Chronik der Stadt Barth

Autor: Oom, Friedrich (1793-1849) deutscher Jurist, Bürgermeister und Lokalhistoriker der Stadt Barth in Vorpommern., Erscheinungsjahr: 1851
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Barth, Chronik, Historie, Schweden, Dänemark, Mittelalter
Frage die vorigen Geschlechter und nimm dir vor zu forschen ihre Väter. Denn wir sind von gestern her und wissen nichts.
          Hiob 8, 8 u. 9.

Der sel. Bürgermeister Oom hatte die Absicht, bei dem öffentlichen Erscheinen dieses Werkes sich ausführlicher über die Quellen, aus welchen er geschöpft, in einer Vorrede auszusprechen. Sein plötzlicher Tod, der ihm nicht gestattete, dies gegenwärtige Werk zu Ende zu führen, hat ihn auch hieran verhindert. Was ich nun über die Entstehung und die Quellen dieses Werkes, teils aus Gesprächen mit dem Verfasser, teils aus seinem handschriftlichen Nachlasse weiß, halte ich mich verpflichtet, hier mitzuteilen.

Der Verfasser fertigte im Jahr 1823 im Auftrage des Magistrates eine Chronik von Barth an. Später sichtete und ordnete er das Material und es entstand eine Geschichte der Stadt Barth, welche er unter dem Titel „Chronik der Stadt Barth v. Friedr. Oom" herauszugeben beabsichtigte. Diese Chronik besteht aus 4 Abteilungen; die Überschriften sind folgende:

1. Abt.: Kurze Geschichte der Stadt Barth.
2. u. 3. Abt.: Beschreibung der Stadt Barth, ihrer Einwohner und ihrer Verfassung.
4. Abt.: Genauer Abdruck einiger wichtigen, die Stadt Barch betreffenden Urkunden.

Die Handschrift rührt aus den Jahren 1824—30 her und ist auf meine Bitte von der Frau Witwe mir für die Bibliothek der hiesigen Kirche überlassen, in welcher sie als ein wertvolles Andenken an den Verfasser wird aufbewahrt werden. In der Einleitung zu dieser Handschrift sagt er über die von ihm benutzten Quellen Folgendes:

„Viele Nachrichten fand ich im hiesigen Ratsarchiv. Die meisten Bewidmungen der Fürsten und Herzoge können aus selbigem noch urkundlich dargetan werden, die wenigsten solcher Urkunden sind aber bisher gedruckt. Die bei weitem größere Anzahl, nämlich solche, die nur dem Geschichtsforscher, nicht aber für das Vermögen der Stadt wichtig sind, fand ich ungeordnet und vielleicht seit Jahrhunderten ungelesen in diesem und jenem Winkel der Vergessenheit preisgegeben. Unter diesen befanden sich auch die alten Stadtbücher. Das älteste Stadtverlaßbuch besteht aus 141 Quart-Blättern von Pergament. Auf der ersten Seite steht geschrieben:

Anno Domini M. CCC. Vigesimo quarto, iste liber resignationis, oplathinge dictus, a consulibus in bard est institutus rationabiliter et compositus.

In diesem Buche sind in lateinischer Sprache und mit Mönchsschrift diejenigen Veränderungen verzeichnet, welche mit den Besitzern der städtischen Grundstücke, als der Häuser, Buden, Äcker und Gärten, da nach lübschem Rechte jedem neuen Besitzer das Grundstück vor dem Rate verlaßen werden muss, vorgegangen sind. Dabei ist das Jahr und der Tag jederzeit, im Anfange auch bisweilen der Name der dermaligen Magistratspersonen angegeben. Hin und wieder sind auch Gegenstände, die keine Grundstücke betreffen, eingetragen; so steht z. E. p. 1.

Anno domini M. CCCXXIIII. In die pcessi et martiniani obiit dns. Johannes slavus sacerdos, cujus anniversarium a consulibus praesentibus et a consulibus in futuro in perpetuum peragi debet solempniter quolibet anno et decenter. -

d. i. im Jahre unsers Herrn 1324 am Tage Martiniani starb Herr Johann Slave, Priester, dessen Sterbetag von den gegenwärtigen und zukünftigen Rathspersonen bis auf ewige Zeiten alle Jahre unständig gefeiert werden muss.

Seite 36 kommt ein Vertrag über einen Mord vor. Die Klägerin, Frau Kune schwor einen körperlichen Eid vor dem Rat (pro orvegio), dass sie nebst ihren Kindern, Nachkommen und Freunden wider die Gebrüder Hermann und Johann, die sie angeklagt hatte, den Vicke Mante ermordet zu haben, künftig keine Klage erheben wollte, indem sie sich mit ihnen gütlich verglichen. (Anno 1335.)

Dieses erste Verlaßbuch geht bis zum Jahre 1444. Das zweite, in folio, gleichfalls auf Pergament geschrieben, fängt mit demselben Jahre an und endigt mit dem Jahre 1505. Das dritte und letzte Verlaßbuch auf Pergament fängt mit 1505 an und geht bis zum Jahre 1761 hinauf.

In den beiden letzteren Büchern wechselt die lateinische Sprache mit der plattdeutschen, beide werden zuletzt aber ganz von der hochdeutschen verdrängt. Wie wichtig diese ununterbrochene Nachricht über alle vor dem Rat geschehenen Verlaßungen, welche nebenbei auch ein Bild von dem äußeren Zustand der Stadt gibt, durch Bezeichnung der Grundstücke u. s. w., für die Kenntnis von Barth in vieler Rücksicht sei, darf wohl nicht erörtert werden.

Auch das älteste Stadtpfandbuch muss erwähnt werden. Es ist 1506 eingerichtet, ebenfalls von Pergament, in folio. Es reicht bis 1751.

Endlich ist noch ein Buch in Quart, von Papier, aus den Zeiten der Reformation von mir aufgefunden, worin die Bauersprache, die Verträge des Rats mit den Stadtbedienten, die rückständigen Strafgefälle (Brüche) und andere Gegenstände in plattdeutscher Sprache aufgezeichnet sind, welches ich häufig benutzen konnte.

Die St. Marienkirche besitzt eine Menge Urkunden aus katholischer Zeit, Schuldverschreibungen, Testamente der Priester und dergl. Ich habe sie mit vieler Mühe durchgelesen und für meinen Zweck manches darin gefunden. Auch habe ich ein altes Memorabilienbuch der Kirche aus den Zeiten der Reformation gebraucht. [Ich habe dies leider bis jetzt nicht wieder aufzufinden vermocht. D.]

Die Wichmannsche Chronik diente mir bei meiner früheren Arbeit hauptsächlich zum Anhalt. Der Verfasser war hier erst Schullehrer, ward nachher Stadtschreiber (1603) und 1630 Bürgermeister. († 1631, den 1sten Dezember.) Seine Chronik hat den Titel: Kurzer Ertract aus der Stadt Barth privilegien, und andern schriftlichen Urkunden, darin die Fundation, Erweiterung, Herrlichkeiten, Gerechtigkeiten und andere successive Zunehmung der Stadt Barth, und was sonsten Denkwürdiges dabei vorgelaufen, zu finden, mit großem Fleiß und Arbeit zusammen getragen durch Matthiam Wichmann.

Mit dem Jahre 1620 hört die Wichmannsche Handschrift auf, das Werk ist jedoch von verschiedenen fremden Händen noch einige Jahre weiter fortgeführt. Ich verglich es mit den Quellen, berichtigte und vervollständigte es aus selbigen, und führte es in der angefangenen Art bis 1800 fort.

Endlich habe ich auch Nachrichten über Barth aus Kanzows Pommerania und andern gedruckten vaterländischen Werken entlehnt und die Nachrichten des Präpositus Schramm (s. S. 207) benutzt."

Der Verfasser sprach in früheren Jahren öfter die Absicht aus, diese Handschrift noch einmal umzuarbeiten und auf seine Kosten drucken zu lassen. Als mit dem Mai 1848 der Herr Verleger dieses Werkes, der wiederum eine Druckerei an hiesigem Orte eingerichtet hatte, die Herausgabe eines Wochenblattes begann, kam der sel. Oom auf den Gedanken seine Chronik so umzuarbeiten, dass sie auch für ein größeres Publikum Interesse hätte, sie in einzelnen Abschnitten durch das Wochenblatt zu veröffentlichen und den Satz zur Herstellung eines selbstständigen Abdruckes benutzen zu lassen. Was er in der früheren Handschrift den einzelnen Abteilungen nach auseinandergehalten hatte, verarbeitete er nun in Eins und teilte nur einige wenige Urkunden mit. So ist das gegenwärtige Werk entstanden. Der Tod rief den Verfasser ab, als der Druck bis S. 307 gediehen war, die für den Druck von ihm vorbereitete Handschrift aber reichte bis zur S. 383. —

Einen Nekrolog des sel. Oom habe ich im Barther Wochenblatte vom 17. Novbr. 1849 mitgeteilt. Ich entlehne aus demselben hier nur Folgendes:

Friedrich Oom ward am 6. Juni 1793 zu Garz auf Rügen geboren. Die Universität zu Greifswald bezog er im Jahr 1810 und nachdem er die Prüfung als Tribunals-Advocat bestanden hatte, ward er 1815 als gelehrtes Ratsmitglied nach Barth berufen. 1835 trat er als Bürgermeister und Syndikus an die Spitze der städtischen Verwaltung allhier, legte jedoch bei dem veränderten Gerichtswesen im Anfange des Jahr 1849 seine städtischen Ämter nieder und ward als Einzelrichter und Königl. Kreis-Gerichts-Commissarius allhier Mitglied des Königl. Kreisgerichtes zu Stralsund. Ein schlagartiger Zufall führte unerwartet am 9. Novbr. 1849 sein Ende herbei. —
                Barth, den 5. Dezember 1850.
                                K. Dumrath.



                                Inhalt.

01. Von den wendischen Bewohnern dieser Gegend vor Gründung der Stadt Barth und den aus ihrer Zeit noch vorhandenen Denkmälern
02. Einwanderung der Deutschen
03. Grundung der Stadt durch die Deutschen
04. Die Stadt erwirbt die ersten Ländereien vom Landesherrn und macht sich von der dabei übernommenen Kornabgabe frei
05. Barth, eine freie Stadt
06. Fernere Erwerbung von Ländereien; das Stadtholz; Wiese auf dem Zingst
07. Der Borngraben; Alkun; Zarnkevitz
08. Die Rossmühle des Peter von Barth
09. Aussterben der rügianischen Fürsten. Eine Haushaltungrechnung des hiesigen fürstlichen Hofes
10. Barth kommt unter die Herzoge von Pommern. Deren dem Lande Rügen gemachten Versprechungen. Landstände
11. Versprechungen der Landesherren der Stadt Barth gegeben. Glövitz
12. König Christoph von Dänemark belehnt Herzog Wartislaff mit dem Fürstentume Rügen in Barth
13. Krieg mit Mecklenburg wegen des Fürstentums Rügen
14. Von Heyne Scharpenberg und Verpfändung des Landes und der Stadt Barth an selbigen
15. Zweiter und dritter Krieg mit Mecklenburg
16. Sühnbrief der pommerschen Herzöge für das Land Barth
17. Die Stadt vergrößert nach dem Frieden ihre Besitzungen; Torfmoor auf Zingst; Insel Kirr. Fehde zwischen Herzog Wartislaff und Wedeghe Buggenhagen; die Stadt Barth steht auf Seite des Herzogs
18. Ein Streit der Stadt mit Vicke Moltke auf Divitz wird durch Schiedsmänner geschlichtet
19. Brand und Pest. Das Land Rügen und die Stadt Barth fallen an Barnim VIII.; Verpfändung an Fläulein Catharina von Wenden; Krieg daraus
20. Wartislaff X. residiert in Barth. Bogislaff X. bestätigt der Stadt die Zollfreiheit
21. Brand der Stadt
22. Die Reformation; Beschreibung des barthschen katholischen Kirchenwesens; die hiesigen Kirchherren und Vicarien; Brüderschaften; Briefe des letzten katholischen Kirch-Herrn Nic. Brune an seinen hiesigen Vicar, aus den Jahren 1529 und 1530 .
23. Erste lutherische Predigt in Barth; Kirchen-Visitations-Abschied vom Jahre 1536; der Rat tritt alle Hebungen aus den Lehnen und Beneficien, deren Patron er war, der Kirche ab.
24. Von Herzog Philipp I.; Einkommensteuer und Vermögenssteuer
25. Feuersbrünste
26. Krieg zwischen Schweden und Dänemark; Herzog Erich von Braunschweig
27. Pest; Entfernung der Scheunen aus der Stadt
28. Nachrichten über die vommerschen Herzöge; Herzog Bogislaff XIII. residiert in Barth; dessen Familie
29. Bogislaff XIII. tritt die Städte und Ämter Barth und Franzburg an Philipp Julius ab
30. Nachrichten über den Zustand der Stadt zu dieser Zeit; Krankheit, Pest, Überschwemmungen, Misswachs, Teurung; Herzogin Agnes residiert hier
31. Kriegsdrangsale in Folge der Reformation
32. Die Stadt Barth im äußersten Verfall in Folge des Krieges
33. Zustand im Jahre 1665. Noch größerer Verfall im Jahre 1695
34. Aussterben der vommerschen Herzöge. Krieg 1678. Nordischer Krieg. Pommern dänisch
35. Barth im Jahr 1720—1722. Siebenjähriger Krieg.
36. Innere Unruhen von 1658—1727
37. Wachsender Wohlstand seit dem siebenjährigen Krieg
38. Kirchliche Angelegenheiten seit der Reformation
39. Hexen Prozesse
40. Kirchliche Angelegenheiten
41. Schulwesen
42. Armenwesen. St. Spiritus. St. Georg. Armenordnung Bogislaffs XIII.
43. Armenwesen (Forts.)
44. Verschiedenes
45. Zur Geschichte der Sitten
46. Die bürgerliche Nahrung Betreffendes
47. Buchdruckerei
48. Zur Geschichte der Verfassung
49. Pflichten und Rechte der Stadt .
50. Etwas über einige Straßen
51. Das adlige Kloster

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Barth um 1590

Barth um 1590

Barth, Marktplatz

Barth, Marktplatz

Barth, Dammtor

Barth, Dammtor

Barth, adliges Fräuleinstift

Barth, adliges Fräuleinstift

Barth, St. Marien-Kirche

Barth, St. Marien-Kirche