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Heinrich Grünfeld (1855-1931)

Der königlich preußische Hofcellist Heinrich Grünfeld ist einer der namhaftesten Violoncellvirtuosen der Gegenwart, welcher den Ruhm Böhmens als Land der Musik par excellence namentlich in Deutschland durch seine bravourmäßigen Leistungen als Solocellist sowohl wie als Quartettspieler verbreitete. Sein schöner Ton und sein geschmackvoller Vortrag fanden überall, wo er auftrat, mit Recht die wärmste Anerkennung.

Geboren am 21. April 1855 in Prag, besuchte Heinrich Grünfeld das dortige Konservatorium und genoss auf demselben Hegenbarths Unterricht. Mit 18 Jahren wurde er bereits Solocellist an der komischen Oper in Wien, welche Stellung er zwei Jahre bekleidete. 1876 siedelte er nach Berlin über und war acht Jahre hindurch ein sehr gesuchter Lehrer an Kulaks Neuer Akademie der Tonkunst, zugleich mit seinem Bruder, dem Pianisten Alfred Grünfeld, zahlreiche Konzertreisen nach Deutschland, Österreich Ungarn und Russland unternehmend. Mit Xaver Scharwenka und Gust. Holländer gründete er in Berlin Trio -Abonnementskonzerte, die sich außerordentlicher Teilnahme seitens des kunstsinnigen Publikums zu erfreuen hatten.


Der liebenswürdige Künstler ist ein Liebling der Berliner Gesellschaft und erfreut sich auch der Huld der Mächtigen dieser Erde, namentlich des deutschen Kaisers, die ihn durch Orden und Auszeichnungen aller Art ehrten.

Dem Meister des Violoncells widmete Alexander Moszkowski, der Bruder des Komponisten, vor wenigen Jahren in einer illustrierten Zeitschrift eine allerliebste Skizze, der wir nachfolgendes entnehmen: Unter allen uns bekannten Tonkünstlern ist der Berliner Meistercellist Heinrich Grünfeld derjenige, der es am besten verstanden hat, sich ein instruktives Milieu aufzubauen. Sein Studierzimmer ist das Fazit und der sichtbare Ausdruck seiner Arbeitsvergangenheit und Erfolgsgegenwart. Er wohnte sozusagen in seiner eigenen Biographie, in der übersichtlichen Darstellung seiner Konzertlaufbahn. Wohlverstanden: Nicht jene schmunzelnde Eitelkeit, mit der sich so mancher Virtuose aus Schleifen, Lorbeerkränzen, Adressenkram und Huldigungsflittern einen Tempel der Selbstanbetung errichtet, hat hier die Rolle des Dekorateurs gespielt; keine aufdringliche Ruhmredigkeit hat diese Wände tapeziert, deren Schmuck sich vielmehr ausschließlich aus intimen Freundschaftszeichen zusammensetzt.

Die Empfindungen, die Grünfelds Spiel in den Edelsten der Kunst ausgelöst hat, sie tönen hier wieder in zahllosen Unterschriften und Widmungen zu Porträtköpfen, die für sich ein Museum geistiger Elite bilden; welch’ ein Auditorium hat Grünfeld in dieser Galerie versammelt! Einen wahren Olymp von Kunstgrößen, einen Kongress von Celebritäten, ausgezeichnet durch die Gestalten eines Johannes Brahms, Anton Rubinstein, Kullak, Johann Strauss, Josef Joachim, d’ Albert, Sarasate, Sauret, Scharwenka, denen sich ihre Schwestern in Apoll: Sophie Menter, Marcella Sembrich, Adelina Patti, Albany anschließen; Dichtkunst und Theater haben Sudermann, Lindau, Fulda, Bodenstedt, Spielhagen, Rodenberg, Sonnenthal, die bildenden Künste Begas und Lenbach, die Musikforschung Eduard Hanslick, die Wissenschaft Virchow delegiert, und sie alle, wie viele andere, bezeugen durch ihre Gegenwart und durch handschriftliche Dokumente, dass sie oft und gern den Klängen des Grünfeld’schen Instruments gelauscht haben. Sage mir, wer Dich lobt und ich will Dir sagen, was Du leistest! Wenn ein Hans von Bülow sein Urteil in die Dedikationsworte zusammenfasst: „Dem in idealer Weise Kraft und Grazie vereinigenden Violoncellisten Heinrich Grünfeld“, so erübrigt sich eigentlich für den nachfolgenden Kritiker jede weitere Analyse, die im Grunde doch nur zu Bülows Kernworten die begleitenden Arabesken liefern könnte ...

Die musikalische Persönlichkeit Grünfelds kennt noch Höheres als den Beifall des Abends, den Hervorruf und die günstigen Referate des nächsten Morgens. Er hat den Mut und die Tatkraft gehabt, seine persönliche Darbietung zum Kern einer Konzertveranstaltung zu machen, die sich im Laufe der nächsten Jahre zu einem wirklichen Machtfaktor im Berliner Kunstleben auswachsen sollte. In diesen Grünfeld’schen Abonnementskonzerten ist die Kunst des Cellisten zur Standarte geworden, um die sich die anderen Instrumente einschließlich der menschlichen Stimme scharen; hier werden die Blüten der Klassizität, wie die wertvollsten Hervorbringungen der Neuzeit mit besonderer Betonung der kammermusikalischen Literatur einem stets begeisterungsfrohen Publikum geboten.

In ihrer prächtigen Mischung von bedeutsamem Ernst und virtuoser Spielfreudigkeit bieten die Abonnementsabende ein vollkommenes Spiegelbild der menschlichen und künstlerischen Individualität ihres Veranstalters. Seine musikalische Gediegenheit wie sein unversiegbarer Frohmut finden hier in tönenden Reflexen ihren sinnfälligen Ausdruck ... Bei all’ seiner umfangreichen Tätigkeit als Konzertgeber, Organisator, Lehrer und — nicht zu vergessen — als mit Recht viel begehrtes Mitglied zahlloser Berliner Gesellschaftskreise hat sich H. Grünfeld ein kostbares Gut erhalten, das die meisten anderen Tonkünstler ihren Erfolgen opfern müssen: die Gesundheit der Nerven. Sie befähigt ihn in erster Linie, den Genuss, den er so reichlich dem Publikum spendet, subjektiv mitzuempfinden. Und an diese beneidenswerte Qualität mag wohl der Dichter Albert Träger gedacht haben, als er unserem Cellisten die Strophe widmete:

,,Im Kopfe so hell, im Herzen so warm,
Vollendeter Meister auf tönendem Darm,
Den alle lieben, dem alle lauschen.
Mit wem, Du Glücklicher, möchtest Du tauschen!“