Der Mecklenburgische Kalk - Erfahrungsbericht

Aus: Freimütiges Abenblatt, Band 8 (1826)
Autor: Brankenwagen, Sternberg, Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, einheimische Rohstoffe, Erfahrungsbericht, Baumaterial, Landesgeschichte, Wirtschaft
In Nr. Z65 d. Bl. macht der Herr Präpositus Flörke zu Kirch-Mulsow auf die Nutzbarkeit des inländischen Kalks aufmerksam; ich benutze diese Gelegenheit, um meine Erfahrungen in dieser Hinsicht mitzuteilen und die Prüfung einsichtsvolleren Männern zu; überlassen. Schon lange hatte ich den Vorsatz, meinem Vaterlande durch die von wir gemachten Erfahrungen wo möglich zu nützen, allein bis jetzt haben mir die nicht zu bezwingenden Vorurteile, dass alles, was vom Auslande zu uns kommt, bevorzugt wird, davon abgehalten: jetzt aber, da die allgemeine Not fast alle Länder Europas ihr eigenes Material zur Fabrikation verwenden lässt, um so viel möglich der Zinsbarkeit anderer Länder zu entgehen, lässt sich auch erwarten, dass Mecklenburg seine in sich habenden Schätze zu seinem eigenen Nutzen zu verwenden streben wird.

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Im Jahre 1806 fand ich zu Thurow, etwa 2 Fuß unter der Erde, eine Kalk-Ader; ich ließ solche nachgraben und hiervon 150 Steine in Ziegelformen streichen. Nachdem solche gebrannt waren, nutzte ich davon ungefähr den aus 60 Steinen gewonnenen Kalk zum Ausfugen eines aufgeführten Gebäudes. Ich ließ, da ich mit dem Nutzen dieses einheimischen Produkts noch nicht völlig bekannt war, die Westseite dieses Gebäudes mit gotländischem Kalk ausfugen, allein ich fand in, andern Jahre schon diesen gotländischen Kalk fast gänzlich verwittert und aus seinen Fugen gefallen. Ich ließ es von neuem verstreichen; auch dieses hielt sich nicht, obgleich ich überzeugt bin, dass in Hinsicht der Verarbeitung kein Fehler vorgegangen war, indem ein und derselbe Meister den ausländischen sowohl als den inländischen Kalk verarbeitet hatte. Dagegen hatte der von mir gebrannte Kalk an den andern Seiten des Gebäudes sich so fest mit den Steinen verbunden, dass auch nicht die kleinste Stelle davon ausgefallen war, sogar waren die Fugen an dem Holz, welches bedeutend eingetrocknet und sich davon durch das Eintrocknen gelöst hatte, dennoch so fest mit den Steinen verbunden, dass diese nur durch gewaltsame Mittel getrennt werden konnten, und die Lange der Zeit schien es immer dauerhafter zu machen.

Die nachgebrannten 400 Steine ließ ich einlöschen, um diesen Kalk zum jedesmaligen Gebrauch zur Hand zu haben; wie ich aber im andern Jahre hiervon Gebrauch machen wollte, war dieser in der Grube so fest und gewissermaßen zu einem Steine geworden, dass ich ihn nur mit Hilfe eiserner Keile auseinander zu bringen vermochte. Ich machte den Versuch, einige dieser Stücke noch einmal brennen zu lassen, um ihn wieder brauchbar zu machen, allein dies ging nicht, er war und blieb Stein. Ich habe diese Stücke bei nachherigen Bauten zu Fundamentsteinen gebraucht, sie liegen unterm Fundamente, niedrig und fast immer nass, und haben sich in 12 Jahren um nichts verändert. Hieraus scheint es mir klar, was auch der Hr. Präpositus Flörke glaubt, dass die Alten ihre Bauten mit inländischem Kalk beschafften, nur darf derselbe nicht eher eingelöscht werden, als bis er verbraucht werden soll. Dass dieser Kalk zu inwendigen Putzarbeiten vielleicht nicht so gut ist, als der gotländische, weil er etwas abfärbt, glaube ich gern, hiergegen würde aber auch wohl ein Mittel aufzufinden sein. Vorerst möchte ich zu Zierarbeiten und zum Weißen in den Zimmern den von dem sogenannten Kalksteine gebrannten Kalk empfehlen. Auch hiermit habe ich Versuche gemacht, denn in den steinreichen Gegenden findet man diesen Stein häufig: ich habe solche im Ziegelofen mit den Ziegeln brennen lassen und daraus einen ganz vorzüglichen Kalk in Quantität und Qualität erhalten.

Wenn die hohe Großherzogl. Kammer zu den vielen herrschaftlichen Gebäuden dieses, gewiss in seiner Dauerhaftigkeit so bevorzugte Material anstatt des ausländischen verwenden ließe, so würde dadurch das allgemeine Vorurteil ernstlich bekämpft, und gewiss mit der Zeit bezweckt werden, dass niemand mehr zu seinem Bedarf an auswärtigen Kalk denken würde. Bei meiner nur mäßigen Lokalkenntnis in den herrschaftlichen Domänen sind mir dennoch einige Stellen bekannt, wo mit Nutzen und viele Jahre hindurch eine Kalkbrennerei bestehen könnte. Auch erfordert die Fabrikation dieses Materials bei seiner Einfachheit nur wenige Kosten, welche im Vergleich mit dem daraus zu erwartenden Nutzen in keinem Verhältnisse stehen. Ich bin fest überzeugt, wenn die Kalkgruben sorgfältig geordnet und der bessere nur benutzt wird, es dahin kommen kann, dass der im Lande nicht zu verwendende Kalk selbst im Ausland seine Abnehmer findet, sobald seine Güte durch Proben anerkannt ist. Ich könnte mich über dieses wichtige, zum Bau so unentbehrliche Material weitläufiger auslassen, wenn der Raum in diesen Blättern es gestattete, behalte es mir aber vor, falls hierauf reflektier werden sollte, mit meinen wenigen Kenntnissen und Erfahrungen in dieser Hinsicht gern weiter an die Hand geben zu wollen.
Sternberg, den 3. Januar 1826.

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