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Aachen - Aquae, Aquisgranum

Aachen (entstanden aus Aquae) — Aquisgranum (von Granus, dem Begründer der Stadt), Aix la Chapelle (nach dem von Karl dem Grossen erbauten Dom) — liegt, 534' ü. M., an der großen Eisenbahn zwischen Paris und Berlin, in einem weiten reizenden Thale, das von den Ausläufern der Ardennen, des Eifel- und Montjoie-Gebirges gebildet wird, in reiner, nahezu feuchter Luft. Aachen ist der älteste und größte unter den deutschen Badeorten: 60,000 Einwohner und 5000 Kurgäste (1858 5007,1859 4054,1860 5875). Der Boden besteht aus Übergangs-Kalk und Übergangs - Thonschiefer, worüber Flötzkalk und angeschwemmtes Land gelagert ist.

Die Aachener Quellen gehören zu den alkalisch-muriatischen Schwefelthermen, mit gasförmigen Beimischungen von Schwefelwasserstoff, Kohlensäure und Stickgas. Man unterscheidet zwei Quellen-Gruppen: die oberen (westlichen) — Kaiser-, Neue und Quirinusquelle — mit heißerem Wasser und größerem Schwefelgehalt, und die unteren (östlichen) — Kornelius-, Trink- und Rosenbadquelle; dazu zwei Stahlbrunnen: die Leuchtenrather Eisenquelle (1826) am Wege nach Burtscheid, und die Spaaquelle (1671), jetzt nicht in Gebrauch. Erstere, arm an Kohlensäure, wird gegen Verdauungsbeschwerden mit dem jodigen, 7 ½ Meile entfernten Sauerbrunnen von Heilstein (1822) vermischt. Die Temperatur sämtlicher Thermen variiert zwischen 44 (Kaiser- und Neue Quelle) und 36° R. (Kornelius- und Rosenbadquelle). Das Wasser von durchdringendem Schwefelgeruch, hat den Geschmack einer schwachen „Fleischbrühe“ — so schwach wie die Karlsbader „Hühnersuppe.“


Benutzt werden die Quellen zu Wannen- und Dampfbädern, nebst Douche und Klystir, weniger zum Trinken. Das Kaiserbad — als Überrest aus Römerzeiten der Thermen-Prototyp — in welchem Karl der Große, geboren 742 und gestorben 814 zu Aachen, häufig gebadet haben soll, ist das älteste — durch den jetzigen Umbau das neueste; es soll nämlich außer dem Umfang des alten Kaiserbades und des Bades zur Königin von Ungarn auch das Terrain zweier Nebenhäuser einnehmen, eine Fläche von 91 Quadratruten. Dieses projektierte neue Kaiserbad wird 40 Zimmer und 9 Bäder mehr darbieten , als die durch selbiges zu ersetzenden alten Badehäuser, und zugleich auf Inhalationshallen und Winterkuren (Dr. Reumont 1863) rücksichtigen. Unter den acht Bade-Hotels werden das Kaiser- und Neubad auf dem Büchel, das Bad zur Königin von Ungarn in der Edelstrasse und das Quirinusbad auf dem Hof von den oberen, das Rosen-, Kornelius- und Karlsbad auf der Comphausbadstraße und das Comphausbad auf dem Damengraben von den unteren Quellen mit Thermalwasser versorgt. Die Wohnhäuser stehen mit den Badehallen durch Korridore in unmittelbarer Verbindung, wodurch sie durch die eindringende Wärme eine höhere Temperatur erhalten. Daher logieren hier schwächliche und brustkranke Personen im Winter nicht des Badens, sondern der Wärme wegen. Der Trinkbrunnen, Elisenbrunnen genannt, 43 ½ °R., wird aus der Kaiserquelle durch eine Strecke von 620 Fuß geleitet (1822).

Die Aachener Quellen sind unter den deutschen Schwefelthermen die wirksamsten: durch Wärme, den reichsten Schwefelgehalt, Stickgas, kohlensaure Alkalien und in einem Pfunde über 20 Gran Kochsalz. Jod, Brom und Eisen sind durch von Liebig (1850) nachgewiesen. Im allgemeinen wirken sie flüchtig erhitzend, säuretilgend, die Resorptionstätigkeit durch gelinde Förderung der Se- und Exkretionen anregend, in Folge dessen die Blutmischung verbessernd. Daher die Indikation bei Krankheiten der Schleimhäute des Magens und Darmkanals, der Atmungs- und Harnwerkzeuge: chronische Katarrhe und Diarrhoen, Schleimflüsse der Blase und Schleimhämorrhoiden. Die Inhalationskuren, welche hauptsächlich in Schleimhautleiden der Respirationsorgane wirksam sind, hat Dr. Reumont zuerst 1847 bei der Versammlung der Naturforscher und Ärzte zu Aachen besprochen, später 1853 in einer Denkschrift „über die Einrichtung vollständiger Apparate zum Einatmen der Gase und Dämpfe der Schwefelthermen zu Aachen, namentlich der Kaiserquelle“ bekannt gemacht. Diese Thermen sind durch die Zusammensetzung der Gase und die hohe Temperatur des Wassers vorzugsweise für Inhalationskuren geeignet: es scheidet sich aus den Thermaldämpfen feinzerteilter Schwefel aus, nicht minder ist der große Gehalt an Kochsalz in Anschlag zu bringen. — Das Baden ist mit einem behaglichen Gefühl verbunden, die Haut wird weicher, geschmeidiger: daher bei chronischen Hautausschlägen und veralteten Fußgeschwüren. Die Funktion des Lymphsystems wird gesteigert: daher gegen Schwellungen der Leber und gegen skrofulose Drüsenverhärtungen. Das Blut, namentlich das der Pfortader, kommt in regere Zirkulation, woraus wiederum, mit Hilfe der Säuretilgung und Schleimlösung in den ersten Wegen nebst der gesteigerten Verdauung, eine normalere Mischung folgt. Geschwülste der Knochen, aus rheumatischen, gichtischen oder traumatischen Anlässen, auch die von übermäßigem Quecksilbergebrauch oder nach metallischen Vergiftungen, werden gemindert oder gehoben; gleicher Weise Lähmungen und Verkrümmungen, mögen sie auf nervösen oder dyskratischen Grundursachen beruhen. Wenn zwar gegen Syphilis kein Heilmittel (Dr. Reumont 1859), sind die Aachener Bäder bei Behandlung der sekundären und tertiären Formen, zumal bei deren Verbindung mit bestimmten Dyskrasien von unschätzbarem Werte, teils als Unterstützung, teils zur Vorbereitung einer spezifischen Kur. Als unübertroffener Probierstein ist aber das Thermalwasser zu betrachten, in allen den Fällen, in welchen sekundäre und tertiäre Syphilis nicht zu unterscheiden ist von ähnelnden katarrhalischen, rheumatischen, gichtischen, skrofulosen, oder, was am häufigsten vorkommt, von merkuriellen Affektionen. Auch die „Syphilidophobie“ schwand alsbald unter der Kur.

Als Nachkur, falls Zeit und Mittel eine solche überhaupt gestatten, ist das Seebad zu empfehlen. Nur der Arzt kann und soll sie bestimmen; leider aber verderben gar manche Patienten die günstigen Wirkungen, indem sie ohne ärztlichen Rath, wider Verhältnisse und aus Nebenrücksichten unzweckmäßige Nachkuren übereilen. Die Verschiedenheit der Aachener Thermen lässt zu und fordert sogar eine sorgfältige Auswahl. Daher steige der Ankommende nicht sofort in einem beliebig gewählten Badehause ab, sondern hole zuvor den Rath des Arztes ein. Am besten badet man Morgens, eine halbe Stunde nach dem Aufstehen; wer sich jedoch gleichzeitig der Trinkkur bedient, nehme das Bad, dessen vorgeschriebenen Grad der Abkühlung er selbst mittels des Thermometers reguliere, eine Stunde nach dem Brunnen, besser zwei Stunden nach dem Frühstück. Bei nicht speziellen Vorschriften trinke man so heiß als möglich; vermeide jedoch das zu warme Baden, damit man nicht nöthig hat gegen Wallungen einen Schwamm mit kaltem Wasser auf den Kopf zu legen. Diese angeführten Regeln gelten cum grano salis für alle Thermen; ebenso sind die Kontraindikationen selbstredend: Kongestionen, Bluthusten, Schwindel, Wassersucht. Auch ist nicht nötig Schwangere vor heißen Bädern zu warnen: denn sie dürfen überhaupt erst nach der Hälfte der Gravidität baden, in Thermen aber gar nicht. Während der „Periode“ sind alle Bäder, auch die Seebäder, wie das Trinken jeglichen Mineralwassers, auszusetzen: eine alte Brunnenregel, die sich auf physiologische Würdigung des Einflusses gründet, den diese „Zeit“ auf das Physische und Psychische des Weibes übt.


Aachen, Bahnhof

Aachen, Bahnhof

Aachen, Elisenbrunnen

Aachen, Elisenbrunnen

Aachen, Hauptpostamt

Aachen, Hauptpostamt

Aachen, Stadtansicht

Aachen, Stadtansicht

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