Das Ostseebad Warnemünde

Aus: Das medizinische Mecklenburg. Notizen gesammelt auf einer Reise im Winter 1855-1856
Autor: Spengler, Ludwig Dr. (?) Hofrat, Erscheinungsjahr: 1858
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Ostseebad Warnemünde, Seebad, Badegäste, Kurbad,
Am Ausfluss der Warnow in die Ostsee, am linken Ufer des Flusses, unmittelbar am Meere, liegt auf flachem, baumlosen Meeresstrand der von Lotsen, Matrosen und Fischern bewohnte Flecken Warnemünde, zwei Meilen von Rostock, der Hafen dieser ansehnlichen Handelsstadt. In zwei langgestreckten Reihen folgen über 250 eigentümlich und gleich gebaute Giebelhäuser der Windung des Flusses, an dessen Ufer die 1.800 Einwohner ein reges und bewegliches Leben führen. Warnemünde gehört der Stadt Rostock. Bald nach der Errichtung des Seebades zu Doberan griff man auch in Warnemünde die Idee auf, in der See zu baden, und schon im Anfange des Jahrhunderts gingen Einzelne nach Warnemünde, um dort Seebäder zur nehmen, 1822 schon über 100‚ Jedoch dauerte es sehr lange, bis das Badeleben sich ausbildete.

Erst 1834 wurde ein Badehaus gebaut zu Wannen-, Dusch-und Regenbädern. 1835 wurden zwei Anstalten für kalte Seebäder am Strande angelegt. Die Zahl der Badegäste mehrte sich nun allmählich. In der neusten Zeit ist aber das Bad so besucht, dass alle Häuser dicht gefüllt sind, und man die Zahl der Badegäste wohl jetzt auf 2.000 anschlagen kann. Tägliche Dampfschifffahrten nach Rostock sind deshalb auch eingerichtet worden.

Warnemünde bildet das Gegenstück zu Doberan durch den Kontrast der Ufer, der Bauart, der Lebensweise u. s. w. Leider fehlt es in Warnemünde an Schatten, wie auch z. B. in Ostende. Allein man ist bemüht durch Anpflanzungen diesem Übelstande abzuhelfen. Als eigentliche Promenade besteht einstweilen die Lindenallee an der einen langen Häuserreihe, und am Strome entlang; und ganz besonders die gewaltige, weit ins Meer hinaus reichende Stämmole, das s. g. Spill. Tott hat in der medizin. Zeitg. von Papst, 1837, 88 eine Beschreibung von Warnemünde gegeben. Cfr. Formey, in Hufelands Journ. Bd. 55. Nro. 4. S. 116. —- Hille, Heilquellen Deutschlands und der Schweiz 4. Heft. 1838.

Seit der Zeit ist aber vieles anders geworden. Schöne Bauten sind aufgeführt, eine neue Esplanade am Seeufer gepflanzt, grossartige Boulevards angelegt, ein neues Logierhaus und eine Anstalt für warme Seebäder gebaut u. s. w. Cfr. darüber Balneol. Zeitg. Bd. V. p, 89, wo das jetzige Warnemünde beschrieben ist und seine Vorzüge hervorgehoben sind. Fragen wir nach der Ursache der starken Frequenz von Warnemünde, die schon viel Neid und böses Blut in der Nachbarschaft gesetzt hat, so ist wohl der leichte Verkehr, die bequemere Reise (Eisenbahn und Dampfschiffe), der geringere Preis mit eine der Hauptursachen. Allein die zwanglosere Gemütlichkeit, mit welcher jeder sich dort einrichten kann, wie er will, —- und die unmittelbare Nähe des Meeres, dass man von jeder Haustüre, von jedem Vorplatz, ich möchte sagen von jedem Zimmer auf die Meereswogen hinausschaut, das eigentliche Leben an der See; ja das Seeleben selbst, das man in dem Hafen mitlebt, das ist es besonders, was seine Anziehungskraft ausübt und stets ausüben wird, und was namentlich als ein besonders wirksamer Faktor bei einer Seebadekur stets - mit in Rechnung gebracht werden muss. Vergl. die geistreiche Schrift von Hanemann, Warnemünde, dessen Seebad und die Wirkung der dortigen Luft. Rostock 1843. 12.

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Warnemünde, Strom, Hafen und Leuchtturm

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Warnemünde, Strom, Leuchtturm

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Mecklenburger Ostseestrand im Herbst

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