Alte Leichensteine der Kirche zu Dobbertin.

Zur Baukunde - 2. Zur Baukunde des christlichen Mittelalters. - Kirchliche Bauwerke
Autor: Lisch, Georg Christian Friedrich (1801 Strelitz - 1883 Schwerin) Prähistoriker, mecklenburgischer Altertumsforscher, Archivar, Konservator, Bibliothekar, Redakteur, Heraldiker und Publizist (Freimaurer), Erscheinungsjahr: 1862

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Leichensteine, Religion,
1. An der Nordseite der Kirche liegt ein Leichenstein mit dem stehenden Bilde eines den Kelch konsekrierenden Priesters unter einem gotischen Baldachin; am rechten Fuße steht ein Wappenschild mit drei aufgerichteten, auf dem Schildfuße stehenden Pfeilen, von denen die beiden äußern nur halbe Spitzen haben. Die Umschrift lautet:



2. An der Nordseite der Kirche liegt ein alter Leichenstein, dessen inneres Feld geebnet und zu einer Inschrift für die Konventualin Agnese Johanna Plüskow, † 25. Dezember 1748, überarbeitet ist. Die alte, enge und geschnörkelte gotische Inschrift ist jedoch noch nicht verletzt und lautet:



3. An der Südseite der Kirche liegt allein ein Leichenstein: unter einem gotischen Baldachin steht eine betende Figur in bürgerlicher Kleidung, mit Bart, mit einem kurzen Schwerte zwischen den Beinen am Gürtel, mit einem Kreuze unter der Brust. Am linken Fuße steht ein vierspeichiges Mühlrad. An den vier Ecken stehen die Symbole der Evangelisten. Die Umschrift, in klarer, gotischer Minuskelschrift aus dem Ende des 14. Jahrhunderts, lautet:



Die Inschrift bildet offenbar vier Reimzeilen, wenn auch die Reime nicht rein sind. Aus dem Worte broder und dem Kreuze vor der Brust lässt sich schließen, dass Heinrich Glowe ein Laienbruder des Klosters war. Heinrich Glöwe war ein Mühlenbaumeister („en meyster molen to buwen"). Die Sage in Dobbertin erzählt, unter dem Steine liege „ein Müller und seine Frau"; dies ist offenbar ein Missverständnis, indem man den Ausdruck: „vze leue bruwe" d. i. Unsere Liebe Frau, d. i. die Jungfrau Maria, fälschlich für eine Bezeichnung der Ehefrau des „Müllers" gehalten hat.

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Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist

Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist

Dobbertin, Klosterkirche

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Dobbertin, Klosteramtsscheune

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Dobbertin, Grabplatte des Mühlenbauers Henrik Glove

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Dobbertiner See und Kloster

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