Der Hopfenbau und die Bierbrauerei in Mecklenburg in früherer Zeit. Band 6. - 1. Einleitender Überblick.

Aus: Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft.
Autor: Vom Regierungs-Bibliothekar Glöckler in Schwerin, Erscheinungsjahr: 1856
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Brauerei, Hopfen, Bier, Mittelalter
Eine Geschichte der mecklenburgischen Städte und des einheimischen Gewerbefleißes besitzen wir noch nicht; eben so wenig eine Geschichte des Landvolkes und des Ackerbaues in Mecklenburg. Manche verfehlte Ansichten und Bestrebungen der neuesten Zeit wurzeln in der Unkenntnis der früheren Entwicklung dieser staatlichen und Kultur-Elemente unseres Landes. Wachsende, auf das Leben gerichtete, wissenschaftliche Forschung mag in späterer Zeit die geschichtliche Darstellung auch bei uns mehr auf diese Gebiete hinführen.

Der scharf blickende und klare Hane sagt schon im J. 1804 am Schluss der Vorrede seiner mecklenburgischen Geschichte: „Sollte diese Arbeit Beifall finden, so lasse ich wohl eine Geschichte des mecklenburgischen Ackerbaues, der Städte u. s. w. in kurzen Umrissen nachfolgen.“ Dieser Vorsatz ist meines Wissens nicht nach Wunsch ausgeführt worden.

Je mehr in unseren Tagen die auswärtige industrielle Bewegung und bei uns mindestens die Bevölkerung der meisten Städte steigt, desto mehr sollte die historische Wissenschaft darauf Bedacht nehmen, dem städtischen Gewerbe diejenigen Grundlagen zu verschaffen, welche der geschichtlichen Erfahrung zu entnehmen sind. Je spezieller die historische Entwicklung einzelner heimischer Industriezweige dargelegt wird, desto lehrreicher wird einst eine mehr umfassende Bearbeitung nach den verschiedenen Seiten hin werden können.

Die besonders wichtige Frage der angemessenen und gewinnreichen Verarbeitung des einheimischen Rohmaterials hat schon vereinzelte neuere quellenmäßige Forschungen hervorgerufen. Bemerkenswert ist in dieser Beziehung die in den Jahrbüchern des Vereins für mecklenburgische Geschichte, Jahrg. VII. enthaltene Darstellung über die frühere Eisengewinnung in Mecklenburg aus inländischem Rasenerz von Dr. Lisch. Besonders gehört auch hierher die Geschichte der mecklenburgischen Salinen, von Koch, Lisch und Virck, in den Jahrbüchern des Vereins etc. Jahrg. XI.

Auf den folgenden Blättern wird versucht, eine weitere Darstellung aus dem Gebiete des heimischen Gewerbes zu liefern. Eine erschöpfende Bearbeitung des Gegenstandes konnte hier nicht beabsichtigt werden. Der Tendenz und dem Räume dieses Blattes entsprechend, beschränkt sich die Darstellung auf das Wesentliche der geschichtlichen Entwicklung, welche durch zahlreiche Tatsachen, öfters durch ein genaues Detail in möglichst Helles Licht gestellt wird *).

*) Das Material dieser Abhandlung ist, außer den gelegentlich angeführten größeren Geschichtswerken, den auf der Regierungs-Bibliothek befindlichen Sammlungen von Mecklenburgicis entnommen.


              1. Einleitender Überblick.

Der Hopfenbau gehörte in Mecklenburg lange Zeit zu den bedeutenden Erwerbszweigen mancher Städte. Zunächst war es die frühere Mangelhaftigkeit der Handelsverbindungen mit dem Auslande, welche den allgemeinen und fast ausschließlichen Verbrauch des Bieres und somit den Hopfenbau veranlasste und Jahrhunderte hindurch bedeutend erhielt.

Die Beziehung des Weines vom Auslande war sehr schwierig und kostbar. Die herrschenden Handelswege unserer Seestädte führten im Mittelalter nicht in die Weinländer Europas. Der Landtransport großer Quantitäten der deutschen Weine war bei der Beschaffenheit und Unsicherheit der Reichsstraßen und Landwege, nicht minder wegen der zahlreichen Landzölle ganz untunlich.

Einzelne mecklenburgische Klöster und Städte haben frühzeitig eigenen Weinbau im Kleinen betrieben. Die Landesherren, namentlich Herzog Heinrich V. erneuerten im Laufe des 16. Jahrhunderts den Versuch mehr im Großen *); allein die Erfahrung, dass sich unser Klima für den Weinbau nicht eignet, hat sich zu allen Zeiten wiederholt. Man hat wohl zeitweise erhebliche Quantitäten gewonnen, aber niemals eine genügende Güte und nachhaltigen Ertrag erreicht. Es war alle Zeit ein mehr oder minder saurer Wein, auch wenn er aus sonst trefflichen Reben gewonnen war.

*) Vergl. Jahrbücher des Vereins für Mecklenburg. Geschichte, Jahrg. XVII. S. 243 flg.

Daher war in den Tagen des Mittelalters und in den ersten Perioden der Neuzeit das Bier, dessen Rohstoffe das Land reichlich erzeugte, das allgemeine Getränk. Es ward in allen Ständen und zu allen Tageszeiten genossen, vielfach selbst am frühen Morgen als Biersuppe oder Warmbier mit Milch und Eigelb, von Wohlhabenden gezuckert und gewürzt. Unsere Vorfahren haben dabei ein kraftvolleres und höheres Alter erreicht, als wir.

Noch am Ende des 16. Jahrhunderts war das Bier auch in den höheren Ständen und selbst bei festlichen Gelegenheiten der Hauptquell der Erfrischung. Noch im J. 1610 wird in der revidierten Kloster-Ordnung der drei mecklenburgischen Jungfrauen-Klöster vorgeschrieben, dass jede Domina monatlich 2 Tonnen Bier und eine halbe Tonne Cofent, die Unterpriorin 11/2 Tonne Bier und eine halbe Tonne Cofent, die anderen Jungfrauen adeligen und bürgerlichen Standes aber jede eine Tonne Bier und eine halbe Tonne Cofent erhalten sollen.

Dieser allgemeine Verbrauch des Bieres rief den einheimischen Hopfenbau hervor und machte ihn gewinnbringend. Vorzugsweise waren aber die Städte veranlasst, den Anbau des Hopfens im Großen zu betreiben. Zunächst deshalb, weil sie seit Alters im Besitze der gewerbsmäßigen Braugerechtigkeit waren, welche mehr fabrikmäßig betrieben wird und auf den Absatz im Großen berechnet ist. Die Städte waren auf dem Fundamente der bürgerlichen Nahrung gegründet und die Bierbrauerei stellte sich bald als ein Hauptzweig dieser Nahrung heraus. Die Ritterschaft, die Domanial-Insassen und die Landgeistlichen durften seit Alters wohl für den eigenen Bedarf brauen, aber nicht für den Verkauf. Denn dieses ward als ein offenbarer Eingriff in die Rechte der Städte angesehen.

Auch waren immer nur Wenige auf dem platten Lande und selbst in den kleineren Städten im Besitze gut gefertigter und genügend großer Braugerätschaften, zu denen namentlich große kupferne Gefäße schon im Mittelalter verwandt wurden, deren Wert damals sehr beträchtlich war.

Außerdem hatten aber die größeren Städte noch in dem gewinnreichen Bierhandel, der viel bedeutender war, als heute gemeinhin vermutet wird, den nahe liegenden Anlass, für den Betrieb ihrer Brauereien durch umfänglichen Hopfenbau in nächster Umgebung einen wesentlichen Rohstoff reichlich zu gewinnen.

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Rostock, Kröpeliner Tor

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