Arkona auf der Insel Rügen

Aus: Meine Reise durch Schlesien, Galicien, Podolien nach Odessa, der Krim, Konstantinopel und zurück über Moskau, Petersburg, durch Finnland und die Insel Rügen im Sommer 1832. Zweiter Teil. Leipzig, 1834.
Autor: Behr, August von (?-?), Erscheinungsjahr: 1834

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Insel Rügen, Reisebeschreibung, Aale, Neuendorf, Pommern, Arkona, Jasmund, Wiek, Greifswald, Putbus, Stubbenkammer

Zöllners Reise durch Pommern nach Rügen und einem Teil des Herzogtums Mecklenburg im Jahre 1795 in Briefen. Band 1 (Zöllners Reisen) [Kindle Edition]
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Wir kamen nun nach dem Endpunkt Arkona, wohin wir strebten, dem nördlichsten, aber, wie gesagt, nicht zugleich dem schönsten Punkte Rügens und Deutschlands, obschon es auch ihm an Annehmlichkeiten nicht fehlt.

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Der Leuchtturm ist außer seinem Hauptzweck – die Glaskuppel oben ist mit zwei Reihen Reverbèren übereinander in Summa mit 21, die nach den drei Meerseiten hin leuchten, versehen – auch zur Bequemlichkeit für Reisende eingerichtet, und dem Wächter, welcher parterrewohnt, ist überlassen, die beiden mittleren Stocke des viereckigen Turms zu Logierzimmern an Reisende zu vermieten.

Man erhält auch da für teures Geld schlechtes Essen, Englischen, d. h. mit Spirit, versetzten Wein, und ungenießbares Wasser aus einem Brunnen im Kalkfelsen, das trübe und kreidig, aussieht, und gewiss sehr ungesund ist.

Von der Balustrade, welche gleich unter den Reverbèren im obersten Stock des Turms rundum führt, hat man eine weite Aussicht; aber was sieht man? Wasser, nichts als Wasser und die abgeernteten Kornfelder von Wittow, das kein Fleckchen Wald, nur hier und da ein paar Obstbäume hat. Von Ferne glaubten wir die Insel Mön zu entdecken. Die hohe Insel Hiddensee liegt lang ausgestreckt im Gesichtspunkt und einen Teil der Mecklenburger Küste kann man übersehen; aber kein Schiff ließ sich blicken und nachdem wir eine Weile geschaut hatten, dehnte sich die Zeit uns gewaltig lang; denn da wir für heute keinen andern leidlichen Ruhepunkt mehr erreichen konnten, waren wir gezwungen hier zu übernachten, worauf auch von Haus aus die Reiserechnung gestellt war, und wir bedauerten es jetzt, den Opferstein, den Pastor Franke und Juliusruhe nicht besucht zu haben.

Wir schweiften bis Abend in der Gegend und am Seeufer herum. Ein großer runder Kreis von 2 - 300 Schritten im Umfange ist dicht am Seeufer, aber wohl 100 Fuß erhaben über die See, mit grünenden Erdwällen von 20 – 30 Fuß Höhe eingefasst. Eine Treppe führt von da ans Ufer. Hier soll der Tempel des Svantewit oder Swantowit (heiliges Licht) gestanden haben, und mit Vergnügen erinnerte ich mich der schönen poetischen Erzählung Theodor Hells in Dresden, die, glaube ich, in der Penelope 1819 oder 1820 gestanden hat, und die wohl großen Teils aus den Sagen des Saxo germanicus entnommen ward. Hier ist der klassische Boden vieler Sagen und Heldentaten der alten Zeit.

Übrigens waren die Dänen, welche im zwölften Jahrhundert dem Götzendienst auf Rügen ein Ende machten, nicht die ersten Verbreiter des Christentums. Mönche aus Corvey sollen im neunten Jahrhundert schon als Heidenbekehrer herüber gekommen sein, aber ohne großen Erfolg; wenigstens schwang sich der Götzendienst wieder hoch empor, bis ihn die Dänen für immer zur Ruhe brachten.

Bei eintretender Dämmerung fanden wir eine große Verschiedenheit zwischen dem heutigen und gestrigen Abend, waren verstimmt, betrachteten nach eingenommenem schlechten Souper zwar noch ein Mal den recht schönen Mondaufgang von der oberen Balustrade, legten uns aber frühzeitig nieder und sorgten nur, dass am andern Morgen unser Wagen rechtzeitig aus dem nahen Pachthof, wohin er gebracht worden – da im Turm für Wagen und Pferde kein Unterkommen zu finden ist - beschafft werde, fuhren auch gleich nach Sonnenaufgang, den zu beschauen wir freilich immer der Mühe wert hielten, quer durch die Halbinsel Wittow auf Altenkirchen zu, das ziemlich in der Mitte liegt, den einstigen Wirkungskreis Kosegartens.

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