Beitrag zur Geschichte der Loge zu den drei Löwen in Wismar

Aus: Kalender für die Provinzial-Loge von Mecklenburg und die zu ihrem Sprengel gehörigen Logen. Fünfzehnter Jahrgang
Autor: Lisch, Georg Christian Friedrich (1801 Strelitz - 1883 Schwerin) Prähistoriker, mecklenburgischer Altertumsforscher, Archivar, Konservator, Bibliothekar, Redakteur, Heraldiker und Publizist (Freimaurer), Erscheinungsjahr: 1841
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Wismar, Rostock, Freimaurer, Logen, Armenpflege, Lotterie,
Die alte Loge zu Wismar vom J. 1767 ist in vieler Beziehung so merkwürdig, dass eine detaillierte Geschichte derselben einst von Interesse sein würde; zur Gewinnung ausreichenden Materials mag denn einstweilen jeder Beitrag willkommen sein.

Im Mecklenburgischen Logen-Kalender vom Jahr 1825. S. 37 flgd. in die Geschichte dieser Loge behandelt. und S. 40 ist der Anerkennung und Öffentlichkeit derselben erwähnt. Hierzu kann ich in folgenden Zeilen aus den Akten des ehemaligen schwedischen Gouvernements noch einen kleinen Beitrag geben.

Die Loge zur Eintracht in Stralsund hatte am 23.März 1770 Regierungs-Konzession zur „Einrichtung einer Lotterie" erhalten, „um dadurch die zu der vorhabenden Anlegung eines Findel- und Waisenhauses erforderlichen Kosten erlangen zu können;" es ward auch der Plan genehmigt und die monatliche Ziehung der Lotterie bewilligt. Die Stralsunder Loge verwirklichte auch ihren Plan, denn am 1. Oktober 1770 veröffentlichte sie durch den Druck den Plan zu einer zweiten Lotterie welche 4 Klassen mit 1.600 Gewinnen auf 2.738 Thaler und 8.000 Freilosen enthielt mit folgender Einleitung:

„Auf erhaltene hohe Konzession und mit Genehmigung Sr. Hochgr. Exzellenz und der Königl. Hochpr. Regierung wird zum Fond eines allhier in Stralsund von der Freimaurer-Gesellschaft zur Eintracht zu errichtenden Findlings- und Weisenhauses folgende zweite Lotterie colligiret und gezogen."

In der „Nachricht" steht, dass „die allgemeine Menschenliebe der einzige Beweggrund sei welcher zu der Errichtung gegenwärtiger Lotterie Anlass gegeben.“ Die Ziehung der Lotterie geschah im Freimaurer Hause in der Mönch-Straße.“

Die Loge zu Wismar ahmte diese Einrichtung nach ohne jedoch einen andern besonderen Zweck als den „ad pias causas“ anzugeben. Sie kam am 13. Oktober 1770 und am 30. Jan. 1771 bei dem Tribunals-Präsidenten und Kommandeur Carl Otto von Höpken um Konzession einer Lotterie auf drei Jahre ein. Sie führte dabei an:

„Die hiesige Loge, die vor ungefähr vier Jahren von einigen wenigen Freimaurern errichtet worden, hat sich von dem ersten Tage ihrer Einrichtung an beeifert, ihrer Pflicht in allewege nachzukommen, sie hat alle Kräfte angewendet, dem publico nutzbar zu werden. Sie hat armen Kindern nicht nur das erforderliche Schulgeld gereicht, sondern sie hat sie auch gekleidet. Sie hat sich aller Armen angenommen, ihre Mildtätigkeit hat sich nicht bloß über Brüder erstreckt: Nein, alle Bedürfende, vorzüglich Witwen und Weisen haben bei ihr Zuflucht und Hilfe gefunden. Sie gibt verschiedenen Unterhaltungs-Gelder, worunter eines jährlich 20 Rthlr. beträgt. Die Loge hat keinen Fond, also fallen alle diese Mildtätigkeiten bloß dem Säckel der wenigen Brüder zur Last, dem Säckel der nämlichen Brüder, die zuerst den Entschluss fassten, hier der Tugend einen Altar zu gründen, die bloß aus ihren eigenen Mitteln die Loge errichtet, Haus und Geräte angeschafft und alles bis jetzt erhalten haben. Die Zahl der Glieder ist klein, da die Loge es sich zum ewigen Gesetz gemacht hat, nicht auf die Zahl der Glieder sondern auf ihre Eigenschaften zu sehen. Es sind also nicht viele aufgenommen und selbst hat man verschiedenen Brüdern (sie haben hier oder anderwärts das Licht erblickt) den ferneren Eintritt versaget, so bald solche den geringsten Fehltritt begangen. Häusliche Umstände haben viele würdige Brüder von hier weggerufen, die Loge hat Stützen und brauchbare Glieder in solche verloren. Ew. Exzellenz werden gnädig bemerken, dass die hiesige Loge durch alles dieses zusammengenommen, in Bedruck geraten und wir den Untergang derselben fürchten müssen. Die Mitglieder derselben bei allen diesen Verwicklungen bei dem besten Willen und größten Eifer bereits den Mut haben müssen sinken lassen, ja der moralische Tempel-Bau würde schon verlassen sein, wenn wir nicht das Glück hätten, dass Ew. Exzellenz als Gouverneur der Herrschaft Wismar sich nicht nur um die Aufnahme der Stadt, sondern ja der Einwohner derselben angelegen sein lassen. Ew. Exzellenz können den Untergang der Loge abwenden, dass die Vorsehung Höchstderoselben Verdiensten einen so erhabenen Posten gab, dass dieselben nicht nur die Tugend schützen, sondern auch aufhelfen und unterstützen können. Ihro Majestät unser Allergnädigster König und Herr haben selbst alle diejenigen Mittel die die Logen im Stande setzen, der Armut beizuspringen, so großmütigst als gnädigst unterstützt. Die Loge, die das Glück hat einen Beschützer bereits in Ew. Exzellenz zu haben, wird alsdann einen Erhalter und die Notleidenden einen Vater in Höchstdenenselben verehren."

Unterzeichner sind die Vorstellungen von: H. G. H. de Both, Meister vom Stuhl C. F. v. Köhler erster Vorsteher Dahlmann zweiter Vorsteher J. F. Nölting Sekretär. - Der Gouverneur fragte am 31. Januar 1771 bei der Königlichen Regierung zu Stockholm. unter Empfehlung der Loge, an, und erhielt unterm 11. Febr. 1771 ein Reskript, nach welchem es ihm freistehen solle, nach seiner Einrichtung zu handeln. Ob die projektierte Lotterie, die offenbar die ökonomischen Verhältnisse der Loge verbessern sollte, zur Ausführung gekommen ist, darüber fehlt es an weiteren Akten.

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Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe und Kunsthistoriker, Direktor der Großherzoglich-Schwerinschen Kunstsammlungen

Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe und Kunsthistoriker, Direktor der Großherzoglich-Schwerinschen Kunstsammlungen

6. Christus als Freimaurer mit entblößtem linken Knie

6. Christus als Freimaurer mit entblößtem linken Knie

8. Friedrich der Große „Loge haltend“

8. Friedrich der Große „Loge haltend“

10. Johannis-Meister-Loge 3°

10. Johannis-Meister-Loge 3°

11. König Salomos Krone

11. König Salomos Krone

15. Logensitzung aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts

15. Logensitzung aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts

17. Napoleons Logenschurz von 1814

17. Napoleons Logenschurz von 1814

24. Aufnahmeurkunde aus dem Jahre 1812

24. Aufnahmeurkunde aus dem Jahre 1812

25. Logen-Diplom-Formular des Grand Orient de France

25. Logen-Diplom-Formular des Grand Orient de France

26. Symbolischer Kupferstich aus dem Jahre 1787

26. Symbolischer Kupferstich aus dem Jahre 1787