sich Schutzbriefe dazu von den Erzbischöfen zu Riga, den deutschen Ordensrittern, den Großfürsten von Russland und den Königen von Norwegen und Schweden.

Eine zweite Niederlage errichteten die Hansen zu Bergen in Norwegen in Folge eines Friedens mit dem Könige Hakon. Das eigentliche Privilegium dazu erteilte aber Magnus V. Lagabäter im Jahr 1269. Der Hanse wurde darin das Stapelrecht von allen Kaufmannsgütern und auch das Verkaufsrecht, doch anfangs nur jährlich auf 6 Wochen erteilt. Nach und nach erwarb die Hanse aber für diese Niederlage solche große Vorrechte, dass sie nicht nur den Groß- und Kleinhandel zu allen Zeiten unbeschränkt führen konnte, sondern einen festen Sitz mit eigener Gerichtsbarkeit daselbst erhielt und der norwegische Handel selbst mit Ausschließung der Eingebornen ihnen ausschließlich zugestanden wurde. Die Könige von Dänemark und Schweden erteilten der Hanse gleichfalls sehr ansehnliche Handelsprivilegien, und zwar auf Kosten der eigenen Untertanen, wozu sie teils durch die Seemacht der Hanse gezwungen wurden, teils aber auch sie freiwillig gaben, um dadurch den Beistand der Hanse in ihren Kriegen zu erhalten.

Die dritte Niederlage der Hanse befand sich in London und wurde der Stallhof genannt. Sie war lange vor dem Entstehen der Hanse von deutschen Kaufleuten gegründet und wurde nur ausschließliches Eigentum der Hanse, weil nach und nach alle Städte, die Anteil an dem Stallhofe hatten, in den Hansebund traten. Seit dem Jahr 1282 ist die Hanse erweislich im Besitz des Stallhofes gewesen. Die Privilegien der Hanse in England waren ungemein ausgedehnt. Sie besaß die eigene Gerichtsbarkeit über alle ihre Angehörigen, die in England befindlich waren, die Einfuhr aller Waren gegen einen sehr mäßigen Zoll, die freie Ausfuhr, den unbeschränkten Verkehr im Inneren des Landes und die Befreiung von allen neuen Auflagen.

Die vierte große Handelsniederlage der Hanse war zu Brügge in Flandern und bestand gleichfalls schon vor dem Beginn der Hanse als eine Niederlage deutscher Kaufleute. Dieser Niederlage wurden im Jahr 1252 von der Gräfin von Flandern, 1256 von dem Herzog von Brabant und 1263 vom Grafen von Holland große Vorrechte erteilt und besonders wetteiferten Brabant und Flandern darin, weil ersteres die Niederlage gern in sein Gebiet ziehen, das letztere sie in seinem Gebiet erhalten wollte. Der Handel der Hansen zu Brügge war ganz besonders wichtig, weil diese Stadt ihnen zugleich als Niederlage der nördlichen und der südlichen Handelswaren von Europa diente. Brügge war ein Hauptmarkt von Europa und die Hansen waren die vornehmsten Kaufleute darauf. Um den Handel mit Brügge zu sichern, besetzten die Hamburger 1266 die Stadt Emden, das Schloss Ritzebüttel und andere Orte, wo bis dahin die Seeräuber Schutz gefunden hatten.

Auf den 4 großen Handelsniederlagen beruhte das Bestehen und die Größe des Hansebundes. Die Unabhängigkeit und Macht, zu der sich die Hanse innerhalb weniger Jahre emporgeschwungen hatte, ist in der Geschichte ohne Beispiel. Es gehörte aber auch das Zusammentressen ganz besonders günstiger Umstände dazu, dass der Bund, den von seinem Entstehen ab so viele und zum Teil mächtige Feinde bedrohten, solchen Umfang und solche Stärke gewann, dass er selbst von allen Mächten gefürchtet, keine zu fürchten brauchte und bald Könige von ihren Thronen stürzte, bald sie darauf erhielt. Ohne die Siege des heldenmütigen Alexander von Soltwedel wäre Lübeck nimmer zu einem so großen Ansehen gelangt und nimmer hätten sich dann andere deutsche Handelsstädte zu einem Bündnis mit ihr gedrängt. Diesem Helden hat unstreitig die Hanse ihren schnellen Anwuchs vorzüglich zu danken, wenn gleich Lübecks gediegener Wohlstand und die Weisheit seines Magistrats kräftig dabei mitwirkte. Doch unberücksichtigt darf dabei auch nicht bleiben,
dass zu der Zeit, als der Hansebund seine Größe begründete, und während seiner höchsten Blüte die nordischen Mächte, die Hauptquellen, aus welchen er Leben und Gedeihen schöpfte, durch die Lehnsverfassung schwach und die nordischen Könige mit dem Beistande aufrührerischer Lehnsleute leicht zu besiegen waren, selbst wenn sie mit dem Anscheine von Kraft auswärtige Eroberungen machten. Übrigens fanden die Hansen in der erstem Zeit nach der Stiftung des Bundes viele Anhänger in den nordischen Reichen, denn noch hatten, sie sich durch keine drückenden Monopole verhasst gemacht und ihr Handel brachte dem Lande Gewinn. Außerdem war aber auch in späteren Zeiten das ausschließliche Recht des Handels der Hanse so drückend nicht, als es den Anschein hatte; denn es gehörte eine unermessliche Menge von Kaufleuten zur Hanse und jeder davon hatte das Recht, so teuer oder so wohlfeil zu kaufen oder zu verkaufen, als er wollte.
Hansewappen

Hansewappen

Hanse Kogge

Hanse Kogge

Lübeck Das Holstentor

Lübeck Das Holstentor

Die Plünderung Wisbys

Die Plünderung Wisbys

Braunschweig Stadtansicht

Braunschweig Stadtansicht

Bremen Marktplatz

Bremen Marktplatz

Greifswald Stadtansicht

Greifswald Stadtansicht

Goslar Stadtansicht

Goslar Stadtansicht

Elbing Stadtansicht

Elbing Stadtansicht

Berlin und Kölln

Berlin und Kölln

Kaiser Otto I. und Gemahlin

Kaiser Otto I. und Gemahlin

Lüneburg Stadtansicht

Lüneburg Stadtansicht

Magdeburg Stadtansicht

Magdeburg Stadtansicht

Rostock Stadtansicht

Rostock Stadtansicht

Stettin, das Alte Schloss

Stettin, das Alte Schloss

Stralsund Stadtansicht

Stralsund Stadtansicht

Wismar, Stadtansicht

Wismar, Stadtansicht

Hamburg, Blick auf die Unterelbe

Hamburg, Blick auf die Unterelbe

Hamburg, Flet in der Altstadt

Hamburg, Flet in der Altstadt

Bremen - Einfamilienhäuser in der Olbersstraße

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Bremen - Freihafen

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Danzig - Frauengasse

Danzig - Frauengasse

Hamburg - Deichstraßenfleet

Hamburg - Deichstraßenfleet

Hamburg - Leitergasse

Hamburg - Leitergasse