Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin - Handel: Ausfuhr, Einfuhr, Handelsplätze, Waren und Mengen. 1828

Aus: Geographische Beschreibung der Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz
Autor: Hempel, Gustav (?), Erscheinungsjahr: 1829
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Landesbeschreibung, Ortsbeschreibung, Städte
Mecklenburg hat durch seine Lage, zwischen der Ostsee und Elbe, zwar einen sehr günstigen Platz zum Handel, und es benutzt solchen auch wirklich zu einem bedeutenden Handel und Schifffahrt. Allein was seinem Verkehr vorzüglich fehlt, ist, dass keine innere Kanalverbindungen — wenigstens nicht solche, die als schiffbar gelten können — zwischen der Ostsee und Elbe Statt finden, und dass die Landstraßen im Ganzen sehr schlecht sind. Beide Mängel erschweren den Transport der Naturerzeugnisse um vieles. Übrigens ist es höchst wahrscheinlich, dass Mecklenburg bei seinem Handel mehr gewinnt als verliert, wenigstens bilanziert, indem man den Wert der jährlichen Ausfuhr auf 3 bis 3 1/2 Millionen Thaler schätzt, und durch diese Summen die bedeutende Einfuhr, von Fabrikaten und ausländischen Wallren gedeckt wird. Den meisten Handel treibt das Land mit Russland, Schweden und Norwegen, Dänemark, Großbritannien, mit den Niederlanden, den Städten Hamburg und Lübeck, mit Hannover und dem Preußischen Staate. Der Handel mit letzterem wird aber durch den hohen Zoll-Tarif daselbst sehr erschwert, und ist daher nicht so bedeutend, als man erwarten sollte.

Zur Belebung des inneren Handels dienen die vielen Jahrmärkte, die nicht bloß in den Städten und Flecken, sondern auch auf mehreren (29) Dörfern gehalten werden. Die wichtigsten Märkte sind: die Pfingstmärkte zu Rostock und Wismar, die Wollmärkte zu Güstrow und Boitzenburg, der Fastnachtsmarkt zu Güstrow, die Buttermärkte zu Grabow, mehrere bedeutende Viehmärkte z. B. zu Rostock, Güstrow, Boitzenburg.

Der vornehmste Handelsplatz des Landes ist Rostock *), und demnächst Wismar und Boitzenburg.
Auch Güstrow, Schwerin, Parchim, Grabow, Dömitz und Ribnitz treiben einigen Handel.

*) Folgende 10jährige Übersicht der in den Seehäfen von Warnemünde und Wismar angekommenen und ausgegangenen Schiffe, kann den Handelsverkehr von Rostock und Wismar einigermaßen darstellen.

Zu Warnemünde
1818 kamen an 653 Schiffe, gingen ab 650
1819 kamen an 513 Schiffe, gingen ab 532
1820 kamen an 558 Schiffe, gingen ab 601
1821 kamen an 553 Schiffe, gingen ab 558
1822 kamen an 536 Schiffe, gingen ab 476
1823 kamen an 525 Schiffe, gingen ab 534
1824 kamen an 486 Schiffe, gingen ab 517
1825 kamen an 499 Schiffe, gingen ab 514
1816 kamen an 577 Schiffe, gingen ab 556
1817 kamen an 558 Schiffe, gingen ab 545
In Summe kamen an: 5.463 Schiffe, gingen ab 5.483 Schiffe

Zu Wismar
1818 kamen an 249 Schiffe, gingen ab 239
1819 kamen an 197 Schiffe, gingen ab 207
1820 kamen an 204 Schiffe, gingen ab 205
1821 kamen an 176 Schiffe, gingen ab 172
1822 kamen an 171 Schiffe, gingen ab 161
1823 kamen an 181 Schiffe, gingen ab 181
1824 kamen an 154 Schiffe, gingen ab 164
1825 kamen an 178 Schiffe, gingen ab 180
1816 kamen an 255 Schiffe, gingen ab 255
1817 kamen an 250 Schiffe, gingen ab 253
In Summe kamen an: 2.015 Schiffe, gingen ab 2.017 Schiffe

Die wichtigsten Ausfuhrartikel Mecklenburgs sind:

1. Getreide, der bedeutendste Gegenstand der Ausfuhr, wovon größtenteils der Wohlstand des Landes abhängt. Auch Malz, Mehl, Graupen und Grütze, Raps und Hülsenfrüchte, besonders Erbsen, gehen ins Ausland. Das Getreide geht teils zur See nach England, Schweden usw., teils auf der Elbe nach Hamburg, teils ins Preußische. Von Rostock aus wurden von Johannis 1826 bis 1827 verschifft:
3.695 Last*) Weizen,
1.698 Last Roggen,
3.609 Last Gerste und Malz,
8.760 Last Hafer,
434 Last Erbsen.
Zusammen 15.196 Last.*)

Von Wismar aus wurden im Jahr 1826 verschifft: 7.940 Last Getreide. Im Jahr 1827 nur:
1.667 Last 44 Scheffel**) Weizen,
407 Last 48 Scheffel Roggen,
903 Last 9 Scheffel Gerste,
2.160 Last 12 Scheffel Hafer,
35 Last 67 Scheffel Erbsen,
417 Last 5 ½ Scheffel Raps,
1 Last 23 Scheffel Dottersamen,
18 Last 87 ½ Scheffel Leinsamen,
12 Scheffel Kleesamen,
1 Last Graupen.
Zusammen 5.612 Last 20 Scheffel.

Von Boitzenburg aus wurden im vorigen Jahre zu Schiffe ausgeführt:
Zusammen 2.280 Last.

*) [1 Last = 8 Drömt à 12 Scheffel à 4 Fass]
**) [Die Getreidemaße waren sehr verschieden. Nach der Verordnung von 1755 sollte der Mecklenburg-Schwerin’sche Scheffel 2.832 Kubik-Zoll enthalten.

2. Wolle, ebenfalls ein Hauptprodukt. Sie wird teils auf den Wollmärkten zu Güstrow, Boitzenburg und Neubrandenburg verkauft, teils nach Berlin, Hamburg und Lübeck gesandt.
[In den Jahren 1822 bis 1827 wurde auf den Wollmärkten Wolle im Wert von Güstrow 1.388.479 Rthlr. und Boitzenburg von 166.809 Rthlr. verkauft.

3. Butter, auch Käse, größtenteils nach Hamburg und Berlin, hauptsachlich über Grabow und Fürstenberg. In Grabow sind seit mehreren Jahren Buttermärkte gehalten, auf welchen im vergangenen Jahre 565.626 Pfund Butter für 80.280 Rthlr. verkauft wurden. — Wismar verschiffte 280.739 Pfund und Boitzenburg 1.650 Zentner Butter.

4. Gemästetes Vieh. (Rindvieh, Schafe, Schweine und Federvieh), ist ebenfalls ein wichtiger Ausfuhrartikel; es wird meistens nach Berlin und Hamburg gebracht.

5. Holz, wohl größtenteils nach Hamburg, auf der Elbe und den sich in diesem Strome mündenden Flüssen.

Minder wichtige Gegenstände der Ausfuhr sind: Pferde, Fische, besonders geräucherte Heringe (Bücklinge) auch Lachse, Aale u. s. w., Häute, Bettfedern und Federspulen, Obst, teils grün, teils gedörrt nach Russland und Schweden (von Rostock: 1782 — 11.257 Tonnen Obst; 1826 — 4.107 Tonnen Äpfel), Tabak, Lumpen, Knochen, Rostocker Essig, Glas, Honig, Wachs, Branntwein und Salz.

Eingeführt werden dagegen: Fast alle Manufaktur- und Fabrikwaren, Material- Kolonial- und Apothekerwaren, edle Südfrüchte, Wein, Heringe, Hanf, Steinkohlen (1826 in Rostock 34.118 Tonnen), englisch Salz (1826 in Rostock 13.174 Tonnen), Eisen und andere Metalle, Leder, Tran, gothländischer Kalk (1826 in Rostock 4.372 Tonnen) usw.
Viehmarkt

Viehmarkt

Bützow.

Bützow.

Dömitz.

Dömitz.

Güstrow im Jahre 1632.

Güstrow im Jahre 1632.

Güstrow - der Markt.

Güstrow - der Markt.

Parchim.

Parchim.

Rostock Hopfenmarkt.

Rostock Hopfenmarkt.

Rostock vom Carlshof um 1830.

Rostock vom Carlshof um 1830.

Schwerin - Amtsstraße 1839.

Schwerin - Amtsstraße 1839.

Warnemünde vom Bauhof.

Warnemünde vom Bauhof.

Wismar - Fürstenhof.

Wismar - Fürstenhof.

Wismar - Markt.

Wismar - Markt.