Das Mineralbad in Goldberg. Dobbertin, den 18. April 1856.

Aus: Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft.
Autor: Von Dr. Julius Sponholz, Kloster-Amts-Arzt in Dobbertin, Erscheinungsjahr: 1856
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Goldberg, Heilbad, Mineralquelle, Kur, Heilung, Doberan, Großherzog Friedrich Franz
Seit 39 Jahren besteht in Goldberg ein warmes Bad, das alljährlich in unbemerkter Stille seine wohltätigen Wirkungen den hilfesuchenden Kranken von Neuem bewährt und dafür auch seine treuen Anhänger dankbar wiederkehren sieht zu seinen wenig besprochenen und wenig gekannten Räumen. Dieses Schweigen zu brechen und das Publikum von Neuem aufmerksam zu machen auf ein nahe liegendes Gute und die Kenntnis des uns Allen teuren Vaterlandes zu fördern, sind für mich, der ich seit zwölf Jahren als Arzt die Wirksamkeit der Bäder kennen zu lernen vielfache Gelegenheit gehabt habe, die Veranlassung dieser Zeilen gewesen.

Goldberg liegt, wie bekannt, auf dem breiten Rücken der Hügelkette, welche durch unsere Diluvialebene sich zieht und unsere malerischen Seen trägt, und zwar in einer kleinen Einsenkung derselben, durch welche die Mildenitz ihr Wasser von Osten nach Westen aus dem Goldberger See in den Dobbertiner und später in die Warnow führt. Gegen Norden und Süden ist diese kleine Talsenkung von mäßigen Hügeln, welche guten fruchtbaren Ackerboden haben, begrenzt. Dem südlichen Rande, wo das zum Hausgut gehörende und in der Landwirtschaft wohlbekannte Medow liegt, entspringt die Quelle, welche zuerst 1817 der Senator und Apotheker Küchenthal zu Bädern benutzte. Rasch aufblühend, wie manche damals gegründete, jetzt vergessene Bäder, hat Goldberg zwar nicht den großen Kreis seiner ersten Bewunderer und seine glänzenden Saisons — von denen noch ältere Personen Manches zu erzählen wissen — sich erhalten können, aber es ist beständig in Benutzung geblieben und hat in den letzten Jahren eine immerhin nennenswerte Frequenz sich erhalten. Wie alle Bäder hat auch Goldberg seine Geschichte und seine Literatur. Da aber 25 Jahre verstrichen sind, dass meines Wissens nichts über die Wirksamkeit der Quelle ins größere Publikum gedrungen ist, so dürfte es nicht überflüssig sein, in dieser Beziehung Einiges hier mitzuteilen.

Der Apotheker und Senator Küchenthal ward 1816 beim Graben eines Brunnens *) auf einem neu akquirierten Grundstücke südlich von der Stadt dadurch, dass das Wasser der Quelle die Bohlen schwarz färbte (Eisen), aufmerksam und fasste den Gedanken, hier ein Bad anzulegen. Er führte diesen Plan sofort aus und die noch jetzt bestehenden Baulichkeiten rühren von ihm her. Im J. 1817 ward das Bad eröffnet und es erfolgte, wie schon bemerkt, ein rasches Aufblühen der jungen Anstalt**).

*) Küchenthal hatte seine Apotheke verkauft und wollte in einem neuen Haus eine Brennerei anlegen. Zu dem Zweck ward ein neuer Brunnen gegraben, der, anstatt das Wasser zur Branntweinfabrikation zu liefern, fortan ein „Gesundbrunnen“ (so ward das neue Etablissement genannt und heißt noch so) werden sollte.

**) Es sollen in den ersten Jahren 200—300 Badegäste gewesen sein.


Zugleich hatte Küchenthal sich an den Magistrat der Stadt Goldberg (dessen Mitglied er ja war) gewandt und dieser dem Hochseligen Großherzog Friedrich Franz I. über das Unternehmen Bericht erstattet. Unter dem 11. Juli 1816 erfolgte von Doberan aus, wahrscheinlich auf Veranlassung unseres berühmten Arztes S. G. Vogel, der Befehl zur Analyse des Wassers an den Hofapotheker Krüger zu Rostock und an den Professor Mähl ebendaselbst.

Krügers Bericht erschien in Druck*) mit einem Vorworte von Vogel, in welchem auf charakteristische Weise die Hoffnungen, die man damals von Goldberg hegte, sich ausgesprochen finden. Es heißt dort von Vogel pag. 6:

„Doberan und Goldberg werden, wenn meine Hoffnungen mich nicht ganz trügen, bald als treue edelgesinnte Landsleute sich einander treulich die Hand bieten, um in wechselseitigen gehörigen Verhältnissen das Wohl der bei ihnen Hilfe suchenden Kranken nach ihren respektiven Umständen zu erzielen. Was in Doberan nicht erreicht oder vollendet werden kann, wird durch Goldbergs Vor- oder Nachkur zu Stande kommen“ u. s. w. Außerdem war der Sanitäts-Rat Dr. Bornemann von Landesherrlicher Seite (1818) mit der ärztlichen Beaufsichtigung der Quelle betraut worden und er hatte, als in Goldberg wohnender Arzt, die meiste Gelegenheit und das nächste Interesse daran, die Wirksamkeit der Quelle zu studieren und sie beim Publikum und den Ärzten einzuführen. Er hat dies getan und sich in jeder Beziehung vielfache Verdienste um die Quelle erworben, was von den Ärzten des Landes dankbar anerkannt zu werden verdient. Es erschienen von ihm drei Hefte „Annalen des Gesundbrunnens zu Goldberg“**).

In dem ersten und dritten Heft befinden sich Aufsätze rühmlichst bekannter Ärzte des Landes, die ihre Beobachtungen über die Wirksamkeit der neuen Quelle bereits mitteilten, nämlich vom Hofrat und Kreisphysikus Dr. Dornblüth zu Plau und Sanitätsrat Fabricius zu Bützow ***).

*) Beschreibung der Stahlquelle zu Goldberg etc, von Wilhelm Krüger. Nebst einem Vor-Worte des Herrn Geheimen Medizinal-Rats Vogel, Rostock, 1818, Adlers Erben, kl. 8. 62 Seiten.

**) Annalen des Gesundbrunnens zu Goldberg, von Dr. Bornemann, praktischem Arzte daselbst. Istes Heft: Güstrow, 1818, bei Hartwig Heinrich Ludwig Ebert. kl. 8. 108 Seiten. 2tes Heft: Hamburg, 1819, in Kommission bei Perthes und Besser. kl, 8. 79 Seiten. 3tes Heft: Rostock, 1820, in Kommission der Stiller’schen Hofbuchhandlung, kl. 8. 61 Seiten,

***) Vom Professor Mähl erschien ein Aufsatz in der Bandalia, Nr. 7, 1819. Im Freimütigen Abendblatt, Mai 1818, S. 141, eine Kritik der Krüger’schen Schrift.


So sehen wir dem jungen Bade von allen Seiten die Aufmerksamkeit sich zuwenden, von namhaften Ärzten des Landes dasselbe empfohlen werden, und wie die Erfolge den günstigsten Fortgang in sichere Aussicht zu stellen scheinen. Allein das Unternehmen endete nach einigen Jahren mit dem Konkurs des Gründers, dessen vielleicht zu sanguinische Hoffnungen die nüchterne Wirklichkeit nicht realisieren konnte. Es heißt, dass in dieser Periode von Seiten des Hochseligen Großherzogs Friedrich Franz, des in der Geschichte der Medizin immer denkwürdigen Gründers des ersten deutschen Seebades (Doberan), der Plan gehegt ward, das Goldberger Bad anzukaufen und nur die überspannten Forderungen Küchenthals (28.000 Thlr. und Anstellung) seien Schuld, dass die junge Anstalt nicht von dem Landesherrn akquiriert wurde*). Das Scheitern dieses Planes müssen alle Freunde der Quelle sehr bedauern und die Quelle kann jetzt mit Recht von sich klagen: „nimmt man die Flut wahr, führet sie zum Glück, versäumt man sie, so muss die ganze Reise des Lebens mühsam sich durch Klippen winden.“

Die Flut war versäumt, die Klippen blieben denn auch nicht aus, und der Konkurs war eine sehr bedenkliche. Es trat während der Dauer desselben eine Administration ein und 1828 ward endlich der Brunnen öffentlich verkauft. Der Käufer hat das Bad nicht erhalten wollen, und um dasselbe dem Untergange zu entziehen, kaufte es der Sanitätsrat Bornemann mit zwei Teilnehmern**). So ward die Klippe glücklich überwunden, und wie Küchenthal der Gründer des Bades war, so ward jetzt Bornemann der Erhalter desselben. Die gesamte Einrichtung wurde in gutem Zustande erhalten, und da die erfreulichen Resultate dem Bade bereits überall Gönner und Freunde im Lande erworben hatten, so ward es nach wie vor besucht. Aus dieser Periode berichtet uns ein Aufsatz des Herrn Sanitätsrats Bornemann in einer medizinischen Zeitschrift von der Anstalt ***), meines Wissens der letzte öffentliche Bericht von derselben.

Im Jahre 1838 ging die Anstalt durch Kauf in den Besitz des Herrn Wilhelm Greffrath über, und ihm ist es nachzurühmen, dass er nicht allein die Gebäude und Badeeinrichtungen gut erhalten und verbessert hat, sondern auch (1844) durch Anlagen englischer Partien im Garten hinter dem Hause für die Annehmlichkeit der Badenden zu sorgen bemüht war.

Im Sommer 1815 erschien eine gedruckte Liste der Badegäste, die, wie ich weiß, 120 Nummern aufwies.

Im Jahre 1846 veranstaltete Herr Greffrath auf meinen Vorschlag eine neue, dem jetzigen Stande der Wissenschaften entsprechende Analyse des Wassers, welche vom Herrn Professor Wiggers in Güttingen ausgeführt ward. Damals haben der Herr Sanitätsrat Bornemann und ich die Füllung der übersandten Flaschen besorgt, indem wir auf den Grund der abgepumpten Quelle hinabstiegen, wo das Wasser klar aus dem durchlassenden Sandgrunde hervorsickerte.

*) Küchenthal büßte in dem Konkurs der Anstalt, an deren Gründung er alle seine, für ein solches Unternehmen vielleicht nicht ausreichenden Mittel gewandt hatte, sein Vermögen ein und erhielt später eine Anstellung von seinem edelmütigen Landesfürsten. Er ist, wie ich glaube, in Ribnitz arm gestorben. Es ist Pflicht, die Verdienste dieses uneigennützigen, strebsamen Mannes vor der Vergessenheit zu bewahren.

**) Dem Geheimen Amts-Rat Drechsler, jetzt zu Lübz, damals Beamter zu Goldberg, und dem damaligen Senator und Apotheker Bösefleisch.

***) Beiträge der Mecklenburgischen Ärzte zur Medizin und Chirurgie. Herausgegeben von Dr. W. Henemann, Großherzogl. Mecklenb.-Schwerinschen Ober-Medizinal-Rat. 2ter Band, 1stes Heft, Rostock u. Schwerin, in Kommission der Stiller’schen Hofbuchhandlung, 1831, S. 156-167.


Auf das Resultat der Analyse komme ich später zurück. Schon einige Jahre früher waren von Herrn Greffrath durch einen Neubau ein geräumiger, freundlicher Saal und einige Logierzimmer gewonnen worden.

Der Besuch des Bades war ein stetig zunehmender zu nennen, und blieb es auch, als die Anstalt von Herrn Greffrath an Herrn G. Martens (1850) verkauft ward *). Auch unter diesem Besitzer ward der Quelle die gleiche Aufmerksamkeit zu Teil, die Gebäude wurden in baulichem Zustande konserviert, das Nötige repariert, Badestuben und Wannen gut und sauber erhalten. Die neuen Anpflanzungen sind inzwischen bei dem fruchtbaren Boden rasch herangewachsen. Die löbliche Sitte, ärmeren Kranken die Bäder zu einem erniedrigten Preise zu gewähren, haben beide Besitzer allezeit aufrecht erhalten und verdienen dafür unseren Dank. Im April dieses Jahres (1856) hat abermals ein Wechsel des Besitzers stattgefunden, indem Herr Flügel jetzt Besitzer des „Gesundbrunnens“ geworden ist. So viel von der Geschichte der Anstalt.

Werfen wir nun einen Blick auf die Bedeutung und Nützlichkeit des Goldberger Wassers, so sei es mir gestattet, im Voraus zu bemerken, dass dasselbe nur zu warmen Bädern benutzt wird, und dass von einem Trinken des Wassers durchaus nicht mehr die Rede ist.

Wir haben es also nur mit den Bädern zu tun. Dieselben werden in neun Badestuben zu + 27° und + 28° K. genommen und währt die Saison von Mitte Juni bis September, oft bis kurz vor Michaelis. Ein Apparat zum Duschen ist neben dem ersten Badezimmer und wird je nach der Verordnung des Arztes in Anwendung gezogen.

*) Durchschnittlich betrug in den letzten 10 Jahren die Zahl der Bäder jährlich 1.200.

Die chemischen Bestandteile sind es unzweifelhaft, welche dem Bade seine arzneiliche Wirksamkeit verleihen. Die Erfahrung, wie sie dem Auge des unbefangenen Beobachters sich hier vielfach darbietet, bestätigt auch vollkommen die Erwartungen, die der Arzt aus der Analyse sich abstrahiert. Dem etwaigen Einwurf von einem geringen Gehalte der Quelle an festen Bestandteilen wird man, sollte er im Ernst gemacht werden, leicht begegnen, denn es galt immer und gilt noch jetzt der Satz in der Medizin, dass nicht die Quantität der festen Bestandteile allein den therapeutischen Wert oder Unwert einer mineralischen Quelle bestimmt. Überdies würde dieser Vorwurf auch nicht einmal Goldberg überall mit Recht treffen können, denn der Eisengehalt desselben ist im Vergleich zu anderen Quellen durchaus nicht unbedeutend. Der Eisengehalt ist demnach nicht gering.

Gering allerdings ist der Gehalt an Kohlensäure und dies ist der medizinische Grund, weshalb das Trinken des Wassers nicht zulässig erscheint.

Bei den Bädern ist der meiste Wert auf den Gehalt an Kalk, Kochsalz und Eisen zu legen. Wie viel das letztere nützt, will ich unerörtert lassen, die Bedeutung des Salzes und Kalkes scheint mir in Betracht der gewonnenen Erfahrungen die größere zu sein.

Allein der Gehalt der Quelle ist es vielleicht weniger, was als ein ungünstiges Moment betrachtet werden dürfte. Übler ist gewiss, ganz abgesehen von der Einsamkeit und Einförmigkeit des Städtchens und der Gegend, die klimatische Beschaffenheit unseres Landes überhaupt, was einer Badeanstalt in demselben, in der Leidende Heilung, Erleichterung und Zerstreuung suchen, hinderlich werden muss. Wir liegen fast unter dem 54sten Breitengrad, wenige Meilen von der Seeküste, in geringer Elevation über derselben. Wechselnde Windrichtungen, grelle Temperatur-Übergänge, häufige atmosphärische Niederschläge sind die dem Gedeihen des Goldberger Bades allezeit schädlichen und hinderlichen Umstände. Diese aber zu beseitigen ist unmöglich, und so werden denn Eisenbahnen und Dampfschiffe jeden Sommer einen großen Teil unserer Patienten dem Süden zuführen. Gewiss aber werden vielfache Umstände und Lagen des Lebens Manchen diese Reise erschweren oder unmöglich machen, und da ist es tröstlich zu wissen, dass auch in der Nähe im engeren Vaterlande Abhilfe geschafft werden kann.

Fragen wir nun, welche Krankheiten vermag das Goldberger Bad zu heilen? so wünsche ich diese Frage so bestimmt als möglich zu beantworten. Es ist mir dabei um die Wahrheit zu tun, und ich halte es für heilsamer, den Kreis der Wirksamkeit lieber enger zu ziehen, als unbegründete Hoffnungen und unsichere Erwartungen zu erwecken.

Die Goldberger Bäder sind heilsam gegen Gicht und Rheumatismus.

Diesen Ausspruch zu tun berechtigt mich mehrjährige eigene Erfahrung und ihn bestätigen die Erfahrungen anderer Ärzte, so lange das Bad in Gebrauch ist. In den angeführten Annalen Bornemanns sind Krankheitsgeschichten mitgeteilt und die interessantesten derselben betreffen Heilungen von an Gicht und Rheumatismus Leidenden. Die Mitteilungen Dornblüths bestätigen dasselbe, und Fabricius, der in seinem Aufsatz die Behandlung von Hautkrankheiten durch das Goldberger Bad bespricht, sagt am Schluss (Heft 3, pag. 61): „Schließlich bemerke ich noch, dass von allen meinen Patienten, welche sich gegen Gichtbeschwerden des Goldberger Bades bedienten, keiner ohne große Erleichterung und Besserung heimgekehrt ist.“

Besonders von Interesse erscheint die Heilung eines Patienten aus Parchim, den der Geheime Mediz.-Rat Becker ins Bad sandte. Ein seit 1 1/4 Jahren an beiden Unterextremitäten vollkommen gelähmter, einige vierzig Jahre alter Mann, der mühsam nur mit zwei Krücken sich bewegte, fand in einem Sommer vollständige Heilung. Diese oft überraschende Heilwirkungen gegen Gicht und Rheumatismus habe ich alljährlich Gelegenheit, von Neuem bestätigt zu sehen, denn die wahrhaft freigebige Administration des Klosters Dobbertin, sowohl unter der früheren Verwaltung des Herrn Klosterhauptmann Freiherrn Le Fort, jetzigen Landrats, auf Boek, als unter der jetzigen des Herrn Klosterhauptmann Freiherrn von Maltzan (Klein-Lukow), sendet aus den umliegenden Gütern Jahr für Jahr Kranke nach Goldberg ins Bad, und sind namentlich in den letzten Jahren die erfreulichsten Resultate erzielt worden. Kranke, die durch Gicht gelähmt und durch rheumatische Entzündungen und deren Folgen arbeitsunfähig waren und Monate lang Bett und Zimmer gehütet hatten, fanden nach kürzerer oder längerer Kur Besserung und völlige Heilung. Ein Tagelöhner B. aus Sehlsdorf litt stark an Gelenkgicht, so dass er die gewöhnlichen Arbeiten, obwohl noch jung, seit Jahren nicht mehr verrichtete. Nach dem Gebrauch der Bäder arbeitete er wieder und jetzt ist er nach Amerika ausgewandert. Ein Tagelöhner E. aus Mestlin, ein Fünfziger, war einen ganzen Winter hindurch an Gicht krank und saß ohne Arbeit im Hause. Er badete in Goldberg, und ging darauf wieder mit zur Ernte-Arbeit. Jetzt ist er gleichfalls übers Meer gezogen. Ein Knecht, Fr. S. aus Gerdeshagen, schon seit Jahren an Rheumatismus krank, und zuletzt durch eine rheumatische Entzündung des Kniegelenkes lahm, badete im Sommer 1855 einige Wochen hindurch in Goldberg und hat den ganzen Winter hindurch den Müllerwagen gefahren. Ein Knabe aus Schwinz, ein anderer aus Lenzen, beide durch hartnäckigen Rheumatismus seit Monaten lahm, badeten 1855 einige Zeit und dienen jetzt in ungestörter Gesundheit. Knecht L. in Dobbertin, früher Militär, kam vor einigen Jahren mit einer rheumatischen Entzündung des rechten Kniegelenkes von einem auswärtigen Dienste zurück. Der Fuß war so sehr im Kniegelenk gekrümmt und stand unbeweglich so, dass die Fußspitze beim Aufrechtstehen einen ganzen Fuß vom Erdboden entfernt stand. Er badete 1854 und 1855. Jetzt geht er und arbeitet täglich. Ich könnte diesen Fällen noch viele beifügen, doch möge es mir gestattet sein, nur noch eines mir von meinem Freunde Dr. Becker in Goldberg mitgeteilten, auch mir bekannten Falles in Kürze hier zu erwähnen. Ein früher gesunder Mensch von einigen zwanzig Jahren, Namens Bornhöft aus Goldberg, der seit 1848 auf zwei Krücken ging, nachdem er beim Fischen sich seiner Angabe nach heftig erkältet hatte, badete auf Beckers Rat 1852. „Die rechte untere Extremität, schreibt Becker mir, litt am meisten und konnte im Hüftgelenke nur wenig, im Knie- und Fußgelenk fast gar nicht bewegt werden; dabei war diese ganze Extremität von oberhalb des Knies bis zu den Zehen teigig geschwollen und etwas gerötet, besonders in der Gegend der Gelenke. An der linken Extremität war nur das Kniegelenk steif und geschwollen. Außerdem litten beide Ellenbogengelenke und das rechte Handgelenk in gleicher Weise. Der Kranke hatte heftige Schmerzen in den angegebenen Teilen. 15 Bäder genügten, das Übel insoweit zu heben, dass der Kranke mit einem Stocke gehen konnte. Die Geschwulst war gänzlich geschwunden, nur blieb noch eine gewisse Steifigkeit in den ergriffenen Teilen. Im Jahre 1853 wurden dem Kranken noch 20 Bäder verordnet, und nach denselben konnte derselbe als völlig geheilt angesehen werden, auch ist noch bis zu diesem Augenblick kein Rückfall eingetreten, obgleich der Mensch sein Geschäft als Fischerknecht nach wie vor betreibt.“

Diese Tatsachen, und nur Tatsachen habe ich angeführt, sprechen für sich selbst, und stellen den Satz, dass Gicht und Rheumatismus in ihren Folgen den Gebrauch des Bades zu Goldberg indizieren, außer Zweifel.

Dem Arzt, der das weite Feld dieser beiden Krankheitsprozesse kennt, und jeder mecklenburgische Arzt hat hinlänglich Gelegenheit, ihre Bekanntschaft zu machen, wird dies genügen.

Ob andere Krankheiten noch durch dasselbe geheilt werden, weiß ich nicht, ich wenigstens habe keine Erfahrung darüber.

Mögen diese kurzen Mitteilungen dazu beitragen, ein vaterländisches Bad vor unverdienter Vergessenheit zu bewahren, möge es diejenige Beachtung und Benutzung, die es in Wirklichkeit verdient, in Zukunft finden, mögen Leidende bei der Auswahl der Bäder auch das nahe liegende nicht übersehen. Wenn meine Mitteilungen ferner dazu dienen könnten, die Aufmerksamkeit der Ärzte von Neuem auf ein Bad zu lenken, das unter den erfahrenen Praktikern unseres Landes so viele Gönner gefunden und sich erhalten hat, wenn endlich die aufgestellten Indikationen geprüft und bei den geeigneten Krankheitsfällen durch gute Erfolge bestätigt gefunden würden: so wäre der Zweck dieser Mitteilungen vollkommen erreicht.
Goldberg, Rathaus

Goldberg, Rathaus

Goldberg, Kirche

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Goldberg, ehemaliges Großherzogliches Amtshaus

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Goldberg.

Goldberg.