Das hundertjährige Jubelfest der Wirksamkeit Slüters. Rostock 1623

Autor: Krabbe, Otto (1805-1873) professor der Theologie, evangelisch-lutherischer Prediger und mehrfacher Rektor der Rostocker Universität, Erscheinungsjahr: 1863
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Rostock, Reformation, Reformator, Joachim Slüter
Aus: Aus dem kirchlichen und wissenschaftlichen Leben Rostocks: Zur Geschichte Wallensteins und des dreißigjährigen Krieges. Von Otto Krabbe, ordenrl. Professor der Theologie und Universitätsprediger zu Rostock. Verlag von Gustav Schlawitz. Berlin 1863

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Bei dem lebendigen Bewusstsein dessen, was man der Reformation Luthers verdankte, begreift es sich, dass Joachim Kützcker, nach seinem Stiefvater insgemein Slüter genannt*), der erste Zeuge der evangelischen Wahrheit in Rostock wie überhaupt in Mecklenburg, noch in frischem Andenken stand, und dass das geistliche Ministerium Rostocks sich gedrungen fühlte, das hundertjährige Jubelfest seiner Wirksamkeit im Jahre 1623 zu begehen. Hatte auch Slüter bereits seit dem Jahre 1521 an der Schule zu St. Petri gewirkt, so begann doch erst im Jahre 1523 seine evangelische Lehrtätigkeit, nachdem er von dem Herzog Heinrich, wahrscheinlich auf Veranlassung des evangelisch gesinnten Pegels, in diesem Jahre zum Kapelan an der St. Petrikirche ernannt worden war, da damals den Landesherren noch das jus patronatus in Rostock zustand. Slüter erfuhr zwar in dieser ersten Periode seiner Wirksamkeit sowohl von Seiten des Rats, als auch eines Teiles der Bürgerschaft, welcher der katholischen Kirche zugetan war, so heftigen Widerstand, dass er sich genötigt sah, auf längere Zeit Rostock zu verlassen. Aber wenn es ihm auch erst seit seiner wahrscheinlich im Jahre 1525 erfolgten Rückkehr nach Rostock gelang, mit der Predigt des Evangeliums durchzudringen und der evangelischen Lehre trotz aller Anfeindung der Gegner, welche ihn und seine Anhänger unter dem Namen der Martinianer bekämpften, Eingang und Anerkennung zu verschaffen, so ist doch der eigentliche folgenreiche Anfang seiner Tätigkeit in das Jahr 1523 zu setzen**), wo seine evangelische Predigt zuerst Viele angeregt und zum Glauben geführt hatte. Ungeachtet aller Bemühungen war es aber im Jahre 1623 nicht mehr zu ermitteln, an welchem Tage Slüter die erste evangelische Predigt in Rostock gehalten hatte. Nach längeren Verhandlungen kam man daher überein, am zehnten Sonntag nach Trinitatis in diesem Jahre das Dankfest zu begehen***), welches auch an diesem Tage unter großer Teilnahme aller Gemeinden Rostocks festlich begangen wurde. [Trinitis 2012 = 3.6.; 10. Sonntag nach Trinitatis 12.08.2012]

*) Nicol. Gryse, Historia van der Lere, Lewende und Dode M. Joach. Slüters, des ersten Evang. Predigers tho Rostock, nevenst einer Chroniken, darinen korttlick vormeldet, wo wunderlick Gott syn Hilliges Wort H,uno 1523 allhyr geapenbaret und beth in dyt 1593. jhar erholden hefft. Rostock 1593. 4. Lindeberg, Chronicon Rostoch., lieb IV. o. 1, p. 113 sqq. Bacmeister, historia ecclesiae Rostochiensis s. narratio de initio et prohessu Lutheranismi in urbe Rostochiensis s. narratio de initio et progressu Lutheranismi in urbe Rostochio in: de Westphalen, Monum. ined., Vol. I. p. 1554. Grape, Das Evangelische Rostock, S. 36 ff. Rostocker Nachrichten vom Jahre 1743, S. 175. David Franck, Altes und Neues Mecklenburg, Lib. XII. S. 312. Krey, Die Kirchenverbesserung in Rostock, Beiträge II. S. 257 ff. Arndt, M. Joachim Schlüter, erster evangelischer Prediger zu Rostock. Lübeck 1832. Serrius, M. Joachim Schlüter oder die Reformation in Rostock. Rostock 1840. Lisch, die Pfarre zu St. Petri in Rostock; Jahrbücher III. S. 84 ff. Desselben Beiträge zur Geschichte der Reformation in Rostock und des Domcapitels daselbst, Jahrbücher XVI. S. 9 ff. Krabbe, Die Universität Rostock im 15. und 16. Jahrhundert, S. 366 ff., S. 371 f. Wiechmann-Kadow, Der Zwist der evangelischen Prediger zu Rostock im Jahre 1531 und Johann Bugenhagens Gutachten darüber in: Lisch, Jahrbücher XXIV. (1859), S. 140 ff.

**) Memoria Rostochiensium Proto-Evangelistae, qui fuit M. Joachimus Kutzerus, Doemitiensis. Rost. 1703, p. 34, wo die Inschrift beider Grabsteine abgedruckt ist, in welcher das Jahr 1523 als die Zeit bezeichnet wird, wo Slüter die Predigt des Evangeliums begonnen hat.

***) Grape, Das Evangelische Rostock, S. 372 f., S. 525. Arch. Min. Vol. X. p. 253.
Krabbe, Otto Dr. (1805-1873) evangelisch-lutherischer Theologe, Publizist und mehrfacher Rektor der Rostocker Universität

Krabbe, Otto Dr. (1805-1873) evangelisch-lutherischer Theologe, Publizist und mehrfacher Rektor der Rostocker Universität