Achtung: Die besten Amazon Angebote gibt es heute auf dieser Seite (hier klicken)

Eduard Rappoldi (1831-1903)

Der langjährige königliche Hofkonzertmeister Eduard Rappoldi, eigentlich Rappold, in Dresden zählt zu den größten Geigenvirtuosen der Gegenwart. Seine Technik ist eine vollendete und sein Ton voll Seele, rührend, hinreißend und poetisch. Er singt wundervoll auf seinem Instrument, versteht aber auch die Rhythmen selbst im schnellsten Tempo noch auszuprägen. Ich habe es bereits in meinem Buche: „Das Dresdener Hoftheater in der Gegenwart“ ausgesprochen, dass er Joseph Joachim in keiner Weise nachsteht: Dieser edle, volle, durch und durch gesunde Ton, diese Stilgröße und die Abgeklärtheit im Vortrag, die Reinheit und Feinheit der Nuancirung, alles das erinnert an den Berliner Geigerkönig. Aber er kopiert ihn nicht, sondern ist durchaus selbstständig- und individuell; dabei verschmäht er jede Virtuosenkoketterie und seine große Technik dient ausschließlich einem ernsten künstlerischen Zwecke.

Dass Rappoldi ein musikalisches Wunderkind war, versteht sich von selbst. Geboren am 21. Februar 1839 inWien, trat er schon mit sieben Jahren in einer von seinem damaligen Lehrer Doleschall veranstalteten Akademie als Pianist, Violinist und mit einer eigenen Komposition auf. Er war ein Schüler von Hellmesberger, Böhm, Ernst und Jansa. Nach vollendeten Studien unternahm er erfolgreiche Kunstreisen nach allen Städten der österreichisch-ungarischen Monarchie, sowie nach Norddeutschland, Belgien und Holland und spielte auch an den verschiedensten Höfen mit der größten Auszeichnung. Er folgte einem Rufe als Konzertmeister nach Rotterdam und war dann Kapellmeister in Lübeck, Stettin und am Deutschen Landestheater zu Prag. 1876 wurde er zum königlich preußischen Professor ernannt und erhielt eine Berufung als Hofkonzertmeister nach Dresden, wo er sich allgemeiner Beliebtheit erfreute und zahlreiche Schüler ausbildete. Die Konzertreisen, die er von dort aus mit seiner als Klavierspielerin berühmten Gattin, geb. Laura Kahrer, nach Kopenhagen, Warschau, Wien, München, der Schweiz etc. unternahm, glichen wahren Triumphzügen.


Eduard Rappoldi hat auch als Komponist eine erfreuliche Tätigkeit entfaltet. Es existieren von ihm teilweise gedruckt, teilweise im Manuskript vorhanden: zwei Streichquartette, zwei Klavier-Violinsonaten, zwei Symphonien, gegen 30 Lieder für eine Singstimme, kleine Chöre, eine Ouvertüre etc.

Vor einiger Zeit hat er seine Entlassung als erster Konzertmeister genommen, die ihm unter den ehrenvollsten Bedingungen bewilligt wurde.

Interessant ist’s, dass sein Nachfolger als erster königlich sächsischer Hofkonzertmeister ein polnischer Jude aus Sulkow bei Krakau, der am 17. März 1870 geborene Max Lewinger, ist, der sich als Geigenvirtuos bereits einen klangvollen Namen gemacht hat.