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Barockstadt Amorbach - Unterfranken

Amorbach im unterfränkischen Landkreis Miltenberg

Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bd.1, Mitteldeutschland
Autor: Dehio, Georg (1850-1932), Erscheinungsjahr: 1914
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Amorbach, Barock, unterfranken, Mittelberg, Kloster, Denkmal
Amorbach

Benediktinerabtei-K., jetzt protestant. 1742-47 ausgeführt als Umbau einer rom. K. Aus dieser der WBau und die Umfassungsmauern des Lhs. beibehalten. Der WFront eine Barockfassade vorgeblendet. Unberührt rom. die 3 Freigeschosse der Türme, etwa 2. H. 12. Jh., stattliche Abmessungen, Detail ohne Feinheit. — Der neue Plan vom kurmainzischen Hofarchitekten General v. Welsch, ausgeführt vom Fähnrich Schick, der anscheinend auch einige Umänderungen vornahm. Kreuzförmige Basilika von 4 Joch im Lhs. Die breiten Pfll. mit gepaarten Pilastern besetzt. Tonnengwb. mit Stichkappen ohne Gliederung. In der Schildwand Kreisfenster. Die Profile durchweg von mäßigem Relief. — Im Chor setzt sich das System des Lhs. in 2 Joch fort, Schluß 1/2kr. — Das Bedeutendste [pg 11] an der K. ist die in unübertroffenem Gleichmaß der Gesamtwirkung durchgeführte Dekoration. Sie rückt den Bau in die erste Reihe der deutschen Rokokokirchen. Die Stuckierung von J. M. Feichtmayer und Gg. Uebelher. (Beide aus der Wessobrunner Schule, ersterer in Augsburg ansässig, letzterer vorher in den »reichen Zimmern« der Münchener Residenz und der Klst.K. Diessen tätig). Sie vertritt die deutsche Nuance des Rokoko. Die Farbe ist weiß, hie und da durch gelb und gold belebt, die Pilaster aus blaßrot gestreiftem Stuckmarmor. Eine wichtige Rolle ist den Deckengemälden zugewiesen; voll. 1749 von Math. Günther aus Augsburg (einem Schüler der Asam, auch von Tiepolo beeinflußt; bedeutendster deutscher Freskomaler des 18. Jh.); im einzelnen flüchtig und maniriert, stupend sicher in Massenverteilung und Perspektive, der lichten Haltung des Ganzen trefflich angepaßt. Die Seitenaltäre stehen zum Glück nicht an den Schiffspfeilern, sondern an den Seitenwänden unter den Fenstern; die antitektonische Tendenz des Rokoko spricht sich in ihnen sehr unumwunden aus; einige sehen aus wie aus Korallenriffen aufgebaut. Ausgeführt (bis nach 1760) von Künstlern aus Würzburg. Ebendaher die Kanzel von Joh. Wolfg. van der Auwera und die prachtvollen Abschlußgitter des Lhs. von Gattinger. Verhältnismäßig sehr einfach die Chorstühle; ein Teil soll zu Beichtstühlen in der kathol. Pfarr-K. umgearbeitet sein.

Klostergebäude. An die rom. Epoche erinnert eine kleine Tür im 2. Geschoß der SWand des südl. Turmes, sie führte in einen Korridor über dem Kreuzgang. Aus letzterem 20 Säulchen von trefflicher Arbeit, E. 12. Jh., erhalten. Die Hauptgebäude aus 17. und 18. Jh. (jetzt Residenz des Fürsten von Leiningen) groß, ohne spezielleres Interesse. Im Innern bmkw. der Bibliotheksaal von ca. 1790.

Kathol. Pfarr-K. 1752-54. Ein stattlicher 3sch. Bau in dem im Rok. selten angewandten Hallensystem, ähnlich S. Peter in Mainz, beide vermutungsweise von Jos. Val. Thoman; das Äußere in Quadern von rotem Sandstein, durch Doppelpilaster gegliedert, von guter Wirkung die mit der Chorapsis gruppierten Türme. Deckengemälde von Zick. Die trefflichen Skulpturen des Hochaltars von Joseph Keilwerth aus Würzburg (einem sonst unbekannten Künstler); besonders der h. Sebastian durch feine Empfindung und ehrliches Naturstudium über die Masse der zeitgenössischen Produktion hervorragend. — Klostermühle 1448. (Inschr.)

Kurmainzisches Amtshaus mit dem Wappen der Erzbischöfe Dither v. Isenburg und Berthold v. Henneberg (1475-1504).

Das Kloster Amorbach, Landstraße von Heinrich Wilhelm Trübner, Öl auf Leinwand

Das Kloster Amorbach, Landstraße von Heinrich Wilhelm Trübner, Öl auf Leinwand

Amorbach - Plan des Schloss-Parkes, Friedrich Ludwig Sckell

Amorbach - Plan des Schloss-Parkes, Friedrich Ludwig Sckell