Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin - Beschaffenheit des Bodens und der Straßen. 1828

Aus: Geographische Beschreibung der Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz
Autor: Hempel, Gustav (?), Erscheinungsjahr: 1829
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Landesbeschreibung, Ortsbeschreibung, Städte
Das Großherzogtum gehört zu den Flachländern des nördlichen Deutschlands. Seine Oberfläche bietet eine weite Ebene dar, die jedoch häufig von sanften Anhöhen und oft ziemlich bedeutenden Hügelreihen unterbrochen wird, und wo ausgedehnte, ergiebige Getreidefluren mit vortrefflichen Wiesengründen, ansehnlichen Waldungen, unzähligen größeren und kleineren Landseen, auch mit Sandhalden, Brüchen und Torf-Mooren abwechseln.

Ein Landrücken läuft in nordwestlicher Richtung durch das Großherzogtum, und gibt demselben, indem er das Flussgebiet der Ostsee von dem der Elbe scheidet, eine doppelte Abdachung, sowohl nördlich nach der Ostsee, als südlich nach der Elbe. Von diesem Landrücken verbreiten sich viele Höhenketten über das Land, und füllen oft bedeutende Strecken mit zahllosen kleinen Hügeln und muldenförmigen Tälern aus, die dem Lande den Schein einer völligen Ebene gänzlich nehmen. Fast durchgehend ist dies der Fall im nordöstlichen Mecklenburg, auch die Umgebungen des Schweriner Sees, das Flussgebiet der Stepenitz, die Umgegenden von Kröpelin, Doberan, Goldberg bis gegen Güstrow, Penzlin u. s. w. bestehen aus solchem hügeligen Lande. Die ebensten Gegenden sind im südwestlichen Teile des Landes um Wittenburg, Boitzenburg, Hagenow, Dömitz, Grabow, Neustadt bis zum Schweriner See.

Zu den ersten Anhöhen des Landes gehören: der Ruhnenberg bei Marnitz und Ruhe an der Brandenburgischen Grenze, erhebt sich 598 Rheinl. Fuß *) über die Meeresfläche, die hohe Burg im Schlemminer Walde unfern Bützow, 513 Fuß, der Diedrichshäger Berg in der Gegend von Kröpelin nahe der 0stsee, 502 Fuß, die Anhöhe bei Pohnstorf nicht weit vom Teterower See, 361 Fuß, der Iserberg bei Grevismühlen, 331 Fuß über der Wasserfläche der Ostsee. Die niedrigsten Punkte des Großherzogtums befinden sich, nach der zweifachen Abdachung desselben, teils an der Ostsee, wo z. B. Doberan 41 Fuß, der Warnow-Fluss bei Rostock 13 Fuß die Stadt Tessin nur 9 Fuß über die Meeresfläche erhaben sind; teils an der Elbe, wo Grabow 64 Fuß, Boitzenburg 52 Fuß, der Spiegel der Elbe bei dieser Stadt nur 9 Fuß über die Meeresfläche sich erheben. Die Meeresküsten werden zum Teil von ansehnlichen Hügeln und Höhenketten begrenzt, meistens aber sind sie niedrig, sandig und mit einer großen Menge von Rollsteinen bedeckt, die ihren Bestandteilen nach aus Granit, Porphyr, Quarz, Feuerstein, Basalt u. s. w. bestehen. Diese Steine bilden an manchen Stellen eine Art von Dämmen, unter welchen der sogenannte heilige Damm 1/2 Meile**) von Doberan entfernt. Merkwürdig ist. Er bildet einen, 1/2 Meile langen, ziemlich breiten und hohen Wall, von losen, glatt geschliffenen Steinen, von verschiedener Form und Farbe.

*) [1 Rheinländischer Fuß = 1 Preußischer Fuß = 0,313 m]
**) [1 Mecklenburger Meile = 1 Preußische Meile = 24.000 Rheinländische Fuß = 26.337 Hamburger Fuß 4 Zoll = 7.532,485 Meter]

Der Boden ist zum Teil lehmig und schwer, ein fetter Kleiboden, zum Teil Mittel- und Sandboden. Der erstere ist durchaus sehr ergiebig, vorzüglich in dem sogenannten Klützer Ort, d. h. in dem Winkel zwischen der Ostsee, Wismar und dem Dassower Binnensee; desgleichen in den Umgebungen von Gadebusch, Rehna, Kröpelin, Doberan, Schwaan, Lage, Gnoien, Teterow, Malchin, Stavenhagen, Penzlin und Röbel. Am Elbufer findet man auch Marschboden; er erstreckt sich aber nicht weit landeinwärts. Überhaupt kann man den schweren fetten Kleiboden auf der ganzen Oberfläche anschlagen. Der Mittelboden ist sehr verschieden; teils von stärkerem, teils von geringerem Ertrage. Der Sandboden ist leicht und mager, zum Teil mit Heide bedeckt, und herrscht besonders längs der Brandenburgischen Grenze von Dömitz bis Röbel; in der Mitte des Landes um Crivitz, Sternberg und Krakow, um Ludwigslust, Hagenow und Wittenburg. Die der Elbe nahen Gegenden haben viele Moore und Moräste, und sind zum Teil häufigen Überschwemmungen, besonders von der Elbe, Elde und Sude, ausgesetzt.

Der Wiesenwachs in Mecklenburg ist äußerst bedeutend, vorzüglich gibt es an der Elde, Sude, Warnow und Nebel gute Wiesen. Die Niederungen und Wiesen an den Flussgebieten enthalten fast 20 Quadrat-Meilen. Eine der größten dieser Wiesenflächen ist die sogenannte Lewitz an der Elde und Stör, zwischen Neustadt und Crivitz; sie enthält aber auch Brüche und Gehölze, und wird von Kanälen durchschnitten.

An Waldungen hat das Land, im Ganzen genommen, noch immer Überfluss, obgleich in manchen Gegenden, besonders an der Elbe und Ostsee die Wälder schon sehr verhauen sind, so dass man dort schon Holz-Mangel empfindet. — Vorzüglich haben die Domainen große und schöne Waldungen. Von den 86 Quadrat-Meilen Flächeninhalt der Domainen, ohne die inkamerierten Güter, kommen beinahe 14 Q.-Meilen auf Laub- und Nadelholzungen. Zu den größten Waldungen des Landes gehören: die Karowsche-, Wooster- und Dobbertiner Heide, die Rostocker- und Ribnitzer Heide, die Hagenower Heide, der Devwinkel (bei Güstrow) die Darguner Forst u. s. w.

Die Landstraßen sind in Mecklenburg fast durchgehend schlecht, besonders in den Gegenden die einen lehmigen, niedrigen und morastigen Boden haben. Hier sind bei nasser Witterung, im Herbst und Frühling, die Wege oft völlig unfahrbar, und nicht ohne Gefahr zu passieren. Die Anlegung von Chausseestraßen ist daher schon verschiedentlich auf den Landtagen zur Sprache gekommen, allein wegen der großen Kostbarkeit eines solchen Unternehmens, ist dasselbe bis jetzt noch nicht in Erfüllung gegangen. Doch besteht seit kurzen ein Chausseebau von der Brandenburgischen bis zur Lauenburgischen Grenze, welcher die sehr besuchte Straße von Berlin nach Hamburg, so weit solche Mecklenburg berührt, bildet. Die Chaussee führt über Grabow, Ludwigslust, Redefin, Vellahe, Zahrenstorf, Boitzenburg und Horst. Das Chausseegeld wird auf 8 Chausseehäusern erhoben.
Loitz um 1615

Loitz um 1615

Penzlin, Blick von der Burg

Penzlin, Blick von der Burg

Der Heilige Damm.

Der Heilige Damm.

Steilküste.

Steilküste.

Pilze satt, reiche Ausbeute in Mecklenburgs Wäldern. (Okt. 2013)

Pilze satt, reiche Ausbeute in Mecklenburgs Wäldern. (Okt. 2013)