Das Seebad Warnemünde an der Ostsee

in medizinisch-topographischer und balneologischer Hinsicht
Autor: Schütz, Friedrich Wilhelm Dr. (?) Badearzt in Warnemünde, Erscheinungsjahr: 1843
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Ostseeküste, Ostseebad, Seebad, Rostock, Warnemünde, Kurbad, Heilbad, Badehaus, Damenbad, Herrenbad, Balneologie
Seit elf Jahren, als seit der Zeit, wo ich meine medizinisch-chirurgischen und geburtshilflichen Studien auf den Akademien zu Rostock und Berlin beendigt und mich vor der Landes-Medizinal-Kommission gehörig durch schriftliche und mündliche Prüfungen als befähigt zur chirurgischen und obstetritischen Praxis legimitiert hatte, wohne ich hier im Orte in stiller Abgeschiedenheit, einzig und allein den Studien meines Berufs und der viel bewegten Praxis mein Leben widmend.

Während dieser Zeit hob sich Warnemünde als Badeort immer mehr, wozu E. E. Magistrat der Stadt Rostock bereitwillig seine Hand bot, indem in jedem Jahre Verschönerungen und Verbesserungen des Ortes, des Hafens und der Badeanstalten ausgeführt wurden. Blickt man nun auf die große Zahl der hier in den letzten 8 Jahren gewesenen Kur- und Badegäste, so verdient Warnemünde in gleiche Parallele mit jedem andern an der Ostsee liegenden Badeorte gleicher Größe gestellt zu werden.
Die beiden großen Elemente, Luft und Wasser, zur Stärkung und Erhaltung, so wie zur Wiederherstellung der Gesundheit, hat man hier aus der ersten Hand. Auch der ärztliche Beistand ist vielseitig; denn während der Badezeit befinden sich unter den Kur- und Badegästen viele Ärzte Rostocks und anderer Städte Mecklenburgs, welche nebenbei dem einen oder andern Patienten Rat erteilen. Herr Apotheker Dr. Witte zu Rostock lässt auch diese Zeit über meine Hausapotheke von einem tüchtigen Provisor verwalten, und liefert, wie es sich von selbst versteht, gute, einfache und zusammengesetzte Arzneikörper. Die übrige Zeit des Jahres bin ich der Einzige, der hier Alles in Allem: Arzt, Wundarzt, Geburtshelfer und, für meine Kranken, selbst Apotheker*) sein muss.

*) Unzureichend würde mein ärztlicher Beruf hier sein, wollte ich die schriftlich gemachten Verordnungen jedes mal in Rostock dispensieren lassen.

Seit einem Dezennium haben mich die Seebäder der Nord- und Ostsee und die darüber erschienenen Schriften und Abhandlungen eines Gottlieb Samuel von Vogel, C. F. Becker, Formay, J. D. W. Sachse, Saß, Kind, L. W. Sachs u. a. m. ganz besonders interessiert und mir Veranlassung gegeben, meine eigenen am hiesigen Seebade gemachten Studien in Verbindung und Übereinstimmung zu bringen. Auf solche Weise entstand vorliegende kleine Schrift, die erste, welche über unser Seebad existiert. Sie umfasst drei Kapitel, wovon das erste Einiges Medizinisch-Topographische und Balneologische über das Seebad Warnemünde und über das Ostseewasser mitteilt, das zweite Einiges über die atmosphärischen Einflüsse am Ostseestrande und über die Wirkungen der Seebäder auf Gesunde und Kranke enthält, und das dritte eine kurze Anweisung zum zweckmäßigen Gebrauche der Seebäder überhaupt und des Ostseebades insbesondere gibt. Ich übergebe dieses Schriftchen dem Publikum um so mehr zur nachsichtsvollen Beurteilung, da es mein erster schriftstellerischer Versuch ist, und meine Feder noch nicht so, wie ich es wünsche, die Gewandtheit älterer Autoren besitzt.

Warnemünde, im Dezember 1842.
Rostock zur Zeit der Hanse, Holzschnitt

Rostock zur Zeit der Hanse, Holzschnitt

Badenixe um 1900

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