Das Kirchdorf Wiendorf (3 km östlich von Schwaan)

Aus: Amtsgerichtsbezirk Schwaan
Autor: Lisch, Georg Christian Friedrich (1801 Strelitz - 1883 Schwerin) Prähistoriker, mecklenburgischer Altertumsforscher, Archivar, Konservator, Bibliothekar, Redakteur, Heraldiker und Publizist (Freimaurer), Erscheinungsjahr: 1901
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Wiendorf
Der Name Wiendorf wird wahrscheinlich mit dem im XIII. Jahrhundert genannten Geschlecht der Herren von Wiendorf, die als Vasallen in den Ländern Rostock und Werle auftreten, auf irgend eine Art zusammenhängen. Aber bei der ersten urkundlichen Erwähnung des Dorfes im Jahre 1356 werden sie dort nicht genannt. Vielmehr erfahren wir, dass Einkünfte aus dem Dorfe, die Herr Nikolaus von Werle seinem Bruder Bernhard überlässt, um sie dem letzten Willen ihres Vaters Johannes gemäß der Güstrower Domkirche zu überweisen, vorher von Johannes von Sprenz und noch früher von den Gebrüdern Heinrich und Martin, den Distelowen, zu Lehn getragen worden. Die dadurch entstandenen Abgaben sind 1802 auf die Güstrower Amtskasse übernommen worden. Vom Güstrower Amt ist Wiendorf 1829 an das Amt Schwaan verlegt worden. Im Jahre 1666 verliert das Dorf für 800 Thaler Land an die von Drieberg auf Klein-Sprenz.

Als Filia der Schwaaner Kirche wird die Wiendorfer im Visitationsprotokoll von 1534 genannt.

Kirche. Die Kirche ist ein mit älteren und neueren Strebepfeilern bewehrter gotischer Backsteinbau des XIV. Jahrhunderts auf einem Felsenfundament und bildet ein einschiffiges Langhaus mit flache abschließendem Chor, der als solcher baulich nur durch den Triumphbogen im Inneren hervortritt und nach außen hin einen mit Blenden verzierten Giebel zeigt. Im Westen ein einstöckiger Turm mit vierseitigem Pyramidenhelm. Die jetzigen Spitzbogenfenster stammen von einem Durchbau im Jahre 1839 her. Dagegen haben die Portale ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Auf der Nordseite der Kirche ist im Jahre 1839 eine einfache Sakristei angebaut. Im Inneren sind Chor und Langhaus mit flach gespannten Gewölben bedeckt, der Chor mit einem, das Langhaus mit zweien. Dieser Wölbung entspricht der Triumphbogen, welcher fast einem Kreis Segment gleichkommt. An der Nord- wie an der Südwand, da wo die Rippen beider Gewölbe aufsteigen, sieht man als Konsole oder Kragstein ein phantastisch gebildetes Menschenantlitz.

Figuren. Aus einem alten Altarschrein werden noch einige Figuren in der Kirche aufbewahrt, eine hl. Maria mit dem Christkinde, eine kleinere Madonna, eine Annaselbdritt-Gruppe, ein Paulus ohne Kopf, ein Johanneskopf und eine Figur ohne Kopf. Es sind gute spätgotische Figuren von Dreiviertel-Lebensgröße. — Vor der Eingangshalle liegen zwei alte Altarplatten, jede mit fünf Weihekreuzen. Die Fenster in der östlichen Chorwand enthalten einige kleine Scheibenmalereien (Reiter, Auferstehung Christi, Christus mit Kreuz und Kelch, Daniel in der Löwengrube) mit Unterschriften. Man erkennt noch JACOB WILKEN und MICHEL SCHO . .

Glocken. Im Turm drei Glocken. Die größte (Dm. 1,14 m) ist zur Zeit des Pastors MÜFFELMANN 1868 von Hausbrandt in Wismar umgegossen worden. — Die zweite (Dm. 0,96 m) mit den Namen des Pastors J. W. SCHULZ und der Vorsteher J. KÜCHENMEISTER und H. BORGWARDT ist im Jahre 1743 von Otto Gerhard Meyer in Rostock gegossen worden. Die kleinste (Dm. 0,66 m) trägt nachstehende Minuskel Inschrift: Endlich ist noch eine ganz kleine Glocke vorhanden, (Dm. 0,40 m) mit der Minuskel-Inschrift:



Kleinkunstwerke. 1—4. Zwei silbervergoldete Kelche von derselben Form wie der gleichalterige in der Kirche zu Schwaan, mit der Inschrift: Ao 1745 TEMPORE PASTORIS ENGEL HIC CALIX WIENEDORFFENSIS IN ALIAM ET MELIOREM FORMAM TRANSFUSVS. Vom Rostocker Goldschmied Daniel Halbeck. Dazu zwei silberne einfache Patenen. — 5 — 8. Vier zinnerne Leuchter in Form von Säulen auf einer achtseitigen schweren Basis, alle vier 1839 gestiftet von den Juraten J. WISCHMANN. H. WISCHMANN und P. HARDT. Sie haben sämtlich den Stempel des Rostocker Zinngießers Hans Christoph Reincke.
      

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Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist

Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist

Wiendorf, Dorfkirche

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Schwaan, Kirche, Kelch (1)

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Schwaan, Kirche, Kelch (3)

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Schwaan, Kirche, Kelch (7)

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