Als allgemeine Bildungsmittel für den geringeren Landmann, den Bauern und den Büdner, wie für den Bürger, sind in den Städten von großem Segen:

Aus: Mecklenburgs Ackerbau, Industrie und Handel
Autor: Türk, A. (?), Erscheinungsjahr: 1850

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Bildung, Bibliotheken, Volksbildung, Bildungsmittel, Vereine, Volksfeste,
a. die Errichtung von Gesangchören, Liederkränzen, Singvereinen, weil unleugbar der Gesang als allgemeines Bildungsmittel seiner vollen Bedeutung nach nicht genug erkannt ist. Sollen solche Vereine gebildet werden können, so muss der Gesang in der Schule sorgfältig kultiviert werden. Dann aber müssen auch Männer von Bedeutung, Gesang- und Volksfreunde sich diesem Unternehmen anschließen, damit die Vereine richtig geleitet und Störenfriede und Unordentliche im Notfalle ausgeschlossen werden.

b. Die Errichtung von Volksfesten. Die alten Völker erkannten die Kraft der Volksfeste und verbanden sie eben darum mit religiösen Vorstellungen und Zwecken, selbst wenn die Basis politisch war. Die Griechen bildeten sich durch sie zu einem Freiheit und Vaterland liebenden, milden Volk für Kunst und Wissenschaft. Warum sollten wir Deutsche, die wir mit den Griechen so viele Ähnlichkeit haben sollen, nicht ebenso segensreiche Früchte aus den Volksfesten ernten? Wenn durch warme Teilnahme der hohem Stände an den Vergnügungen des Volks die trennende Scheidewand zwischen diesen zusammenstürzt; wenn diese Volksfeste mit Ausstellungen der Natur- und Kunstprodukte von Seiten des Landmanns wie des Bürgers verbunden sind, sollten sie dann nicht veredelnd auf alle Stände einwirken?

c. Die Errichtung von Volksbibliotheken für Stadt und Land. Sind die Bücher im Volkston geschrieben — fasslich und immer heiter, mit praktischem Geiste und Achtung vor dem Volke, so kann ihnen auf die Länge nichts widerstehen. Möchte darum jede Stadt und jede Pfarrgemeinde eine öffentliche Bibliothek haben, und bald würde man sehen, welchen Segen diese leblosen Jungen des Guten stiften in der Erziehungs-, Gesundheits-, Haus-, Landwirtschafts- und Gewerbe-Lehre, und wie die allgemeine Bildung dadurch befördert wird. Omne tulit punctum, qui miscuit utile dulci. (Die Vermischung des Nützlichen mit dem Angenehmen erreicht am sichersten den Zweck.)

Mecklenburg ist mein Geburtsland, und mit warmer Liebe für die Heimat sind vorstehende Blätter geschrieben. Mögen sie mit vorurteilslosem Herzen gelesen werden, mögen sie jeden Vaterlandsfreund erwärmen und anregen, mit liebevollem Herzen Hand zu legen an den Bau der Völkerbeglückung. Bildung muss ein Gemeingut Aller werden, denen zum Teil die Hallen des Wahren, Guten und Schönen verschlossen waren. Kann und soll der Mecklenburger in der Landwirtschaft und der Industrie hinter den andern Gauen Deutschlands zurückbleiben? Wer, wess Standes er auch immer ist, sollte nicht den Wert seines Landes und Volkes zu würdigen verstehen und nicht mit feurigem Eifer, mit Mut und Beharrlichkeit dafür mitwirken, dass Handel, Landwirtschaft und Gewerbe blühen? Kann der Mecklenburger sich gegen den Tadel, gegen andere Deutsche in diesem oder jenem Punkte zurückgeblieben zu sein, mit der Ausflucht rechtfertigen, dass er sie nicht habe einholen können, dass in seinen Zuständen ein unüberwindliches Hemmnis liege? Es ist Allen gegeben, die Bahn zum Ziel, die Allen geöffnet ist, zu gehen; es handelt sich nur um den Unterschied, früher oder später zum Ziele zu kommen, und welche Zustände stellen unüberwindliche Hindernisse entgegen dem, der da will; wer kann den Berg für unbesteigbar erklären, wenn er noch nicht einmal über dessen Fuß emporzuschreiten versucht hat? Reicht Euch, Mecklenburger aller Stände! brüderlich die Hand zur Hebung des Ackerbaues und der Industrie, deckt den Schleier der Vergessenheit über Eure gegenseitige Parteisucht in den beiden letzten Jahren, und Gott wird mit Wohlgefallen auf unser Land und Volk blicken! So sei es!
Schwerin, Schloss 4

Schwerin, Schloss 4