Auf dem Wege von Rostock nach Berlin - Schwaan, Bützow, Güstrow, Teterow, Remplin, Malchin, Neu-Brandenburg, Basedow, Prillwitz, Hohenzieritz, Neu-Strelitz, Ahrensberg, Rheinsberg

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Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Schwaan, Bützow, Güstrow, Teterow, Remplin, Malchin, Neu-Brandenburg, Basedow, Prillwitz, Hohenzieritz, Neu-Strelitz, Ahrensberg, Rheinsberg
Auf dem Wege von Rostock nach Berlin findet die Lokomotive zuvörderst einen Ruhepunkt in Schwaan (2.000 E.), von dem das Sprichwort geht: „Du sollst nach Schwaan in die Ochsenschule". Hier wurde zur mittelalterigen Kampfeszeit ein Bürgermeister des oft mit den Herzögen in Streit begriffenen Rostock enthauptet. Ringsum sieht man Wiesen voll üppiger Herden, meist schwarz und weiß gefleckt; auch fliegt wohl ein Storch auf und breitet seine weißen Schwingen über dem glänzenden Rücken der Rinder aus.

Bützow (3.500 E.) an der Warnow, eine von Promenaden umgebene, wohlgebaute und sehr gewerbetätige Stadt, besitzt in seiner alten, 1229 erbauten Stifts- und Stadtkirche ein sehenswertes Denkmal gotischer Baukunst. Das Altarblatt zeigt die Grablegung der Maria in vergoldetem Schnitzwerk, und dadurch zeichnet sich auch die Kanzel aus. Hier befindet sich auch die einzige reformierte Kirche im ganzen Lande mit etwa 160 Gemeindegliedern. Das vormalige Schloss, dessen Hofraum von Linden umschattet wird, ist jetzt Kriminalgefängnis. Die Zweigbahn wendet sich von da südöstlich nach Klein-Berlin.

So nennt man nämlich scherzweise Güstrow (8.600 E.). Man sieht allerdings hier wie dort ein Fürstenschloss, einen Dom, viele Herren von der Feder und vom Leder, viel Gewerbetätigkeit, Luxus und Leben; aber jene imponierende Reliquie aus dem Mittelalter mit zwei Seitentürmen und durch Jahrhunderte Residenz der Herzöge von Mecklenburg-Werle und Güstrow, das Schloss, ist seit 1817 zu einem Landarbeitshaus degradiert. Die Gewerbetätigkeit findet ihren Schwerpunkt in einer Eisengießerei und Maschinenfabrik; Luxus und Leben gipfelt in dem jährlichen Pferderennen und Wollmarkt. Der alte gotische Dom behauptet seine ursprüngliche Würde durch einen schönen Vorplatz, und das Innere bewahrt einen fürstlichen Anstrich durch die großartigen Grabdenkmäler des Fürsten Heinrich Borowin II., der Herzogin Dorothea, des Herzogs Ulrich und seiner beiden Gemahlinnen aus weißem Alabaster. Außerdem fehlt es nicht an hübschen Gärten, Spaziergängen und reizenden Spaziergängerinnen, aber auch nicht an Dohlen und Habichten, Assessoren und Advokaten; denn hier hält eine Spezial-Regierung und eine Justiz-Kanzelei ihre Sitzungen.

Ich vertraute mich nun der Post an, deren Führer sich mit ihren roten Aufschlägen und gelben Hörnern ganz lustig ausnehmen. Wir erreichten zuerst das Städtchen Teterow. Dies spielt in Meyenburg die Rolle von Groß-Schöppenstädt, Schilda etc. Man erzählte mir davon allerlei seltsame Geschichten, aber auch solche, die ich schon anderwärts gehört. So sollte man dort einem Säufer, der in einer Pfütze seinen Tod gefunden, folgende Grabschrift gesetzt haben, von der ich bestimmt wusste, dass sie sich in der Gegend von Anklam und Greifswald findet, nämlich: „Hier ligget begraven Hans Darken. — He was in sien Leven en Farken. — In sien Tode was he en Swien. — Du lever Gott, wat mag he nu sien!" —

Das Rittergut Remplin, jetzt dem Fürsten von Lippe-Schaumburg gehörig, fällt, sobald man aus dem nahen Walde kommt, mit seinen massiven Wirtschaftsgebäuden und den nach allen Seiten auslaufenden Alleen sehr gut in die Augen. Der Landmarschall Graf von Hahn, ein Freund der Astronomie und Naturkunde, hatte dort einst seine Lust an einer mit den trefflichsten Instrumenten ausgestatteten Sternwarte. Der letzte Besitzer des Gutes aus seinem Geschlecht Graf Carl hatte seine Lust an einem Liebhabertheater, und sein enormer Reichtum ließ es zu, dass er ein Gastspiel Ifflands mit einem Becher voll Dukaten und einer silbernen Rüstung honorierte; auch wird erzählt, er habe einst mit mecklenburgischen Zweidrittelstücken über den glatten Spiegel der Ostsee geworfen, um eine Wette mit dem verstorbenen Großherzog zu gewinnen. Was indes ein seltener Luxus nicht hatte vertilgen können, das wussten gewisse Blutausauger, die Plage des Landes, bei Gelegenheit eines weit verzweigten Konkurses im Wege Rechtens dünne zu machen. Man erzählte mir von einem dieser Herrn, dass er aus dem trüben Meer der Schuldenmasse nach und nach gar kostbare Perlen, nicht weniger als zwei Tonnen Goldes an Wert, gefischt habe.

Der Hauptort der gräflich Hahnschen Güter ist, unweit des durch seine Reize berühmten Malchiner Sees, Basedow, wo das großartige Schloss mit dem mächtigen Parke überstrahlt wird von einem noch großartigeren Pferdepalast, der 100.000 Thaler kostete: ein Oblongum von 250 Fuß Länge und 140 Fuß Breite. Alle Wände sind darin mit glasierten Platten ausgelegt, die Decken der einzelnen Räume bemalt, die Krippen von Gusseisen; mit eingeschlossen sind elegante Zimmer für die Stalldiener, Wagenremisen und eine Reitbahn.

Das gartenreiche Malchin (3.600 E.) an der Peene, vormals eine starke Festung, verdient Erwähnung wegen seiner gotischen, mit einem neuen Altarblatt von Krüger ausgestatten Pfarrkirche und wegen der landständischen Versammlungen, welche in den beiden großen Sälen des großen Rathauses abgehalten werden.

Neu-Brandenburg (7.000 E.), am Ausfluss der Tollense aus dem Tollensee, wurde vom Markgrafen Johann I. († 1266) gegründet und zeichnet sich aus durch seine rechtwinklig laufenden Straßen mit teilweise schönen Häusern, sein Schloss, seine Oberschule und seine vier und vierzig oder mehr (denn die Zahl derselben ist wahrscheinlich in stetem Wachsen begriffen) Branntweinbrennereien.

Im Süden des Tollensees liegt an einem kleineren See Prillwitz mit einer inkrustierenden Quelle Eliasbäk und einem großen englischen Garten, wo wahrscheinlich richtiger, als in Pommern, die alte Wendenstadt Rhetra mit dem Haupttempel des Radegast stand. Nicht weit davon starb auf dem großherzoglichen Lustschloss Hohenzieritz am 19. Juli 1810 die vielgeliebte Königin Louise von Preußen; ihr Andenken wird dort geehrt durch eine schöne Büste von weißem Marmor. Nächst vielen prunkenden Herrenhäusern der höchst zahlreichen Rittergüter schimmern dem Reisenden hier überall Seen entgegen; denn Mecklenburg zählt deren im Ganzen allein 46 größere; die kleineren sind vielleicht noch nie zusammengezählt worden. Die Waldungen zeigen Buchen, Eichen und Kiefern. Die Wege sind vielfach mit Weiden bepflanzt.

Neu-Strelitz (7.000 E.) liegt sehr freundlich auf einigen Hügeln zwischen dem Zierber und Glambecker See. Der Markt bildet ein Achteck, von welchem sternförmig acht Straßen (es gibt deren aber zwölf) ausstrahlen. Die Stadt trägt die frischen hellen Züge der Jugend an sich; denn sie wurde erst 1726 vom Herzog Adolph Friedrich III. begründet und zwar an der Stelle der 930 vom Sachsenherzog Bernhard zerstörten Wendenfestung Lunkin oder Lienke. Aus dem großen Schulgebäude mit dem Gymnasium, der Real- und Bürgerschule geht die Kultur des Geistes, aus dem Gebäude der Landeskollegien die ordnungsmäßige Kultur des Landes hervor. Der Glanzpunkt ist indes das großherzogliche Residenzschloss, dreistöckig im dorischen und römischen Stil, mit zwei vorspringenden Flügeln, die auf jeder Seite in einem Pavillon enden. In dem Kunst-Kabinett zeigt man unter Anderem kleine metallene obotritische Götzenbilder, die nebst Opfermessern und Opferschalen gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu Prillwitz am Tollensee als Inhalt eines großen Kessels ausgegraben wurden. Alles hat durch Feuer gelitten. Die Statuen sind meistens nur sechs Zoll hoch, die Größe des Hauptgötzen Radegast aber beträgt einen Fuß. Auf seinem von Löwenhaar umwallten Haupte sitzt ein Vogel, und der Name Rhetra weist hin auf den Haupttempel. Der dem Publikum geöffnete Schlossgarten entfaltet mit seinen englischen Partien, Pavillons, Einsiedeleien, Laubgängen, hohen Rüstern und ungewöhnlich schönen Weiden am Wasser des Sees die mannigfaltigsten Reize. —

Bald hinter Ahrensberg überschritt ich die mecklenburgische Grenze, und ich wandte mich nach Rheinsberg (2.300 E.), nicht um die berühmte Steingutfabrik zu sehen, sondern um den kleinen Ort kennen zu lernen/ wo der größte Mann seines Jahrhunderts vielleicht die heitersten Tage seines Lebens (1736—1740) in der Beschäftigung mit Kunst und Wissenschaft, am Busen einer einfach geschmückten Natur und im Verkehr mit lieben Menschen verbrachte. Das Schloss, später dem Prinzen Heinrich (dessen Grabmal in dem Garten), neuerlich dem Prinzen August gehörig, liegt am Grinerick-See, aus welchem das Flüsschen Rhin abfließt. Es wurde unter Friedrichs des Großen, des damaligen Kronprinzen, Leitung umgebaut und durch Seitenflügel und Türme vergrößert. Er schuf auch einen Wald von Eichen und Buchen in diesen schönen Park um, wo Schattengänge und offene Auen wechseln. Eine Spitzsäule von etwa 50 Fuß Höhe verherrlicht daselbst das Andenken an den Prinzen August Wilhelm, Bruder des Königs, und an die ausgezeichnetsten Helden des siebenjährigen Krieges.

Neu-Ruppin (10.000 E.) am Ruppiner See, nach dem Brandunglücke von 1787 neu und helle gebaut unter Friedrich Wilhelm II., dessen Statue dem Gymnasium gegenüber steht, weckt ebenfalls Erinnerungen an den großen König, da er sich, als Chef eines hier garnisonierenden Regimentes, wechselsweise in Rheinsberg und in dieser Stadt aufhielt. Er liebte dieselbe; denn die Betriebsamkeit der Bürger, das gute Bier und die Gegend gefiel ihm. Daher ließ er auf eigene Kosten Alleen von Linden und Obstbäumen anlegen, verwandelte auch den Stadtwall in einen anmutigen Spaziergang. Damit brachte er einen zu seiner Wohnung gehörigen Garten in Verbindung und verschönerte solchen durch mancherlei Anlagen, vornehmlich durch den sogenannten Musentempel unter schattigen Eichen. Dort war es, wo er manche köstliche Stunden mit seinen gelehrten Freunden verlebte, wo er das Angenehme mit dem Nützlichen verband und diejenigen, welche ihn näher kannten, zu den hochfliegendsten Hoffnungen berechtigte.
Der Architekt Schinkel wurde hier geboren.

Eine halbe Meile südlich von Ruppin ruht in der Gruft seiner Väter zu Wustrau der alte Reitergeneral Hans Joachim von Ziethen. Ihn ehrt ein Denkmal in der Kirche des Ortes, wo er 1699 auf dem Gute geboren wurde. — Weiterhin kommen wir nach dem auf einer Anhöhe gelegenen Städtchen Fehrbellin (1.700 E.). Etwa drei Stunden südöstlich davon befindet sich zwischen den Dörfern Linum und Dechtow das durch den glorreichen Sieg des großen Kurfürsten mit 6.500 Reitern über 16.000 Schweden (18. Juni 1675) berühmt gewordene Schlachtfeld, wo eine südlich von dem Dorfe Hakenberg liegende Anhöhe der Brennpunkt des heißen Kampfes war. In dem Städtchen Kremmen (2.500 E.) macht die Post Halt, und wir bemerken hier, dass auf dem nahen Kremmerdamm die Pommern 1331 über den Kurfürsten Ludwig den Älteren und 1412 über den Kurfürsten Friedrich I. einen Sieg erfochten, woran ein aufgestelltes Kreuz erinnert.

Jetzt passieren wir das freundliche Dörfchen Tegel, kaum noch eine Meile von der Hauptstadt entfernt und an einem seeartigen Becken der Havel gelegen. In dem dortigen, mit einem ausgedehnten Park umgebenen Schlosse verlebten die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt ihre Jugendjahre; dort wohnte und schläft der erstere, dort pflegt der letztere sich sommerlicher Muse zu widmen. Die Seele erfüllt von Gedanken an diese beiden Sterne erster Größe, nähern wir uns einem Hauptherde geistiger Ausstrahlung von europäischer Bedeutung.

Schon verknüpfen sich die Häuser auf beiden Seiten der Chausseestraße zu geschlossenen Zeilen. Die Menge der Fahrenden, Reitenden, Wandelnden mehrt sich: einer der vielen Abflüsse aus einem Menschenmeer von mehr als 450.000 Köpfen. Rechts drei mächtige Gebäude und bald folgend eine hohe, oben mit Adlern gezierte Säule: es sind Kasernen und das Nationaldenkmal der jüngst in treuer Hingebung für König und Vaterland gefallenen Krieger, als Hindeutung auf das Haupt eines Militärstaates. Jetzt zahlreiche dampfende Schlote: die Ausrufungszeichen einer weitverzweigten Industrie; schrilles Pfeifen und eine langsam fort brausende Lokomotive auf der die halbe Stadt umgürtenden Ringbahn: die Posaunen des lebhaftesten auswärts gehenden Personen- und Handelsverkehrs. Jetzt das Oranienburger Tor, schimmernde Läden des Luxus, glänzende Karossen, palastartige Wohnungen, Säulenhallen: wir sind in der geschmückten Residenz- und Königsstadt Berlin.

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Rostock Altstadt

Rostock Altstadt

Rostock Altstadt vom Steintor.

Rostock Altstadt vom Steintor.

Rostock Blücherplatz 1844

Rostock Blücherplatz 1844

Rostock Hopfenmarkt.

Rostock Hopfenmarkt.

Rostock - Neuer Markt um 1820.

Rostock - Neuer Markt um 1820.

Bützow.

Bützow.

Güstrow - der Markt.

Güstrow - der Markt.

Güstrow - der Dom.

Güstrow - der Dom.

Güstrow im Jahre 1632.

Güstrow im Jahre 1632.

Güstrow.

Güstrow.

Malchin - Marktplatz.

Malchin - Marktplatz.

Neu-Strelitz - Residenzschloß.

Neu-Strelitz - Residenzschloß.

Neu-Strelitz.

Neu-Strelitz.

Neubrandenburg - Stadttore.

Neubrandenburg - Stadttore.

Neubrandenburg.

Neubrandenburg.

Teterow.

Teterow.