Charakterbilder deutschen Landes und Lebens

für Schule und Haus, bearbeitet und gruppiert von
Autor: Grube, August Wilhelm (1816-1884) deutscher Pädagoge und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1855
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Landesbeschreibung, Deutschland, Land und Leute, Sitten und Gebräuche, Volksfeste, Mecklenburg, Pommern, Vorpommern, Rügen, Vaterland, Heimat, Schule, Unterricht, Schüler, Thüringen, Preußen, Bayern, Schwaben, Österreich, Wien, Hamburg, Ostsee, Nordsee
Seinem verehrten Freunde
Herrn Professor Hiecke,
Direktor des Gymnasiums zu Greifswald, gewidmet
in dankbarer Liebe
vom Verfasser.


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Die Herausgabe dieses Bandes „deutscher Charakterbilder“ ist von so vielen und achtbaren Seiten her gewünscht worden, dass ich nicht länger damit zögern mochte, sondern frisch Hand ans Werk legte. Zwar enthält bereits die fünfte Auflage der „geographischen Charakterbilder“ einen nicht unbedeutenden Teil von Schilderungen deutschen Landes und Lebens, aber doch nur so viel, als sich mit der Anlage und Ökonomie des ursprünglich auf zwei nicht allzustarke Bände berechneten Werkes vertrug, und nicht so viel, als das Bedürfnis der Schule forderte. So bietet sich denn nun dieses Buch einerseits als Ergänzungsteil des Hauptwerkes, andrerseits aber auch als ein selbständiges Opus dar, das dem Unterricht in der Vaterlandskunde, ich möchte hinzufügen der patriotischen Seite des geographischen Unterrichts ausschließlich Rechnung tragen will. Möge es denn von den Freunden einer tüchtigen geographischen Lektüre, insbesondere aber von der Lehrerwelt ebenso willkommen geheißen werden, wie seine Vorgänger! An Mühe und Sorgfalt, das darf ich wohl sagen*), hab’ ich’s auch bei der Auswahl und Bearbeitung dieser vaterländischen Schilderungen nicht fehlen lassen, obwohl die Schwierigkeit in Herbeischaffung passenden Materials bei Weitem größer war, als bei den Geographischen Charakterbildern, für die sich eine viel reichere Literatur öffnete. Es musste dem Herausgeber nicht allein darum zu tun sein, Gediegenes zu bieten, sondern auch dieses in entsprechender Fülle und Allseitigkeit, wobei namentlich auf Parallelen (für ein vergleichendes, zur Beobachtung führendes Anschauen so wichtig!) Bedacht genommen werden konnte; ferner musste das Geographische überall ethnographisch wertvoll sein, und dabei wiederum jedes einzelne Bild ein abgerundetes Ganze bilden, der Art, dass die Anschauung des Lesenden und Lernenden sich darin vertiefen kann. Endlich durfte die Charakteristik der deutschen Volksstämme nirgends zum stolzen Überheben des einen über den andern führen, nicht in eine negative Kritik ausarten, sondern sie musste auf Liebe und Anerkennung beruhen, ohne der Wahrheit Abbruch zu tun.

*) Nicht des Wertes oder Erfolges, wohl aber des Fleißes darf sich der Autor rühmen, ja er muss es anonymen Rezensenten gegenüber, welche den Wert einer pädagogischen Idee und die Konsequenz ihrer Durchführung nicht anerkennen wollen oder nicht anzuerkennen fähig sind, und gewissen ebenso matten als neidischen Autoren gegenüber, die, weil sie mit ihren Büchern sitzen bleiben, nun ihrem Ärger in allerlei boshaften Seitenhieben Luft machen.

Wo es anging, habe ich den Wortlaut des Originals unangetastet gelassen, übrigens jedoch das pädagogische Interesse dem ästhetischen keineswegs untergeordnet, und an vielen Orten die Bearbeitung nicht gescheut. Dass ich in der Darstellung der verschiedenen Seiten des deutschen Volks- und der verschiedenen Richtungen des deutschen Kulturlebens die soziale Seite nicht vernachlässigt habe, bedarf jetzt wohl keiner Entschuldigung mehr. Auch der Unterricht sollte sie mehr berücksichtigen, als bisher geschehen ist. Die eindringliche Schilderung einer westfälischen Bauernschaft oder einer Stadt wie Königsberg ist jedenfalls mehr Wert, als das Auswendiglernen und Herbeten der preußischen Provinzen und Regierungsbezirke, Städte- und anderer Namen, die bloße Namen bleiben; und wenn der Schüler keine Anschauung einer Leipziger Messe bekommt, mag man ihm Leipzig lieber gar nicht nennen, denn dass Leipzig so und so viel Einwohner hat, am Zusammenfluss der Elster, Pleiße und Parde in einer großen Ebene liegt, ist an sich ganz gleichgültig, und dass die große Schlacht in der Leipziger Ebene geschlagen wurde, bekommt er im Geschichtsunterricht zu hören.

Die Anschauung vom Grund und Boden, auf welchem das Menschenleben erwächst, soll nicht zurückgeschoben werden — es ist dies vielmehr die Basis, von welcher ausgegangen wird, aber bloße Landschaftsbilder sind etwas sehr Abstraktes und Totes, wenn wir vergessen oder es nicht verstehen, sie um den Menschen als ihren lebendigen Mittelpunkt zu gruppieren und sie mit der Schilderung des Menschenlebens in lebendige Wechselwirkung zu setzen. Durch die Anschauung des Menschenlebens wird dem Schüler die Gegend und das Land zugleich verständlich und interessant. Der Mensch bleibt dem Menschen überall das Wichtigste und soll auch für den geographischen Unterricht den Ausgangspunkt bilden. Vor Allem gilt dies von der Kunde des Vaterlandes, und nur dann, wenn der ausgesprochenen Forderung Genüge geschieht, wird der Unterricht in der vaterländischen Geographie auch den ethischen Zweck nicht verfehlen, mit der Kenntnis Deutschlands auch die Liebe zum großen, schönen Vaterlande ins Herz zu pflanzen, und das begeisternde Gefühl kräftig erblühen zu lassen, dass Österreicher und Preußen, Bayern und Schwaben, Sachsen und Thüringer Glieder Eines Leibes und Kinder Eines Blutes sind, verschiedene Zimmer bewohnend des Einen herrlichen Hauses.
Hard am Bodensee, am 17. August 1854.
A. W. Grube.


            Vorwort zur zweiten Auflage.

Da in der kurzen Zeit von vier Wochen die erste Auflage fast vergriffen wurde, blieb dem Verfasser keine Muße, Veränderungen vorzunehmen, und es erscheint die zweite Auflage als unveränderter Abdruck.
Hard, am 17. November 1854.
A. W. Grube.


            Inhaltsverzeichnis

Einleitung. Deutschland das Land der Mitte
            Erster Abschnitt.
1. Königsberg. Charakter Königsbergs
      Lage Königsbergs
      Ein Morgengang am Bohlenwerk
      Land- und Strandleben
      Pregelschlittenfahrt
2. Küsten- und Seeleben in Mecklenburg
            Zweiter Abschnitt.
1. Die Insel Wangerooge
2. Oldenburger Land und Leute
3. Insel Rügen
            Dritter Abschnitt.
1. Die Lüneburger Heide
2. Westfälische und 3. pommersche Bauernschaft
      a) Streifzüge durch Westphalen —
      b) Das soziale Leben der westfälischen Bauernschaft
      c) Streifzüge durch Pommern
            Vierter Abschnitt.
1. Der Harz
      Eine Grubenfahrt zu Clausthal
2. Das Riesengebirge
      Das Knieholz im Riesengebirge
      Die „Bauden“ im Riesengebirge
      Der Wiesenbau
      Spinner und Weber
            Fünfter Abschnitt.
1. Die Elbe
2. Hamburg. Der Hafen
      Mäkler
      Die Börse
      Der Reeder
      Charakteristisches der Lage
      Charakteristisches der Bewohner
      Das Waisengrün
      Hamburgs Kinderjahre
3. Leipzig
            Sechster Abschnitt.
1. Thüringen
      Volksfeste
2. Kurhessen
3. Schwaben
            Siebenter Abschnitt.
1. Der Rhein
      Bilder aus dem Rheintal
      Bacharach
      Vom Niederrhein
      Der Bodensee
      Waldfahrt am Bodensee
2. Das Moseltal
3. Köln
      1. Der kölner Dom —
      2. Das kölner Henneschen
      3. Der kölner Karneval
            Achter Abschnitt.
1. Die bayrische Hochebene
2. Augsburg
3. Nürnberg
4. München
      Der Münchner und sein Bier
      Die Kunst in München
      Der neue Königsbau
      Volksfeste
      Die Walhalla bei Regensburg
5. Parallele zwischen der Gegend von München und Berlin
            Neunter Abschnitt.
1. Aus dem bayrischen Hochlande
      Eine Fahrt auf dem Königssee
      Das Passionsspiel im Ammergau. 1840
2. Aus dem Salzkammergut, Steiermark, Tirol
      Die ramsauer Hochebene im steierischen Hochlande
      Die Katzenburg
      Die Waldhornalp
      Alpwirtschaft am Schwarzensee
      Der Holzknecht
      Der steiersche Tanz
      Eine Fahrt in den Dürrenberg bei Hallein
      Die Zillerthaler in Tirol
      Frohnleichnam in Meran
3. Der Mensch in den deutschen Alpen
            Zehnter Abschnitt.
1. Die Donau
      Weltstellung der Donau
      Die Donauvölker
2. Wien
      Von der Spitze des St. Stephansturmes
      Der Prater
      Charakterzüge des Wieners

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Schwerin, Schloss 4

Schwerin, Schloss 4

Schloss Wiligrad im Jahre 1905

Schloss Wiligrad im Jahre 1905

Aachen, Stadtansicht

Aachen, Stadtansicht

Altenburg, Bartholomäikirche

Altenburg, Bartholomäikirche

Baden-Baden, Stadtansicht

Baden-Baden, Stadtansicht

Hauptbahnhof in Altona

Hauptbahnhof in Altona

Bielefeld, Rathaus und Theater

Bielefeld, Rathaus und Theater

Bremen, Alt-Bremer Haus

Bremen, Alt-Bremer Haus

Bremen, Börse

Bremen, Börse

Brunshaupten (Kühlungsborn), Kurhaus

Brunshaupten (Kühlungsborn), Kurhaus

Celle, Marktplatz

Celle, Marktplatz

Clausthal-Zellerfeld, Windmülenstraße

Clausthal-Zellerfeld, Windmülenstraße

Darmstadt, Ludwigs-Platz und Bismarckdenkmal

Darmstadt, Ludwigs-Platz und Bismarckdenkmal

Eisenach, Die Wartburg

Eisenach, Die Wartburg

Elsass, Starßbourg, Bauernhaus in der Orangerie

Elsass, Starßbourg, Bauernhaus in der Orangerie

Gutenbergdenkmal in Straßbourg

Gutenbergdenkmal in Straßbourg

Erfurt, Rathausbrücke

Erfurt, Rathausbrücke

Heidelberg, Alte Brücke und Schloss

Heidelberg, Alte Brücke und Schloss

Königswinter, Drachenfels Ruine

Königswinter, Drachenfels Ruine

Bielefeld, Rathaus und Theater

Bielefeld, Rathaus und Theater

Nürnberg, Albrecht Dürer Haus

Nürnberg, Albrecht Dürer Haus

Münster

Münster

Bad Frankenhausen, Kyffhäuserdenkmal

Bad Frankenhausen, Kyffhäuserdenkmal

München - Der Metzgersprung - Albrecht Adam um 1825

München - Der Metzgersprung - Albrecht Adam um 1825

Hamburg 1842

Hamburg 1842

Hamburg, St. Nicolai

Hamburg, St. Nicolai