Baumängel an Rostocks Wohnungen 1807 - Schwamm

Aus: Bemerkungen aus dem Gebiete der Heilkunde und Anthropologie in Rostock. Bd 1. Medizinische und anthropologische Bemerkungen über Rostock und seine Bewohner
Autor: Nolde, Adolf Friedrich Dr. (1764-1813) Professor der Medizin, Erscheinungsjahr: 1807
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Rostock und seine Bewohner, Medizin, Universität, praktischer Arzt, Krankengeschichten, Medizingeschichte, Stadtbeschreibung, Baustoffe, Bauweisen, Bauhandwerk, Baumaterial, Baukunst, Baukosten, Baumeister, Bauregeln, Architekten
Sehr häufig wird bei uns noch über den Schwamm geklagt, der so manches Haus verdirbt, und ungesund macht. Beides darf ich hier wohl nicht erst beweisen: da jeder, der ein solches Haus bewohnt, aus Erfahrung wissen wird, was er jährlich auf Reparaturen zu verwenden hat, und welche bösen Ausdünstungen der um sich fressende Schwamm verbreitet. Wichtiger ist es, den Ursachen dieses Übels nachzuforschen und diese zu verhüten. Man hört aber gewöhnlich verschiedene Gründe davon aufführen, die mir alle nicht unwahrscheinlich sind, und die entweder einzeln oder gemeinschaftlich ein unserer Gesundheit, wie unserem Geldbeutel, nachteiliges Übel erzeugen. Das meiste Holz, was hier verbaut wird, erhalten wir aus den an der Ostsee gelegenen Holzungen, die der Stadt gehören. Da von hier aus dem Erbauer eines Hauses das Holz für einen billigem Preis geliefert wird, als er es sonst würde haben können: so benutzt auch ein jeder diese Gelegenheit. Nun sagt man aber, dass die Tannen, welche in einigen Teilen dieses ausgebreiteten Holzes gefällt werden, die Eigenschaft haben sollen, den Schwamm zu erzeugen. Ob dies überhaupt wahr ist, und ob etwa der Boden, oder auch die besondere Art des Nadelholzes so etwas bewirken kann, darüber wage ich nicht zu entscheiden; allein es verdient ohne Zweifel eine nähere Untersuchung, zu welcher die Kunstverständigen und die Aufseher der Forsten die beste Gelegenheit hätten. Mir ist es indessen wahrscheinlicher, dass, teils der frühe Verbrauch des kaum gefällten Holzes, und die Fehler des übrigen Materials, sowie das schnelle Einziehen in die lange noch nicht ausgetrockneten Häuser, die Veranlassungen eines so allgemeinen Übels sind. Wie schwer es aber ist, den Schwamm, wenn er sich einmal irgendwo gezeigt hat, völlig auszurotten und zu vertilgen, darf ich hier nur in Erinnerung bringen, um auf die Entstehung einer so großen Beschwerde desto aufmerksamer zu machen. Und hierbei ist überdem der Staat selbst wieder gar sehr interessiert; da bei den überhaupt häufigen Bauten die Klagen über das Lichterwerden der zur Stadt gehörenden Waldungen wohl nicht unbegründet sind. Endlich mag die niedrige und eingeschlossene Lage mancher Häuser, die Beschaffenheit der größtenteils nicht gewölbten Keller, die Auswahl der Erde, auf welcher der Fußboden ruht, und die Art, wie sie unter demselben verbreitet ist, vielleicht mehr oder weniger für sich oder in Verbindung mit andern zusammentreffenden Umständen, zur Erzeugung oder Unterhaltung des Schwammes beitragen.
Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

Rostock - Kröpeliner Tor

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Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

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Rostock, Neuer Markt mit Ladenzeile 1967

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Hansestadt Rostock, Giebelhäuser und Marienkirche

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Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

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