Bemerkungen eines Briten über die Lebensweise der höhern Stände im nördlichen Deutschland

Autor: Apperley, Charles James englischer sportsman und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1838
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Apperley, Mecklenburg, Reisen, Doberan, von Biel, Graf Hahn, von Veltheim, von Bassewitz, Pogge, Zierow, Weitendorf, Basedow, Gutsherren, Landwirtschaft
Servos fideles liberalitas facit.*) Palu. Sent.

*) Freigebigkeit erwirbt sich dienstbare Geister.
Vor etwa zwölf Jahren [1828], erzählte der britische Nimrod Apperly im „New Monthly Magazine“, brachte ich zwei Monate in Deutschland zu. Ich war dahin berufen worden durch den Baron Biel, der mich gebeten, beim Wettrennen zu Doberan auf zwei seiner Pferde zu reiten, um wo möglich die beiden Königspreise zu gewinnen, welche die schöne und liebenswürdige Alexandrine, damalige Erbgroßherzogin, jetzt Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, Tochter des Königs von Preußen, ausgesetzt. Die Wettrennen dauerten 14 Tage und ich hatte das Glück während denselben eines zwiefachen Sieges mich zu erfreuen. Ich bereiste sodann das Land und wurde der Reihe nach von sieben reichen Eigentümern mit der größten Gastfreundschaft aufgenommen.

Es würde zu weitläufig sein, wollte ich über das eben so zuvorkommende als freundschaftliche Benehmen derselben mich näher aussprechen; ich sage nur so viel, dass das eigentliche Schlossleben, wie unsre Vorfahren es verstanden, in Deutschland sich noch in seiner ganzen ursprünglichen Einfachheit erhalten hat. Da ist noch nicht, wie jetzt bei uns, das raffinierteste Übermaß aller Komforts von London vorherrschend. Es gibt da sehr wenig dramatische Abend-Unterhaltungen oder Bälle, fast keine französischen Haarkräusler und italienischen Sänger, keine literarische Anmaßung, keine auf große Effekte berechnete Unterhaltung rings um einen mit Aquarellen bedeckten Tisch, keine verleumderische Zeitung unter der Gestalt einer achtungswerten Witwe, keine schmachtende Miss, keine hängenden Blaustrümpfe, keine neuen Romane, dagegen die vollkommenste persönliche Freiheit.

Man nimmt Besitz von dem Schlosse seines Wirts, wie wenn man es Tags zuvor in einer der Lotterien des Bankier Keinganum gewonnen hätte. Die Bedienten gehorchen uns wie ihrem Herrn; seine Stallungen stehen uns jederzeit zu Gebote, und wäre in diesen keuschen Gegenden das erste aller gutsherrlichen Rechte noch bekannt, so würde es auch an hübschen Vasallinnen nicht fehlen, die den Fremden mit allen Süßigkeiten der Feudalität zu überschütten hätten. Hinzufügen muss man noch, dass man auf solche Weise mit Bedienten und Pferden beherbergt wird. Es ist bei den deutschen Adeligen noch nicht gebräuchlich, dass ihre Stallungen für die Equipagen ihrer Gäste nie groß genug sind und es würde ihnen höchst unschicklich scheinen, diese zu behalten und jene in ein Wirtshaus zu schicken. Lieber würden sie ihren Schlössern einen Neubau anhängen (wie ich das mit eigenen Augen gesehen habe), als dass sie eine Beschränkung annehmen möchten, die mit Recht eben so demütigend für sie, als für ihre Eingeladenen sein müsste. Ist das ein Vorurteil, so hat es wenigstens etwas großartiges.

Der Baron Biel, dem ich den oben erwähnten Dienst zu erweisen Gelegenheit hatte, wohnt in Zierow, bei Wismar. Er ist der erste aller deutschen Sportsmen (Jäger). Ihm verdankt sein Vaterland die Einführung der reinblütigen, englischen Pferde, mithin auch der Wettrenner. Mit einer unserer Landsmänninen verheiratet, redet er unsere Sprache mit der größten Vollkommenheit und kennt alle Geheimnisse der Durchkreuzung der Rassen.

(Es folgt nun eine lange Abhandlung über die Verdienste und über die Erziehung der Pferde, wie über die Mittel, durch welche der Freiherr von Biel die Einführung der englischen Rasse in Mecklenburg erzielte, die wir, da sie nicht für alle Leser gleich interessant sein dürfte, überschlagen. Der Verfasser fährt sodann fort.)

Es stieß mir bei dem Baron ein ziemlich sonderbares Abenteuer zu. Sein Schloss liegt etwa zwei Meilen (40 Minuten) von der Ostsee, und die Stelle, wo man die Pferde zuzureiten pflegt, befindet sich am Ufer, wo dieses nicht mehr sandig ist. Die Wellen kommen jedoch diesem Orte oft so nahe, dass sie kaum einen Steinwurf davon entfernt sind.

Ich begab mich nun eines Morgens dahin, um einen der beiden Wettrenner, die ich zu Doberan reiten sollte, an mich zu gewöhnen und mich zu überzeugen, ob er, einmal im Sprunge, weich- oder hartmäulig sei. Ich saß auf, ohne ihn vorher entkleiden zu lassen und galoppierte fort, der dritte am Seil. Auf dem unmittelbar vor mir laufenden Pferde ritt Webb, der Bereiter und Jokei des Barons. Wir hatten noch nicht eine halbe Meile zurückgelegt, als sein Pferd im gestreckten Galopp blindlings der See zurannte. Glücklicherweise stand das Wasser niedrig und es konnte eine Strecke von mehr als 200 Klaftern durchrennen, ohne dass der Boden unter ihm fehlte, bis auf einmal dieser Fall eintrat und ich es verschwinden sah. Webb fiel unter das Pferd, und da er nicht wieder auftauchte, eilte ich ihm zu Hilfe. Glücklicherweise war mein Beistand überflüssig; denn bald sah ich ihn zu Fuß dem Ufer zueilen, ohne dass das Bad ihm geschadet zu haben schien.

Diese an und für sich so lustige Szene sollte damit indes noch nicht ihr Ende erreichen. Anglo-Arabian (so hieß das Füllen, das eine so große Vorliebe für das Salzwasser bezeugte) schwamm aus allen Kräften der offenen See zu mit seinem Reiter, der indes den Rock von sich geworfen, um die Wette. Vergebens aber bemühte er sich, jenem den Weg abzuschneiden; es wollte ihm nicht gelingen.

Wie schon gesagt, war das Pferd mit seiner langen Stallkleidung bedeckt und es ließ sich voraus berechnen, dass wenn diese letzte ganz vom Wasser durchdrungen und es dadurch ermüdet sein würde, es nicht mehr schwimmen konnte, sondern zu Grunde gehen müsste. Nach einer halben Stunde, während es sich nach allen Richtungen gewendet, näherte es sich wieder dem Ufer und gewann festen Fuß auf einer etwa 20 Schritt vom Strande entfernten Klippe, von wo man es nach dem Stalle brachte, ohne eine andere, als eine sehr leichte Verletzung über dem Huf. Unmittelbar nach diesem Ereignis wurde Anglo-Arabian umgetauft und von nun an „Neptun“ genannt.

Der Bereiter des Barons, derselbe Webb, hinterbrachte mir, dass sein Gewerbe in Deutschland nicht so einfach sei als in England. Ihm zu Folge stellte das Klima zahllose Schwierigkeiten auf, von denen er früher keinen Begriff gehabt. Während 2 Monaten ist der Frost in diesem Lande viel stärker als bei uns. Es wird später Frühling und dieser ist kälter. Deshalb, was man auch tun mag, werden die Pferde im Winter zu fett und man ist genötigt, sie sehr zu ermüden, um sie zum Wettrennen tauglich zu machen.

Dann auch ist das Heu lange nicht so gut, als das in England, was meistens daher rührt, dass es in sumpfigen Wiesen wächst, die nicht genug Abzugs-Gräben haben; auch wird es unmittelbar, nachdem man es getrocknet, eingefahren; statt dass man Haufen daraus bilden und diese einige Tage im Freien stehen lassen sollte. Die unvermeidliche Folge davon ist, dass es nicht hinlänglich gähren kann und weder die nährenden Eigenschaften, noch den eigentümlichen Geschmack des englischen Heues gewinnt. Auch gibt man den Pferden viel zu viel Korn, und um den doppelten Missbestand wieder auszugleichen, vermischt man dasselbe mit befeuchteter Kleie, die weder den Mangel des guten Heues ersetzt, noch die zu nahrhaften Eigenschaften des Korns vermindert.

Baron Biel, und sein verstorbener Bruder auf Wietendorf [Weitendorf], zwei englische Meilen von Zierow, hatten sich durch die herrliche Einrichtung ihrer Stallungen bemüht, diesem Übelstand vorzubeugen. Die von Wietendorf [Weitendorf] sind wirklich prachtvoll. Eine fast historische Erinnerung rechtfertigt diese Bezeichnung. Der Herzog von Cambridge hat darin zu Mittag gespeist und ist sechs Stunden hintereinander in denselben geblieben, ohne dass, um sie einer solchen Ehre würdig zu machen, man genötigt gewesen, ein einziges Pferd aus seinem gewöhnlichen Behälter zu tun.

Dieser Umstand erinnert mich an eine andere Anekdote, deren Held ebenfalls der Herzog war. Er hatte sich nach dem Wettrennen zu Neu-Brandenburg begeben, ohne das mindeste Gefolge, und auf einem sehr schönen englischen Racehorse reitend. Ein reicher Landwirt aus der Umgegend, Namens Pogge, der zugleich Pferde-Handel trieb und eine große Vorliebe für schöne Gäule hatte, bemerkte den Unbekannten. Sogleich näherte er sich ihm, und sagte ohne die geringste Zeremonie zu Seiner königlichen Hoheit:

„Sie haben da ein recht hübsches Tier.“
— Ja, entgegnete der Prinz, der gerade bei jener guten Laune war, wodurch fast alle Mitglieder seiner erlauchten Familie sich auszeichnen. Ich habe bisher nur ein Pferd gesehen, dem ich vor diesem noch den Vorzug geben würde.
„Und wem gehört dies andere Pferd?“ fragte Pogge, ohne sich zu genieren.
— Meinem Bruder, war die Antwort.
„Aber wer ist denn Ihr Bruder?“
Der König von England.

Da nun Georg IV., in seiner Eigenschaft als Pferde-Erzieher, bei Pogge in so hoher Achtung stand, dass er ihn über alle Monarchen der Erde, sogar über die 12 Käsaren und noch andere setzte, kann man sich die Verblüffung denken, in welche eine so unerwartete Antwort den ehrlichen Landwirt versetzte. Der Herzog lachte herzlich über dies Zusammentreffen und wollte von ihm keinerlei Entschuldigung annehmen.

Der erste auf der Liste der deutschen Sportsmen nach dem Baron Biel ist unstreitig Graf Hahn auf Basedow. Seine Liebhaberei für Pferde und Jagd findet hinlängliche Unterstützung in einem Einkommen von 18.000 Pfund Sterling (216.000 fl.) das in dem Lande, worin er wohnt, so viel Wert ist als 50.000 Pfund (600.000 fl.) bei uns. Darum hat er auch auf den englischen Pferdemärkten herrliche Tiere erwerben und eins der schönsten Gestüte in Deutschland bilden können.

Ich werde mich immer mit Vergnügen an meinem Einzug in Basedow erinnern. Der Graf, zwei seiner Freunde und ich, wir hatten einen ganzen Tag beim Grafen Voß, seinem Schwager, zugebracht. Ausgezeichnet durch sein höfliches Benehmen hält dieser letzte keine Wettrenner; aber außerdem ist er einer der besten Jäger, und vorzüglich einer der besten Reiter, die ich in Deutschland gesehen habe. Sein äußerst malerisch am Ufer eines großen Seeg gelegenes Schloss ist auf eine solche Weise eingerichtet, dass alles darin echt britisch zu sein scheint. Ich erinnere mich, dass, als wir einmal fast den ganzen Abend Whist gespielt, der Graf gegen zehn Uhr, zwischen zwei Partien, sich entfernte und am See in sein Horn stieß. Ein am entgegengesetzten Ufer befindlicher Jäger antwortete aus weiter Ferne. Der Mond schimmerte auf dem ruhigen Spiegel der Gewässer und die Wirkung der solchergestalt zu unserm Ohr gelangenden Musik war für uns alle äußerst ergreifend.

Wir verließen das Schloss am andern Morgen um 6 Uhr und schifften uns in eine große Barke ein, die von 4 Ruderern in Bewegung gesetzt wurde. Wir hatten 10 (2 deutsche) Meilen auf dem See zurückzulegen. Die Gegend war entzückend. Ich sollte einem mir noch gänzlich unbekannten Sport (einer Jagd) beiwohnen. Mein Wirt überhäufte mich mit den schmeichelhaftesten Höflichkeits-Bezeugungen und ich überließ mich ganz dem Zauber der Eindrücke, welche diese kleine Reise mir gewährte.

Nach einer einstündigen Schifffahrt gelangten wir nach einem kleinen zwei Stunden von Basedow gelegenen Dorfe. Hier ward uns ein für Jäger sehr erfreulicher Empfang zu Teil. Zehn Förster, alle in der Jagd-Uniform des Grafen und mit Jagdhörnern auf den Hüften, begrüßten uns, sobald sie uns gewahr wurden, mit lustigem Hörnerschall. Der eigentümliche Reiz der Gegend erhöhete noch das Vergnügen dieser Bewillkommung. Die Hornisten hatten sich am Ufer aufgestellt. Neben ihnen lag das Dorf, aus dem alle Einwohner herbeigeeilt waren, und im Hintergrunde zeigte sich ein unermesslicher Wald, der Schauplatz unsrer bevorstehenden Taten, in dessen Tiefe die letzten Klänge der kriegerischen Musik verhallen sollten. Gesattelte und gezäumte Pferde erwarteten uns am Ufer. Eine Viertelstunde nach unsrer Landung frühstückten wir zu Basedow.

Man kann sich dies große, glänzende Schloss leichter denken, als ich es zu beschreiben vermag. In der Ferne sollte man meinen, es sei ein bedeutendes Dorf. Denn wirklich gruppieren sich um das Schloss, das sehr ausgedehnt ist, eine Menge Nebengebäude, die teils von der Dienerschaft und andern Personen bewohnt werden, teils als Stallungen, Remisen, Scheuern, etc. dienen. Ganz in der Nähe steht eine alte Kirche von sehr zierlicher Bauart. Die Außenseite des Schlosses bescheinigt sein Alter. Mehre hundert (?) Kanonenkugeln, die aus dem dreißigjährigen Kriege herrühren, stecken noch in seinen dicken Mauern. Im Innern sind die Gemächer den Bedürfnissen und dem Glanz der Gegenwart entsprechend eingerichtet und Basedow verdient den Ruf, den es hat, die größte und schönste Winter-Residenz im ganzen Lande zu sein. —

(Die Abhandlung über die sehr zahlreiche Koppel von Jagd-Hunden jeder Art, dürfte nicht für alle Leser ein wesentliches Interesse haben, weshalb wir sie überschlagen. Nach Aufzählung der guten Eigenschaften einzelner Hunde aus derselben, fährt der Verfasser fort.)

Am ersten Tage, wo wir uns dieser Koppel bedienten, ließ man über einen Teil des Waldes, von der Ausdehnung einer halben (englischen) Meile, Leinwand spannen. Fünf und vierzig Jäger, wovon 36 in grüner Uniform, eröffneten die Jagd unter Leitung des gräflichen Oberförsters, der auf einem hübschen Kosakenpferd ritt und seine Befehle mit der Würde eines Generals erteilte. Nächstdem nahmen noch mehr als 100 Bauern Anteil an dieser Jagd. Übrigens bot sich kein anderes außerordentliches Ereignis, als dass ein Wildschwein gezwungen wurde, sich uns entgegen zu werfen, dem ich, auf Einladung des Grafen, mit meinem Messer den Hals abzuschneiden die Ehre (!) hatte.

Wir zogen sodann mit der Fuchskoppel aus. Allein, obgleich die Jagd sich sehr glücklich anließ und wir im Gestrüpp häufiges Geknitter vernahmen, das die besten Aspekten verhieß, mussten mir doch, der übermäßigen Hitze des Tages wegen, die Hoffnung aufgeben, die Füchse zu erreichen, wenn sie das Weite gewinnen sollten. Zur Entschädigung sah ich an demselben Tage einen der schönsten Flintenschüsse, die sich mir je geboten. Ein Reh wollte sich eben ins Dickicht stürzen, als einer der Jäger es gewissermaßen im Fluge traf, während es über der Hecke schwebte, in die es tot niedersank. Um die Seltenheit des Umstandes noch zu vermehren, muss ich hinzufügen, daß die Flinte des Jägers nur mit gewöhnlichem Blei geladen war.

Während der Jagdzeit sind die Behausungen des Grafen Hahn zu klein für die Menge Jagdliebhaber, welche sich bei ihm einfinden. Während meinem Aufenthalt ließ er deshalb in der Nähe noch ein halb Duzend kleine Häuser erbauen, die den unverheirateten unter seinen Gästen als Wohnung dienen sollten. Jedes dieser Häuser hatte seine besondere Stallung für Jagd- und Zugpferde.

Damals waren noch fast alle Bedienten, denen er die Besorgung seiner Ställe überlassen, Engländer. Ich fand unter denselben einen Groom, den ich früher bei Lord Exeter, in Newmarket, gekannt. Der arme Bursch war zu dick geworden, um länger Jokei zu bleiben, deshalb hatte man ihn zur Aufsicht der Wagenpferde bestellt. Er schien indes mit seinem Zustande sehr zufrieden und drückte sich in seiner Muttersprache nur noch sehr unvollkommen aus. Im allgemeinen wünschen sich die englischen Bedienten über ihren Aufenthalt in Deutschland Glück.

Der einzige unzufriedene, den ich gesehen habe, war der Stallmeister des Grafen von Bassewitz. Er hatte noch kein Wort deutsch gelernt und dabei nichts als deutsche Stallknechte unter sich. Dass sich daraus eine Menge Missverständnisse ergaben, begreift man leicht. Er erzählte mir, daß, als er mit der Post in der dem Schlosse zunächst gelegenen Stadt angekommen, er den Gastwirt, bei dem er abgestiegen war, und der ihm ein Pferd angeboten, um die Strecke, welche er noch zu machen halte, leichter zurückzulegen, gefragt: wie weit es denn noch nach dem Schlosse sei? Darauf erhielt er die Antwort:

„Zwei Meilen.“
— O, wenn es nicht weiter ist, rief er, so mache ich sie lieber zu Fuß, um mich von der Ermüdung des langen Fahrens zu erholen.

Nach diesen Worten machte er sich auf den Weg, ohne zu wissen, dass die mecklenburgische Meile wenigstens fünfmal länger ist, als die englische. Man kann sich denken, wie viele Flüche er ausstieß, bevor er das Ende seiner Wallfahrt erreichte.

Die Deutschen sind fast durchgängig ziemlich mittelmäßige Reiter. Sie machen zu häufigen Gebrauch von der Kinnkette und den Sporen, quälen ihre Pferde zu viel und bringen es bald dahin, dass sie alle natürliche Haltung verlieren. Dadurch, dass sie dieselben fast unaufhörlich zu Courbetten und unnötigen Sprüngen veranlassen, vergessen sie, dass dergleichen Dinge nur für den Reitstall und für Paradetage aufgespart werden müssen und dass man ein Pferd verdirbt, wenn man es zu unnatürlichen Muskel-Bewegungen zwingt. Die ältesten Sachkenner sind in ihren Schriften mit der gegenwärtigen britischen Praxis übereinstimmend.

Zu Neustadt besuchte ich das Gestüt des Königs von Preußen. Ich wurde dort sehr zuvorkommend aufgenommen von Herrn von Strubberg, dem die Oberaufsicht dieser Anstalt anvertraut ist. Die außerordentliche Leichtigkeit, mit der er englisch spricht, vergönnte mir, ihn über alle möglichen Einzelheiten zu befragen. Der Hauptgegenstand seines Bestrebens betraf die Veredelung der Kutschpferde und der für den Kriegsdienst bestimmten. Die Hengste waren teils von reinem, englischem Blut, teils zur Hälfte mit arabischem gemischt. Diese letzte Rasse ist am entsprechendsten zur Durchkreuzung mit der einheimischen.
(Nach einer langen Erörterung über verschiedene Pferde, kommt der britische Kenner auf die Kleidung der Angestellten zu sprechen.)

Man muss gestehen, dass der Anzug dieser Beamten einigermaßen lächerlich ist, sagt er. Auffallend ist es jedenfalls, dass die Knechte von jedem Stalle (ein Mann für 6 Pferde) unter dem Befehl eines Stallmeisters stehen, der mit einem blauen mit goldnen Tressen besetzten Rocke, einem dreieckigen Tressenhut, büffelledernen Hosen und großen Reiterstiefeln umherstolziert, mit einem langen Degen zur Seite, der in die Waden schlägt.

Auf die deutschen Jäger übergehend, sagt der Verfasser:

Einer der Züge, wodurch der deutsche Sportsman am meisten sich unterscheidet, ist, dass sich in ihm zwei Personen vereinigen, der Jäger und der Gutsherr. Als wir eines Tages durch die prachtvollen Waldungen ritten, welche das Schloss des Grafen von Plessen, zu Ivenack, umgeben, bewunderte ich die Größe seines Jagdreviers, das unter andern Annehmlichkeiten auch die eines Teiches von vier (englischen) Meilen Umfang hat. Wir waren kurz vorher an großen Umzäunungen vorüber gekommen, worin sich mehre hundert lustige Füllen herumtaumelten. Auf allen Wegen bemerkte ich von Kopf zu Fuß bekleidete Pferde, die sich, namentlich die Stuten, in sehr gutem Zustande befinden. Auf den ersten Blick hätte man glauben mögen, die ganze Domäne sei ausschließend für Pferdezucht bestimmt.

„Wie viel Pferde hat der Graf in seinen Stallungen?“ fragte ich den mich begleitenden Bedienten.
— Er hat jetzt nicht viel über hundert, war die Antwort; aber beim Tode seines Vaters befanden sich im Gestüt 20 Hengste und 130 Stuten, so daß wir, mit Einschluss der Füllen, über 400 Köpfe zählten.
„Und wie viel Kühe habt Ihr?“ fragte ich weiter.
— O, nur sehr wenig, der Pferde, aber vorzüglich der Schafe wegen, wovon wir eine ziemliche Menge haben. Jetzt werden kaum mehr als 1.300 Kühe in den Ställen sein, dagegen haben wir über 15.000 Schafe.

Man sieht, dass Deutschland, obgleich es in dieser Beziehung etwas ausgeartet ist, dennoch einige Überreste jenes Überflusses an Tieren hat, um dessentwillen Tacitus es ein zweites Epirus nannte.

Bei einigen meiner edeln Wirte wurde der Ackerbau mit auffallender Hintansetzung behandelt. Ich kehrte eines Tages mit einem der jüngeren Grafen von Bassewitz zu Pferde nach ihrem schönen Schlosse zurück.

„Haben Sie viel Land verpachtet?“ fragte ich ihn.

"Ja, ziemlich viel", entgegnete er.

„Und wie viel Kühe halten Sie?“

"Etwa 350".

Ich wünschte zu wissen, ob eine beträchtliche Herde, die uns zur Seite weidete, zu jener Zahl gehöre. Seine Antwort fiel bejahend aus. Als ich aber bald dieselbe Frage beim Anblick einer andern aus mehr als hundert Köpfen bestehenden Herde wiederholte, antwortete er, nachdem er sie einige Zeit betrachtet, dass er es nicht sagen könne. Darauf gegen seinen Bedienten sich wendend, fragte er diesen:

"Gehört das mir?"

"Ja, Graf", sagte der Reitknecht mit demselben Gleichmut, wie wenn von einem Füllen die Rede gewesen wäre.
Beim Besuch der Stallungen bemerkte ich da schöne, sorgsam gekleidete Pferde, die ganz bei Seite gestellt waren.

„Sie gehören meinem Hausmeister,“ sagte der Graf, als er gewahrte, dass ich die schönen Rosse aufmerksam betrachtete. Gewiss, dachte ich, würde der nicht lange unschlüssig gewesen sein, ob die Kühe sein Eigentum seien, oder nicht. Ein anderes mal, als ich etwa 300 Morgen Getreide vom Regen fast ganz vernichtet sah, glaubte ich dem unteilnehmenden Eigentümer einiges Beileid bezeugen zu müssen.

„Was tut's mir,“ entgegnete er; „das Getreide hat beinah keinen Wert, mir ist mehr am Stroh gelegen.“

Wahrscheinlich wäre die Antwort anders ausgefallen, wenn unsere britischen Gesetze über die Getreide-Einfuhr schon eine Abänderung erlitten hätten, wie es die Popularitäts-Bewerber um jeden Preis jetzt verlangen. Wollten sie sich einen richtigen Begriff machen von der furchtbaren Mitbewerbung, welche die unkluge Abschaffung dieser Gesetze dem englischen Ackerbau zuziehen würde, so brauchten sie ihre Aufmerksamkeit nur den Umständen zuzuwenden, welche der Baron Biel, dessen ich bereits gedacht, mir auseinander setzte.

Der eben genannte gehört freilich nicht zu den größten Landwirten. Dem ungeachtet zählte ich in seinen Ställen 26 Acker-Pferde, 44 Ochsen zum Pflügen, 80 Milchkühe und 40 Mastochsen. Nächst, dem hatte er noch 4.000 Merinos. Man wird also wohl zugestehen, dass er in Betreff des Ackerbaus auch ein Wort mitsprechen konnte. Als ich ihm nun eines Tages mein Erstaunen bezeugte, dass ich auf der Strecke von Hamburg bis zu seinem Schlosse kaum zwanzig Getreidefelder gesehen, erklärte er mir, dass der Preis eines Winchester-Scheffels Korn gegenwärtig nur auf 1 Schilling 8 Pence (1 fl.), höchstens 2 Schillinge (1 fl. 12 kr.) stehe, weshalb der Ackerbauer, statt etwas darauf zu gewinnen, im Gegenteil reinen Verlust erleide.

Der Baron hatte einen großen Teil seines Getreides zum Branntwein-Brennen verwendet und da ihm demungeachtet noch zu viel übrig blieb, ließ er sein Vieh damit füttern. Der Hafer kostete nur 8 Schillinge (4 fl. 48 kr.) der englische Quarter und die Gerste beinah eben so viel, und das in einer Entfernung von höchstens 56 (11) Meilen von Hamburg und nicht einmal so weit von Lübeck.

Es ist keinem Zweifel unterworfen, dass der üble Zustand der Landstraßen in diesem Teile Deutschlands einen großen Einfluss auf die niedrigen Getreidepreise ausübt. Ich selbst war im Stande, mich zu überzeugen, wie sehr der mangelnde Wasser-Transport den Wert der Landes-Erzeugnisse hinabdrückt. Der Graf Hahn zum Beispiel, der neben andern Besitzungen dieser Art in einem einzigen Stück eine Million Quadrat-Ruten Eichen- und Tannem-Wald hat, bewies mir, dass diese schöne Waldung ihm fast nichts einbringe, weil man das Holz nicht zu Wasser ausführen könne.

Der deutsche Ackerbau war zu der Zeit, von der ich spreche, eben nicht von der Art, um Veranlassung zu interessanten Beobachtungen zu geben. Er war dem Düngungs-Verfahren getreu, wodurch der Boden in gutem Zustande erhalten wird; allein in allem übrigen stand er weit hinter dem unsrigen zurück. Hat er sich seitdem verbessert? — Es ist sehr wahrscheinlich, und gewiss wären seine Fortschritte noch schneller gewesen, hätte man schon früher unsere Korngesetze abgeschafft.

Ich habe nur bei einer einzigen Gelegenheit Individuen von der Klasse der Ackerbauern gesehen, die Ähnlichkeit mit unsern Gentlemen Farmers oder Yeomen hatten. Es war beim Pferderennen zu Neu-Brandenburg, wo sie sich mit einer ganzen Wagenburg eingefunden. Jede Kariole war mit 4 Pferden bespannt, und hinter sehr vielen, liefen ein oder zwei Füllen, was einen merkwürdigen Anblick gewährte, dessen patriarchalischer Anstrich ganz nach meinem Geschmack war.

Nach diesem Wettrennen durchreiste ich einen Teil Preußens und besuchte die schönste aller aristokratischen Residenzen. Ich will nämlich von dem Schlosse Harbke, in der Nähe von Braunschweig, sprechen. Es gehört dem Grafen von Veltheim, einem der eifrigsten Sportsmen und der fanatischsten Verehrer der Pferde-Schönheit, den ich je gesehen. Das Schloss an und für sich ist ein altes Gebäude, was durch die Jahreszahl 1480 bewiesen wird, die unter dem Familienwappen über dem Haupteingang eingehauen ist. Sehr viele Zugehörungen, unter anderen ein Dorf, dessen tausend Einwohner durchgehend Lehensleute des Grafen sind, geben diesem Rittersitz ein wahrhaft großartiges Ansehen. Die dazu gehörigen Ländereien sind mit musterhaftem Fleiß bebaut und werden hie und da von Fruchtbaum-Alleen und hübschen Gebüschen durchschnitten. In den letzten bemerkte ich mehre ausländische Baumarten, unter anderem einen großen Tulpenbaum, der mit wenigstens 500 Blüten bedeckt war. Die Sumpfeiche (Quercus palustris), die Roteiche (Quercus rubra) und die amerikanische Eiche kamen sehr gut fort. Auch an ungarischen Eichen und Ahornbäumen, die kaum 40 Jahre alt, bereits von bedeutendem Umfang waren, fehlte es nicht.

Alles gefiel mir in dieser Behausung: ihr Alter, ihre sorgsame Erhaltung, das harmonische Ganze, worin tausend gefällige Einzelheiten sich verschmolzen, und das durch die breiten mit klarem Wasser angefüllten Graben, welche die alten Mauern bespülten und worin 20 Schwäne mit blendendem Gefieder umherschwammen, noch erhöht wurde.
Das gutsherrliche Leben, das bei uns durch tausend kleinliche Verfeinerungen verdrängt worden, zeigte sich mir noch unverletzt in diesem Winkel der preußischen Staaten. Die reiche Tracht und das zufriedene Ansehen der Diener, die Größe der Brauerei und ihrer Bütten; das alles war ein sicheres Anzeichen der Ruhe und des Wohlstandes, deren man sich hier erfreute. Eine andere Erinnerung alter Gebräuche beurkundete sich auch noch im Glockengeläut, wo. durch um 6 Uhr Morgens die Arbeiter geweckt und ihnen um 6 Uhr Abends das Zeichen zur Ruhe gegeben wurde. Um alles zu sagen, muss ich noch hinzufügen, dass ein ganz ausgezeichneter Wein von Château-la-Rose, der durch 16jähriges Liegen in Flaschen noch mehr veredelt worden, eben so beredt als alles übrige zum Vorteil der alten Rechte und der patrizischen Keller sprach.

Der Graf von Veltheim ist ein leidenschaftlicher Landwirt. Ich fragte ihn: wie er von den Franzosen, nach der Eroberung des Landes, behandelt worden?

„Sie haben mir 65 meiner schönsten Pferde gestohlen,“ entgegnete er und 5 Jahre lang haben meine Lehensleute und ich 10.000 Soldaten, nebst den Offizieren, im Quartier gehabt.“

Ich erinnere mich, dass er mir ein anderes Mal sagte, er habe während dieser Zeit beständig 17 französische Offiziere bei Tische gehabt, und ich glaube, dass wenn auch nicht 5 Jahre hintereinander, doch wenig daran fehlen wird. Dies Andenken war ihm nicht geradezu angenehm, obschon die deutsche Gutmütigkeit seiner Beschwerde alle Bitterkeit nahm, und ihn sogar vermochte, der angenehmen Heiterkeit seiner kriegerischen Gäste volle Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen.

Obschon der Graf sein Jagdvergnügen durch mehre Stürze mit dem Pferde, wovon einer sein Leben in Gefahr gebracht, hatte bezahlen müssen, war er dennoch einer der unerschrockensten Reiter, welche ich in Deutschland gesehen. Übrigens findet man nicht einen einzigen Fasan in seinen Wäldern, wovon einige einen Raum von mehr als 5.000 Morgen einnehmen. Als Beweggrund dieses Ausschusses gibt er an, dass dies Wild für einen wirklichen Jäger viel zu zahm sei. Hirsche, Rehe, wilde Schweine, überhaupt alles, was vor ihm flieht, oder gar, was sich ihm widersetzt, wird von ihm der Verfolgung allein würdig gehalten. Er sagte mir, dass er jährlich einen oder zwei Monate in den entlegensten Provinzen des Königreichs zubringe, wo einer seiner Freunde einen Wald von 30.000 Morgen Ausdehnung besitze. Kurz vor meinem Besuche hatte der Bruder des Grafen, auf diesem mit Wild so reichlich ausgestatteten Boden, auf eine Weise sich ausgezeichnet, die in ihm einen Jäger erster Klasse beurkundet. Er hatte mit seiner Doppelflinte, ohne abzusetzen, rasch hinter einander zwei Hirsche niedergestreckt.

Ein geistreicher Schriftsteller hat in den „Bubbles from the Brunnens of Nassau,“ auf eine ehrenvolle Weise eine andere Berühmtheit des deutschen Turf namhaft gemacht, den (verstorbenen) Herzog von Nassau, dessen Residenz man mir auf meiner Rückreise andeutete. Man weiß, dass sich in den Staaten dieser Hoheit das berühmte Seltzer. (Selterser) Wasser befindet. Zu der Zeit, von der ich spreche, ermüdete der außerordentliche Eifer des Fürsten seine Begleiter sehr. Er nötigte sie nämlich, vom Anfang des Sommers alltäglich schon vor 2 Uhr Morgens auf die Jagd zu gehen.*)

Doberan, wo die Wettrennen stattfinden sollten, deretwegen ich nach Deutschland gekommen war, ist eine der am häufigsten besuchten Bade-Anstalten in diesem Lande, wo man deren übrigens auf jedem Schritte findet. Mit Ausnahme der Liebe kenne ich keine Krankheit, zu deren Heilung es dort nicht besondere Bäder gibt. Für die Hässlichkeit selbst findet man ja Abhilfe und die Frauen haben, ich weiß nicht mehr welches Schwefelwasser, als äußerst wirksames Schönheitsmittel anerkannt. **)

*) Diese Angabe scheint um so irriger, da, wie man weiß, die Hägezeit den ganzen Sommer hindurch dauert, und vor dem 15. September die Jagd nirgends eröffnet werden darf.

**)Wahrscheinlich soll von dem Stahlwasser in Schlangenbad die Rede sein.


Bisher hatte ich noch nicht die Ehre gehabt, in einer beinah ausschließend aus Prinzen, oder sogar aus regierenden Fürsten zusammengesetzten Gesellschaft, mich zu befinden; nun aber sah ich auf einmal drei Könige (?) in einem der Säle, wohin ich mich gewöhnlich zum Tee begab. Ich wurde in aller Form dem Großherzog von Mecklenburg vorgestellt, der mit dem britischen Regenten-Hause verwandt ist. Um mir seine Achtung für meine Landleute zu bezeugen, machte Seine Hoheit mich auf ihre Rockknöpfe aufmerksam. Es waren die Knöpfe unseres königlichen Jachtklubs. Der Herzog von Lukka, ein Nachkomme jenes stolzen Porsenna, welcher der römischen Republik Gesetze vorschrieb, und ein Sohn des Königs von Etrurien, den Bonaparte seines Thrones beraubte, hielt sich ebenfalls in Doberan. Ich hatte die Ehre, ihn zum Wettrennen zu fahren in dem englischen Drag (leichten Wagen) des Baron Biel, dem Seine Hoheit sogleich einen sehr hohen Preis für die vier Pferde anbot, womit er gefahren. Die ganze Equipage, das Geschirr mit inbegriffen ward unmittelbar nach den Staaten des Fürsten geschickt, und zwei Jahre nachher sah ich in einem an des alte „Sporting Magazine“ gerichteten Schreiben, dass dies Gespann, durch vier englische Pferde vermehrt, noch einen Ehrenplatz in den herzoglichen Stallungen einnahm.

Unter den Personen vom höchsten Stand, mit denen ich damals zusammentraf, darf ich auch diejenigen nicht vergessen, mit denen ich auf dem Fuße der Vertraulichkeit stand, nämlich Seine Hoheit den Herzog von Holstein-Augustenburg und dessen Bruder den Prinzen Friedrich, zwei so eifrige Sportsmen, als man irgend finden kann. Ich verbrachte einen großen Teil des Tages in ihrer Gesellschaft. Beide drangen sehr in mich, Holstein zu besuchen, und anderthalb Jahre nachher erhielt ich von ihnen ein sehr freundschaftliches Schreiben, im reinsten englisch abgefasst. Der Zweck dieser schmeichelhaften Korrespondenz war, mir zu melden, dass es Ihren Hoheiten gelungen, jährlich vier Pferderennen in ihrem Lande zu bewerkstelligen. Auch teilten sie mir Nachrichten über den Zustand ihrer Gestüte mit. Der Brief des Herzogs enthielt zwei Aufträge, die, zusammengestellt in eine Wortfügung, sich ziemlich sonderbar gestalteten. Er ersuchte mich nämlich, ihm unverzüglich ein Paar junge Windhunde und ein Paar Milchfrauen von Cheshire zu übersenden. In welche Verlegenheit auch der letzte dieser Aufträge mich verflechten konnte, tat ich doch mein möglichstes, um dem Verlangen eines Prinzen zu entsprechen, bei dem ich, wie ich dessen gewiss bin, im Notfall ein Unterkommen für mein ganzes übriges Leben gefunden hätte.

Prinz Friedrich war ein sehr guter Reiter und gehörte zu den Jokei-Liebhabern in Holstein. Er erhielt Reitunterricht von dem Grafen vom Lichtfield und jagte mit diesem in der Grafschaft Atherstow. Seine Hoheit liebte besonders die Fuchsjagd.

„Könnte ich, wie ich wollte,“ sagten Sie eines Tages zu mir, „so würde ich jeden Winter in England zubringe, bloß um mir recht oft den Genuss dieses Vergnügens zu verschaffen.“

Ich muss jetzt Abschied nehmen von den deutschen Sportsmen. Wäre ich geübt in ihrer Sprache und hätte mein Vaterland nicht einen unwiderstehlichen Reiz für mich, so würde ich gern unter denselben leben. Ich würde dann mein möglichstes tun, um ihnen Geschmack für die Hirschjagd zu geben, denn gewiss ist das Land für diesen Zweig des Sport am meisten geeignet. Der Graf von Plessen hat zwar seit fünfzig Jahren eine ausschließend zur Fuchsjagd bestimmte Koppel Hunde, aber die Waldungen in diesem Lande sind so ausgedehnt, dass zehnmal auf zwanzig dergleichen Jagden gänzlich fehlschlagen.

Ich muss auch noch von der überträglichen Achtung der Deutschen für die Störche reden. Es ist das eins der Anzeichen jenes demutsvollen (?) Charakters der nordischen Völker, wovon verschiedene Schriftsteller schon einzelne Züge mitgeteilt haben. Man hält es für ein wenigstens zu tadelndes Begehen, einen Storch zu verletzen. Als während meinem Aufenthalt zu Zierow ein Vogel dieser Art sein Nest auf dem Giebel einer Scheuer machte, betrachtete man das als ein Glück verheißendes Zeichen.

Der Baron Biel sagte mir, dass diese Vögel gewöhnlich immer um dieselbe Zeit, nämlich um die Mitte des Oktober, seine Güter verlassen. Ein solcher, den man tot in der Nähe von Rostock fand, ist in dem Museum dieser Stadt aufbewahrt. Man zeigt ihn den Ungläubigen, um sie von den langen Reisen dieser Wander-Gattung zu überzeugen. In seinem Flügel bemerkt man nämlich einen abgebrochenen Pfeil eines Südafrikaners, der vielleicht nach langen Leiden den Tod des Vogels veranlasst hat.

Die doppelte Personifizierung Ovids von Germanien, stellte sich unaufhörlich meinem Geiste dar, als ich dies Land von einem Ende zum andern (?) durchreiste. Er zeigte es bald kniend, bald in demutsvoller Haltung zu den Füßen eines wilden Siegers sitzend, oder nach und nach einiges Wohlergehen, einige Tatkraft, unter der glücklichen Beherrschung Roms wieder gewinnend. Im gegenwärtigen Augenblick ist das zweite Bild das richtigste.*) Allein ein Fremder, der 1828 die von mir besuchten Gegenden bereiste, hätte wohl voraussetzen dürfen, dass der vernichtende Engel alle Erstgeborenen dieses unglücklichen Landes hinweggerafft, oder, was der Wahrheit gemäß war, dass die Verheerungen des langen Krieges die Bevölkerung dezimiert.

*) Ein unverschämter Schluss.

Oft reiste ich stundenlang, ohne ein menschliches Gesicht zu gewahren, ohne am Wege eine arme Hütte zu bemerken, und eines Tages legte ich sogar 70 (14) Meilen zurück, ohne dass irgend eine adelige Residenz meinen Blicken sich bot. *)

*) Hinc illae lacrymae.

Mit Stolz dachte ich da an unsre glückliche Insel, an ihre mit lachenden Landhäusern übersatten Gefilde und an die schwimmenden Mauern, die ihre reichen Provinzen gegen jeden fremden Einbruch schirmen ...
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Bad Doberan - Großherzogliches Palais von der Gartenseite

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Ostseebad Heiligendamm - Bade- und Logierhaus

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