Aus früherer Zeit. Band 1 - Kindheit. 13. Die Franzosen kommen.

Schwedisch-pommersche Zustände auf der Insel Rügen
Autor: Ruge, Arnold (1802 in Bergen auf Rügen-1880 in Brighton) Schriftsteller. 1848/1849 Angehöriger der Frankfurter Nationalversammlung, Vertreter der demokratischen Linken, Erscheinungsjahr: 1862

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Insel Rügen, Tromper Wiek, Heimat, Ostsee, Heimatinsel, Strand, Meer, Fischer, Bauern, Landleben, Franzosenzeit, Sitten und Bräuche, Jugenderinnerungen, Schwedenzeit
Die Ankunft und der Abzug der Franzosen, der Abzug und die Ankunft der Schweden waren epochemachende Ereignisse. Auf die erste Ankunft der Franzosen besinn' ich mich nicht. Ich weiß nur, dass sie immer da waren, und von Zeit zu Zeit Unheil anrichteten; dass ich aber auch manchmal sehr gute Freunde unter ihnen hatte, die mir die wunderbarsten Spielsachen verfertigten und die ich mit großem Bedauern wieder fortziehen sah. Auf ihre zweite Ankunft besinn' ich mich dagegen ganz genau. Sie muss mit dem russischen Feldzuge zusammenhängen. Es war im Winter, etwa 1811, als ich bei meinem Vetter, Ludwig Hoffstädt war, der bei Bergen eine Mühle besaß. Er war ein junger Mann von Bildung und befreundet mit dem Leutnant Moykow, der die Artillerie der Schweden in der Stadt kommandierte. Die Batterie wurde nach der Alten Fähre, Stralsund gegenüber geschickt, als es hieß, die Franzosen würden in Stralsund einziehen. Mein Vetter war überzeugt, sein Freund Moykow würde glänzende Taten tun, und die Insel mit Erfolg verteidigen. Die Gelegenheit dazu kam, wie er und sein Freund erwartet hatten; die Franzosen rückten auf das Eis von Stralsund nach Rügen vor, und Moykow wollte nun das Eis mit Bomben einbrechen, die unter die Feinde geworfen werden sollten. Vielleicht waren die Unvorsichtigen in großer Gefahr; aber der General, der ihnen die Festung übergeben hatte, befahl Moykow, nicht zu schießen, sondern sich wieder auf Bergen zurückzuziehen. Vetter Ludwig und der junge Held waren außer sich vor Scham und Verzweiflung; aber das Spiel war unrühmlich verloren; ohne einen Schuss zu tun, kam die Batterie nach Bergen zurück, und gleich hinterher in hellen Haufen die Franzosen. Auf dem Markte der Stadt standen nun wieder die furchtbaren Feuerschlünde aufgefahren, die Lunten der Kanoniere brannten; wir Jungen wollten sie gar zu gern einmal schießen hören; aber sie schossen nicht, sie — kapitulierten: die Franzosen besetzten die Hauptwache und nahmen Moykows Kanonen in Besitz.

2. „Sie wären alle im Gellen*) ersoffen, sagte Vetter Ludwig, wenn Moykow hätte schießen dürfen!"

*) So heißt der Meeresarm zwischen Stralsund und Rügen.
Ruge, Arnold (1802-1880) in Bergen auf Rügen geborener Schriftsteller, Verleger und Politiker

Ruge, Arnold (1802-1880) in Bergen auf Rügen geborener Schriftsteller, Verleger und Politiker

Die Mecklenburger 1812 im Russlandfeldzug.

Die Mecklenburger 1812 im Russlandfeldzug.

Französiche Soldaten.

Französiche Soldaten.