Der Wendenwall bei Kl. Luckow

Autor: Redaktion Ostmecklenburgische Heimat. Walter Herholz, Erscheinungsjahr: 1928

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Burgwall, Wendenwall, Altertum, Wendenburg, Burgwallforschung
Aus: Ostmecklenburgische Heimat. Halbmonatszeitschrift der „Teterower Nachrichten“ für ostmecklenburgische Heimatwerte und Landeskunde. Verantwortlich für den gesamten Inhalt: Studienrat Dr. Gerhard Böhmer. — Druck und Verlag von Hermann Decker, Teterow, Malchiner Straße 15. — Erscheinungsort Teterow. (Mecklenburgische Schweiz) 1. Jahrgang. 1928. [im Bestand des Stadtarchivs der Stadt Teterow]

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Eine Heimatzeitschrift „Ostmecklenburgische Heimat“ gab der Verlag Hermann Decker, Inhaber Ernst Vick, in den Jahren 1928 bis 1945 regelmäßig heraus. Die Auflage betrug 3000, später 4000 Exemplare.(Aus: Kurt Bernhard, Die Zeitungs- und Zeitschriften –Verlage in Mecklenburg, 1982/83) F. Herholz

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Die Burgwallforschung in Mecklenburg steht noch in den Anfängen. Erst vor wenigen Jahren entdeckte man bei Basedow einen Burgwall altgermanischen Ursprungs. In die gleiche Zeit verlegt man auch die Entstehung des bei Kl. Luckow (1 Kilometer von Vollrathsruhe, liegenden Burgwalles. Die Leute nennen ihn Wendenwall. Seine erste Untersuchung wurde im Jahre 1924 von Herrn Professor Beltz, Schwerin, vorgenommen. Die Nachgrabungen ergaben wenig Anhaltspunkte für die Zeitbestimmnng. Mit ziemlicher Sicherheit aber steht fest, dass die Anlage nicht wendischen Ursprungs ist.

Der „Wendenwall“ liegt am Westufer eines kleinen romantischen Sees, des sog. „Ohgang“ oder wie ihn andere nennen Qugangsees, 600 Meter vom Dorfe entfernt. Er ist bewaldet und schon von weitem sichtbar. Seine Länge beträgt ungefähr 100 Meter, die Breite 50 Meter.

Die Burganlage ist noch deutlich erkennbar. Am Nordende ist das Gelände am höchsten. Hier befindet sich eine rundliche Fläche, die durch einen breiten Graben von der eigentlichen Umwallung getrennt ist. Ein Burgturm mag hier gestanden haben. Nach Süden führt von hier aus eine nach den Seiten hin abfallende Erhöhung, die man sehr gut als Zugangsweg deuten kann. Davor schließt sich dann eine breitere, unebene, sanft abfallende Fläche, die als Lager- und Wohnplatz anzusprechen ist.

Der Wall ist sehr gut erhalten. Er fällt steil ab, nur im Osten gegen den Ohgangsee ist er niedriger, unregelmäßig und undeutlich erkennbar. Am Nord- und Südende der Anlage führt je ein Ausläufer bis an den See hinunter. Am südlichen dieser Wälle lag vermutlich der Eingang zur Burg; der Wall ist hier deutlich unterbrochen.

Mancherlei Sagen knüpfen sich an den durch Form und Lage anziehenden Wendenwall. Der 84jährige Vater Loitz erzählt sie jedem, der sie hören will, und zwar recht gern tut er es.

Ein Wendenkönig hat die Burg bewohnt. Seine Tochter - eine Riesin - hat sich in ihrer Schürze Sand zum Spielen geholt. Das Schürzenband aber ist zerrissen, und der Sand verschüttet. So ist der „Runde Berg“ an der Grenze von Groß und Klein Luckow entstanden. Der steile, runde Hügel, der aus kiesigem Sande besteht, eignet sich nicht für die Bestellung. (Man vergl. hierzu die Sage vom „Riesenspielzeug.“)

Weiter erzählt Loitz von einem Wendenkönig, der mit einem andern in der Gegend von Schwinkendorf-Malchin lagernden König in Fehde lag. Kanonenkugeln, die aus jenen Kämpfen stammen, soll Loitens Vater gefunden haben. Die Leute des Königs mussten das Wasser vom See den steilen Burgberg hinauftragen. Dabei haben sie gesagt:

Oh Gang, oh Gang,
Oh schwerer Gang;
Dreißig Tracht Wasser lang.

Der König hat schließlich der Übermacht des Feindes weichen müssen. Um aber die schwere Kriegskasse mit dem kostbaren Goldschatz und anderen Kleinodien nicht in die Hand des Feindes fallen zu lassen, hat man sie im See versenkt. Noch oft leuchtet sie aus der Tiefe.

Später hat man, um die wertvolle Kriegskasse zu heben, versucht, den See trocken zu legen. Ein tiefer Graben, der sog. Scheidgraben, der vom See westlich in die tiefer liegenden sumpfigen Wiesen führt, verdankt diesem Plan seine Entstehung.

Erzählt wird weiter von einer weißen Frau, die um Mitternacht aus den Fluten des Ohgangsees emporsteigt. Auch Anglern, die in den frühen Morgenstunden an den See kamen, ist sie erschienen. Ein Luckower Arbeiter hat einmal noch spät am Abend dort geangelt. Plötzlich ist die weiße Frau aus den Fluten emporgetaucht und hat sich mit furchtbarem Geräusch einen Weg durch die vielen im Wasser stehenden Erlen gebahnt. Der Arbeiter hat Angelgerät und Fische im Stich gelassen, hat auch am nächsten Tage nichts mehr davon vorgefunden.

Im Anschluss an diese Zeilen ist es von Interesse, sich das zu vergegenwärtigen, was der Geh. Archivrat Lisch bereits 1843 über diesen Burgwall berichtet:

„Der Burgwall von Klein Lukow bei Grubenhagen ist von bedeutender Ausdehnung und Höhe und weithin sichtbar. Es ist wahrscheinlich weder eine wendische Burgstelle, da er nicht unmittelbar von Moor umgeben ist, noch ein mittelalterlicher Burgwall, da er eine ungewöhnlich große Ausdehnung hat. Er liegt am Rande eines Gehölzes, an einer Seite von Ackerland an der anderen von Bruch umgeben und am Rande von einem Walle umgürtelt, der die Gestalt einer Ellipse und auf der Höhe einen Umfang von 350 Schritt hat. Gegen das Ackerland laufen von den Enden nach dem Augangsee zwei kleinere Wälle in die Tiefe hinab, deren Entfernung von einander 125 Schritt beträgt. Er gleicht dem Burgwalle von Rothenmoor und scheint den Charakter des Burgwalles in der hohen Waldung bei Ilow zu haben. Die Bestimmung der Zeit dieser großen wildbewachsenen Wälle muss einer Nachgrabung vorbehalten bleiben“. (Sie scheinen heute zumeist auf germanischen Ursprung hinzudeuten.)

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Groß Lukow, Kirche (Niteshift)

Groß Lukow, Kirche (Niteshift)

Grubenhagen, Kirche (Altstadthippie66)

Grubenhagen, Kirche (Altstadthippie66)