Der Hopfenbau und die Bierbrauerei in Mecklenburg in früherer Zeit. Band 6. - 4. Der Bierhandel der mecklenburgischen Seestädte im Mittelalter

Aus: Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft.
Autor: Vom Regierungs-Bibliothekar Glöckler in Schwerin, Erscheinungsjahr: 1856
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Hansa, Hanse, Bier, Brauerei, Handel, Handelswege, Handelsware
Die großartige merkantile und politische Entwicklung der Hansa datiert aus der Zeit um 1260. Zum ersten Quartier der Hansa gehörten die wendischen Städte Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald. Die größten Handelsvorrechte in Dänemark und Norwegen erlangten die Städte Lübeck und Wismar, doch in gewissem Maße auch Rostock schon seit dem J. 1251. Unter den Kontoren der Hansa tritt das zu Bergen schon um 1280 hervor. Im J. 1284 sperrten die Schiffe der wendischen Hansa die norwegischen Häfen und stellten die Zufuhr von Getreide und Bier nach Norwegen ein, was dort bald fühlbaren Mangel und Nachgiebigkeit hervorrief.

Hauptgegenstände des Handels der wendischen Hansa nach Bergen um 1320 waren Bier, Malz und Mehl, gegen welche Waren hauptsächlich Fische eingetauscht wurden. Die Stadt Wismar war bei diesem Handel besonders beteiligt. Derselbe erlitt wohl zeitweise Störungen, blieb aber noch im 15. Jahrhunderte sehr bedeutend, weil der Getreidebau in Schweden und Norwegen während des Mittelalters noch ungleich schwächer war, als heut zu Tage. Der mühsame und kostbare Hopfenbau war dort, wie auch in England, damals noch gar nicht vorhanden. Auch die Entwicklung mancher handwerksmäßigen Gewerbe blieb dort gegen Deutschland zurück.

In den heute russischen Ostseeprovinzen wusste die wendische Hansa die Holländer lange Zeit von der Schifffahrt und dem Handel auszuschließen. In Livland kamen die deutschen Ordensritter und Ansiedler bei häufigem Misswachs, harter Leibeigenschaft und endlosen inneren Kriegen nicht zu eigenem Handel und Kunstfleiß, sondern überließen die Handelsvorteile den befreundeten und oft helfenden deutschen Landsleuten. Den Russen aber ward die eigene Schifffahrt durch Unglücksfälle und hanseatische Überlegenheit frühe verleidet.

Polen hatte keine bedeutenden Handelsstädte und gewann überhaupt keine städtische und industrielle Entwicklung. So gelangte die wendische Hansa, vornämlich das Oberhaupt Lübeck , fast ausschließlich in den Besitz des gewinnreichen Handels nach jenen Gegenden bis um 1580, wo die englischen Niederlassungen in Elbing begannen und die holländische Konkurrenz bedeutender ward. Die wendischen Städte brachten nach Riga, Reval und Nowgorod Tücher, Fische, Bier und Salz, und kauften dagegen Wachs, Pelzwerk, Leinsamen, Hanf und Häute.
Endlich verfuhr die wendische Hansa auch nach Flandern und Holland im Laufe des Mittelalters, freilich mit mancher Unterbrechung und Beschränkung, Bier, Salz, Getreide etc. Im J. 1315 ward in Flandern der Tonne hansischen Biers ein Einfuhrzoll von 2 Pfennigen auferlegt, der um das J. 1400 noch nicht erhöht war. Die im J. 1427 nach Flandern segelnden, von den Holländern erbeuteten Wismarschen Schiffe waren fast alle mit Bier und Salz befrachtet *).

*) Willebrandts hans. Chronik, II. S. 14. Fischer, Geschichte des teutschen Handels, Bd. II. S. 44. Burmeister, Beiträge zur Geschichte Europas im 16. Jahrhundert, S. 49.
**) In Schweden und in England hat sich der Anbau des Hopfens und dessen Verwendung in der Bierbrauerei erst im 16. und 17. Jahrhundert verbreitet. Beckmann, Beiträge zur Geschichte der Erfindungen, Bd. V. S. 228.
***) Vergl. Burmeister a. a. O. S. III. 116. 118.


Kein hansischer Schiffer durfte nach dem 11. November die Anker lichten, noch vor dem 22. Februar das Winterlager verlassen. Nur die Bier- und Heringsladungen waren nach Corners Bericht schon um das J. 1418 nicht an diese geschlossene Fahrzeit gebunden.

In dem Grade vorteilhaft war der nach dem Norden gerichtete Bierhandel der wendischen Städte, dass reiche hansische Kaufleute aus den deutschen Binnenstädten sich zuweilen dazu drängten. So ließ Hans Kremer, Bürger zu Osnabrück, im J. 1473 Wismarsches Bier von Wismar aus für eigene Rechnung und Gefahr nach Bergen verschiffen.

Noch in den Zeiten des hanseatischen Verfalles, am Ende des 16. Jahrhunderts, brauten 250 Brauer zu Rostock, nach Lindebergs Zeugnis, alljährlich im Durchschnitt 250.000 Tonnen Bier, von denen mindestens die Hälfte als Ausfuhr nach den nordischen Reichen angenommen werden darf. Zu Wismar gab es um dieselbe Zeit noch 122 Brauer, welche nach mäßiger Schätzung jährlich über 3.000 Last Bier bloß für den Seehandel lieferten.
Hansewappen

Hansewappen

Hanse Kogge

Hanse Kogge

Greifswald Stadtansicht

Greifswald Stadtansicht

Lübeck Das Holstentor

Lübeck Das Holstentor

Rostock Stadtansicht

Rostock Stadtansicht

Stralsund Stadtansicht

Stralsund Stadtansicht

Wismar, Stadtansicht

Wismar, Stadtansicht