Kompass - Umgang und Nutzung

Alte Schiffskompasse und Kompassteile im Besitz Hamburger Staatsanstalten

Autor: Schuck, Albert, Erscheinungsjahr: 1910
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Kompass benutzen, Umgang, Sehandel, alte Kompasse, Seefahrt, Hamburger Museum, Schiffskompasse, Kompassteile, Schiff, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Alte Kompasse - Aufbau und Kompassteile

Mit Anerkennung und Dank ist zunächst zu erwähnen, dass die Patriotische Gesellschaft s. Z. sich Mühe gab um gute Kompasse zu verschaffen; in den „Verhandlungen und Schriften der Hamburgischen Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe. Erster Band Hamburg bei Carl Ernst Bohn 1792 S. 68“ heißt es: „In nächster Verbindung mit dem Wohl der Handlung (d. h. des Handels) stehen auch ihre (der Gesellschaft) Bestrebungen zum Besten der Navigation. Gleich im ersten Jahr ihrer Stiftung (1765) war sie auf die Verbesserung des Kompasses bedacht und ließ zu diesem Ende die besten Muster aus England und Holland kommen; da aber diese unsern, bisher an den Behelf mit überaus schlechten Kompassen gewohnten Schiffern zu teuer schienen, so ließ sie im Jahr 1767 unter ihrer Aufsicht Kompasse von künstlichen Magnetstahlen mit dem Namen der Gesellschaft verfertigen, die bei der nötigen Zuverlässigkeit dennoch äußerst wohlfeil waren und denen eine deutsche und holländische Gebrauchs-Anweisung beigefügt war.“

Ferner liest man in demselben Bande; IV (S. 103) „Auszug des Verzeichnisses aller in der von der Hamburgischen Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe vom 12. bis zum 24. April d. J. in dem großen Saal des Ratskellers veranstalteten öffentlichen Ausstellung, von den benannten Künstlern und Handwerkern aufgestellt gewesenen Kunstwerken, Arbeiten und nützlichen Erfindungen“ 1790 bei Meyn 24. S. 8. (S.110 — 111) „Zwei Kompasse mit künstlichen Stahlmagneten. Auf Veranlassung der Gesellschaft von dem Mechanicus Neubert verfertiget. Diese durch vorzügliche Zuverlässigkeit und Wohlfeile sich empfehlende Kompasse sind mit der Inschrift: „Hamburger Gesellschafts Kompasse“ versehen und nebst einer gedruckten Beschreibung in deutscher und holländischer Sprache bei Herrn Grenzinspektor Reinke auf dem kleinen Michaelis Kirchhof Nr. 143 für 4 Rthlrl. zu haben.“ (Protokollauszüge im Anhang).

Es ist nicht unmöglich, obwohl fraglich, dass das Vorbild von Tafel 5 — 6 einer der 1765 beschafften englischen Kompasse ist; ob der Tafel 7 abgebildete i. J. 1767 oder 1790 gefertigt ist, muss unentschieden bleiben, doch sollte der „Nachricht für die Schiffer“ v. J. 1768 entsprechend d. J. 1790 annehmbarer sein. — Die Ausfertigung der Beschreibung in holländischer Sprache darf nicht wundern, da die meisten Seeleute nur Plattdeutsch verstanden, daher für sie vielfach statt Plattdeutsch Niederdeutsch (wie bis vor nicht langer Zeit die holländische Sprache allgemein hieß) gedruckt wurde, auch die Seeleute von den friesischen Inseln häufig auf holländischen Schiffen fuhren und auf ihnen oder aus holländischen Navigations- Büchern den rechnerischen Teil der Schiffsführung lernten.

Wenn vielleicht nicht in allen, doch in seinen Hauptteilen ist der älteste jener Kompasse ein, dem Museum für Kunst und Gewerbe gehörender Hänge- (oder Kajüts-) Kompass, auf den nordfriesischen Inseln wegen einiger Verzierungen auch Kronen-Kompass genannt; seine sogen. Rose nebst der Pinne (Stütze) auf der sie sich dreht, ist abgebildet auf Tafel 1, Fig. 1 — 2. Der Kompass hing unter der Decke bezw. im Oberlicht einer Kajüte oder eines Zimmers, sodass man die auf dem Blatt der Kompassrose gezeichneten Richtungen von unten aus sah: Fig. 1, daher scheint hier die West-Richtung (der Weststrich) hervorgehoben, wie es früher sonst mit dem Oststrich geschah; hält man aber dies Blatt so, dass man es von unten sieht, dann liegt, was hier links ist rechts, der besonders bezeichnete Strich ist also nach Osten gerichtet. Außer dem, durch die sogen. Lilie gekennzeichneten Norden, hier gleichzeitig die Erde darstellend, zeigen Figuren (statt Buchstaben) die vier Haupt- und vier Hauptzwischen-Richtungen; es sind die fünf früher nur bekannten Planeten nebst Sonne und Mond in der Reihenfolge, in der man sie, wie in alten Zeiten (geozentrisch d. h. die Erde als Mittel- punkt der Welt gedacht) so noch damals, in Büchern aufgezählt findet: Saturn, Jupiter, Mars, Sonne (Sol), Venus, Merkur und Mond (Luna). Dem Verfertiger scheint s. Z. aufgegeben zu sein, auch die Zeichen dieser Gestirne und des Tierkreises zu verwenden, er muss sie jedoch nur oberflächlich gekannt haben, denn von Planetenzeichen ist einigermaßen kenntlich, das des Merkur, zu dessen Füßen stehend, außerdem kann man annehmen, bei Jupiter ist das oben links stehende Zeichen ein schlecht gelungenes dieses Planeten. Von Tierkreiszeichen fehlt das des Löwen, doch mag das bei Venus oben links als solches gelten sollen, dann hat er also Venus zwischen Löwe und Stier gestellt, über der Jungfrau stehend. Bei Jupiter ist das Zeichen rechts oben erklärlich als Versuch das Sternbild des Schützen darzustellen: ein kniender Zentaur, im Begriff vom gespannten Bogen einen Pfeil abzuschießen; das Tierkreiszeichen: der Schütze ist nur ein Pfeil. Die lanzenähnliche Gestalt der Striche NNO, ONO usw. könnte man für Vereinfachung halten von Verzierungen in einer Kompassrose des Atlas von Diego Homem, den die Königliche, öffentliche Bibliothek in Dresden besitzt, — wenn es annehmbar wäre, dass der Zeichner der vorliegenden Rose jenen Atlas gekannt hätte. Der Verkäufer der Rose hat nur sein Monogramm angebracht, in einem Schilde, das an das linke Knie der Gerechtigkeit (der Britannia?) lehnt; das andere Schild wird enthalten das Warenzeichen seines Geschäftes oder das Zeichen der Werkstatt, in welcher die Rose gefertigt ist: ein Schiff unter vollen Segeln aber aus älterer Zeit als die wahrscheinliche der Anfertigung der Rose; die Nordmarke mag auch ein Werk- oder Geschäftszeichen sein, sie ist aber Zusammensetzung sehr alter ähnlicher; eigenartiger ist die Ostmarke. Das Land aus dem dies Rosenblatt stammt ist nicht ganz sicher. Der im Mittelfeld am Boden liegende Jakobsstab hat nur drei Schieber wie er auf holländischen Karten öfter gezeichnet ist, ob aber der bei ihm stehende (Hadley’s) Spiegel-Quadrant damals in Holland schon, sozusagen, anerkannt war, ist fraglich, ein englischer Instrumentmacher hätte ihn gewiss angebracht; das Zeichen des Steinbocks, bei Saturn oben links, ist genau das in England auch damals gebräuchliche, indes hat der Niederländer Claes Heyndericks Gietermaker, Commerz-Bibl., ein ähnliches. Der Maler, der den Druck überpinselte, machte seine Sache nicht gut, so ist auch die Flagge des Schiffes undeutlich, höchst wahrscheinlich soll sie ganz rot sein, dann also die britische, die der Niederlande nicht. Es spricht daher manches dafür, dass dieses Rosenblatt in England gefertigt ist, deshalb ist in dieser Nachbildung in die obere Ecke der Flagge das Unionszeichen gesetzt. Das Jahr der Ausführung ist wahrscheinlich 1768; Herr Weimar, vom Museum für Kunst und Gewerbe, fand nämlich durch vorsichtige Entfernung überflüssiger Farbe, dass zu Füßen der Figur von Mars die Zahl 68 steht. — Es ist fraglich, ob viele Abzüge dieser Rose vorhanden sind. — Die Oberseite der Rose Tafel I, Fig. 2 ist noch eigenartiger. Es ist ebenfalls das Blatt einer Kompassrose aus dünnem gewebten Stoff, wahrscheinlich sehr alt, holländisch und aus mehreren gleichen zusammengesetzt — aber die Zeichnung derselben ist bis vor ungefähr 100 Jahren hier in Hamburg von dem Segelmacher-Geschäft W. H. Iven verwendet worden (vergl. deren vor kurzem gedrucktes Familien-Buch) auch der Kompass von J. C. H. Scheffler in Hamburg 1815, hat dasselbe Rosenblatt nur verkleinert. Hier ist sie vielfach überklebt mit Papier und Siegellacktropfen, jenes diente zur Befestigung des Magneten, dieses zur Herstellung des Gleichgewichtes, das öfter gestört wurde, sobald ein Auspolieren des Hütchens oder neues Festkleben des Magneten nötig war. Dieser Magnet muss ebenfalls sehr alt sein; als Grundlage für seine Form mag gedient haben, der von Martin Cortes abgebildete Magnet (Breve compendia de la sfera e de la arte del navegar. Sevilla 1556). Es sind zwei Eisendrähte, in der Mitte halbkreisförmig auseinander gebogen, deren beide Enden zusammengeschweißt, gehärtet und magnetisiert sind, auch scheint der so gebildete, in eine Spitze endende Teil durch Aufschmieden eines Eisenplättchens dicker gemacht zu sein. Diese Form und das Befestigen am Blatte durch Aufkleben mittelst übergelegten Papiers führte natürlich zu großen Fehlern, jedoch benutzte man solche Magnete immer aufs neue; die Kompassrose von Wilhelm Hinrich Iven, in deren Mitte das Hamburger Wappen ist, Tafel 10, Fig. 1, hat auch solchen Magnet. Herr C. Plath hier sollte noch 1880 eine Kompassrose mit derartigem Magnet ausbessern, er setzte aber durch, dass sie gänzlich verworfen wurde; einige Jahre später gab er ihn auf mein Ersuchen mit manchen anderen von ihm als unbrauchbar nachgewiesenen Kompassteilen der Sammlung Hamburger Altertümer. — Das Hütchen (der Dobben) in der Mitte der vorliegenden Rose, mit dem diese sich auf die Pinne stützt, ist noch ohne Stein, der das Einbohren letzterer verhindert; seine Gestalt entspricht einem der 1604 von Nautonnier abgebildeten (La mécometrie de l’eymant, Commzbibl). Diese Pinne (Stütze) Tafel 1, Fig. 3 besteht nur aus Messing ohne Stahlspitze; sie ist kein einfach gearbeitetes, oben spitz auslaufendes Stäbchen, sondern künstlerisch konisch gedreht, sogar vergoldet. — Der hier nicht gezeichnete Kompasskessel ist eine Halbkugel aus reinem hellen Glase, der Boden zentrisch durchbohrt zur Aufnahme der Fußschraube der Pinne, die durch eine Schraubenmutter im Glase zentrisch und senkrecht gehalten wird.

Zur, vor ein Paar Jahren geschehenen Erwerbung dieses Kompasses kann man das Museum für Kunst und Gewerbe im Besonderen, sowie Hamburg selbst nur beglückwünschen; den Herren Direktor Prof. Dr. Brinckmann, Weimar und beteiligten Beamten habe ich zu danken für das weitgehende Entgegenkommen bei Benutzung des Kompasses. — Die Steinritzung wurde ausgeführt vom Gehilfen der Gebrüder Sülter, Herr Brockmeyer. — Tafel 1. Fig. 4 a und b wird später erwähnt.

Tafel 2 Fig. 1, Tafel 3 Fig. 1 — 2, Tafel 4 Fig. i — 2 zeigen ein Prachtstück eines Kompasses, Eigentum der Hamburger Patriotischen. Gesellschaft; der Verfertiger und die Zeit der Herstellung sind auf der Rose genannt, dort steht: Manoel Ferreira Portugal a fas Em Lisboa em Setembro de 1771; Herr Ingenieur Hennicke s. Z. Vorsteher jener Gesellschaft fand ihn mit wertvollen Schriftstücken in einem alten Schrank auf dem Boden des Gebäudes derselben, seitdem wird er in der Bibliothek verwahrt und soll, sobald das Museum für hamburgische Geschichte ein eigenes Haus bezieht, diesem überwiesen werden unter Vorbehalt des Eigentumsrecht der Patriotischen Gesellschaft; wie er in deren Besitz gekommen, ist bisher nicht bekannt. Herr Hättasch, damals Verwalter der Patentschriften-Sammlung, machte mich auf ihn aufmerksam, als ich die Patente durchsah für meine Arbeit über die Entwicklung des Kompasses, — sein Nachfolger Herr Frank ferner Herr Martinot Bibliothekar der Patriotischen Gesellschaft und sein Gehilfe Herr Bielenberg gaben mit gütiger Erlaubnis von Herrn Prof. Dr. Reinmüller jede mögliche Unterstützung und Erleichterung beim Photographieren und Abzeichnen des Kompasses. Er ist eigenartig durch seine quadratische Form, die allerdings einigen noch jetzt lebenden sehr alten Seefahrern nicht unbekannt sein mag, dann wegen seiner Peil(Visier)-vorrichtungen und wegen der künstlerischen Ausschmückung der inneren Teile. — Wann diese viereckigen inneren Kompasskasten in Aufnahme kamen, ist nicht ersichtlich, bei den Vorgängern des Kompasses wird eine bestimmte Form des Gefäßes nicht erwähnt; die erste bis jetzt bekannte rohe Zeichnung veröffentlichte Herr Professor E. Wiedemann (Erlangen), in Berichte (Verhandlungen) der Deutschen Physikalischen Gesellschaft XI 1909, Nr. 10/11, Juni 15., S. 265, aus der Lehre von der mechanischen Taschenspielerei des Muhammad Ibn Abi Bakr al Zarchûrî al Misrî (aus Ägypten; — Universität-Bibl. Leiden) v. J. 802 d. H. = 1399/1400 n. Chr.; in der Beschreibung heißt es „Büchse“ (Huqq); dies braucht keine runde zu sein, indes denkt man dabei doch eher an eine runde als an eine viereckige; immerhin können die „Bussolen“ außen quadratisch (quadrans!), innen rund ausgedreht gewesen sein, solche besitzt noch eine oder besaß bis vor kurzem das hiesige Physikalische Staatslaboratorium (scheinbar sehr fein gearbeitet nach Gowin Knight’s Angabe von Adams in London, also ungefähr aus der Zeit des vorliegenden Kompasses) und eine andere die staatliche Navigationsschule. Viereckige innere Kompasskasten zeigt zuerst Fournier (Hydographie) 1643 (Comzbibl. Nur bei Bouguer’s Ungetüm von Azimuth-Kompass sind zwei Ecken innen abgeschrägt, scheinbar zur Aufnahme von Schraubenschlüssel und dergl., der vorliegende Ferreiras Kompass hat alle vier Ecken mit kleinen Brettchen schräg ausgesetzt, s. Tafel 2, Fig. 1. Schrägansicht des ganzen Kompasses, Tafel 4, Fig. 1. Perspektivische Aufnahme des Inneren der Kompassdose, deren Glasdeckel mit gekehltem Holzrahmen abhebbar ist. Tafel 4, Fig. 2 zeigt die zweimal vorhandenen Seiten, die viermal vorhandenen Schrägbrettchen und die Fensterteile mit dem Peil(Visier)-Faden; der Deckel des äußeren Kompasskasten fehlt.

Die eigenartige Peil(Visier)-vorrichtung der Pforten im Kasten ist erkenntlich Tafel 2, Fig. 1, sie ist zuerst abgebildet von Fournier 1643 zur Beobachtung der Sonne beim Auf- und Untergehen, um danach die Missweisung des Kompasses zu bestimmen, kann auf See auch benutzt werden zum Peilen in und nahe an der Kimm (dem sichtbaren Horizont) bemerkbarer Gegenstände, doch bringt die Erschütterung durch drehen des ganzen Kastens große Fehler. Es sind je zwei sich gegenüberstehende viereckige Ausschnitte in beiden Kompasskasten, im inneren ist senkrecht auf die entsprechende Mittellinie des Kastens je ein roter Faden gezogen. Die hier senkrecht sichtbaren Absehen (Diopter) werden nicht, wie gewöhnlich, quer über den Kompass niedergelegt, sondern seitlich in für sie angebrachte Hülsen, s. Tafel 4, Fig. 1; besonders beachtenswert ist das Absehen links, da es nicht, wie bei Kompassen allgemein, mit einem engen senkrechten Spalt versehen ist, sondern mit drei senkrecht übereinander stehenden kleinen Löchern, wie in früheren Zeiten das eine Absehen von Instrumenten zum Messen von Gestirnshöhen, deren zwei hatte (viele noch jetzt lebende Schiffsführer und Steuerleute benutzten Oktanten mit solchem Absehen.)

Der Magnet der Kompassrose, Taf. 3 Fig. 2, ähnelt am meisten einer 1757 vom Petersburger Professor Aepinus empfohlenen Form, Ferreira fertigte nur gerader den Teil von der Mitte bis zur Verbreiterung am Ende; kurz ehe diese begann, verband er den Magnet mit dem Blatt der Kompassrose durch messingne Nieten oder Schrauben.

Das Blatt der Kompassrose hat Strich- und Gradteilung; der Nordstrich ist gekennzeichnet durch das portugiesische Wappen, der Oststrich durch flammenartige Verzierungen an seiner Spitze (ex oriente lux); die andern zeigen wieder nicht die Strichnamen bezw. deren Abkürzungen, sondern nur Verzierungen. Ganz besonders beachtenswert ist diese Rose, weil bei ihr angewendet sind die Vorschläge de la Condamine’s 1733, in Mémoires de l’Academie Royale des Sciences, Paris 1735, auf das Hütchen einen Schattenstift zu befestigen (schon 1561 von Girolamo Ruscelli (Stadtbibl.] vorgeschlagen und 1646 bezeichnet als Erfindung eines holländischen Seemannes scheinbar für einen Schwimm -Kompass von Robert Dudleigh im Arcano del Mare (Commbibl.; ausnahmsweise schöner Abzug) und Teile des Randes des Rosenblattes senkrecht umzubiegen; von Condamine weicht Ferreira nur insofern ab, als jener einen Teil nach oben, den andern nach unten bog, F. beide nach oben, jeder von ihnen hat auf dem stehenden Rande ebenfalls Gradteilung gezeichnet. — Die Pinne (Stütze) der Kompassrose ist eine dünne Messinghülse, in der ein spitzes Stahlstäbchen steckt, sie ist im Holzboden zentrisch und senkrecht befestigt; im Hütchen der Rose konnte ich einen Stein nicht bemerken. — Das Holz der Kasten scheint eichen zu sein; das Gehänge ist natürlich Messing. — Die Malerei ist sehr sorgfältig ausgeführt, und von Herrn Heyder abgezeichnet; wenn ich je bezweifelt hätte, dass die bunten Abbildungen von Kompassrosen, die man auf alten Karten findet, der Wirklichkeit entlehnt sind, dieser Kompass hätte jeden Zweifel beseitigt.

Tafel 5 Fig. 1 — 2, Tafel 6 Fig. 1 zeigen einen der Hamburger staatlichen Navigationsschule gehörenden Kompass unbekannter Herkunft, wie schon erwähnt möglicherweise einer von denen, welche die Hamburger Patriotische Gesellschaft 1765 aus England kommen ließ? (vgl. S. 4); er ist dem Museum für Hamburgische Geschichte überwiesen. Der innere Gehängegering (der in späterer Zeit mit der Kompassdose fest verbunden wurde), mit seinen Zapfen, die jetzt in sog. Schneiden enden und die Kompassrose nebst Pinne (Stütze) möglicherweise auch der Taf 5 und Taf 6 Fig. 1, ganz oben, Taf. 5 Fig. 2 quer über sichtbare Messingstab sind von Herrn C. Plath hier ergänzt. Tafel 5 Fig. 1 ist Schrägansicht des ganzen Kompasses, Fig. 2 zeigt ihn senkrecht von oben gesehen, Taf. 6 Fig. 1 ist ein Querschnitt. Der ursprüngliche Entwurf zu solchem Kompass war etwas anders; der erste mag gewesen sein, der von Kapt. Samuel Sturmy, The Mariner’s Magazine u. s. w. London 1669 gezeigte, Barrozv in Navigatio Britannica 1730 hat nur die Peilvorrichtung, dem vorliegenden am nächsten kommt der im Cours d’ Hydrographie ou de Navigation Londres et Paris 1787 (Commerzbibliothek) von De Lassale erwähnte, der ihn Halley zuschrieb: Man sieht, der Kompasskessel bestand aus zwei Teilen, von denen der untere den recht schweren Bleikörper enthielt, der dem Übergewicht der Peilvorrichtung entgegenwirkte; er hat einen Ausschnitt, in dem der Hebel spielt, mit dem Pinne (Messingstift mit Stahlspitze) nebst Kompassrose auf und nieder bewegt werden; wenn man letztere gebrauchen will, hebt man die Pinne auf, ist der Gebrauch beendet, lässt man sie mit der Rose nieder auf drei Arme, die an einem Ringe befestigt sind, der wieder auf drei, an den Kesselboden geschraubten Stützen ruht, s. Tafel 6 Fig. 1 ; in Tafel 5 Fig. 2 sind die Arme und der Ring in der Rose durch gestrichelte Linien angedeutet. Die Peilvorrichtung besteht aus einem großen, flachen Messingringe, am Innen- und Außenrande in ganze Grade geteilt, doch können durch Zwischenkreise und Schrägteilung Zehntelgrade abgelesen werden. Die Absehen (Diopter) mögen ursprünglich drehbar gewesen sein, aber nicht auf einer im Deckelglase oder auf einem Querstege zentrierten Regel (Alhidade) stehend, was die Teilung abschleifen konnte, sondern unter der Platte mit Stegen (Leisten) an einem Ringe befestigt, der auf dem inneren Gehängeringe und am Kessel schleifend sich um diesen drehte. — Die hierbei unvermeidlich große Reibung bewirkt allein große Fehler, und macht die Beobachtung sehr unbequem, so verwarf man den Ring, verkleinerte die Stege (Leisten) und schraubte sie unter der 90° Linie an die Peilplatte. Da der auf oder über der Kompassrose stehende Stift oder Faden so eingerichtet werden kann, dass sein Schatten auch bei ziemlich großer Sonnenhöhe noch auf die Rosenteilung fällt, so verlängerte man die Diopter, brachte oben den Quersteg an, auf der Peilplatte einen, vom Spalt-Diopter bis oben über die Mitte reichenden Arm und zog vom oberen Steg zu letzterem durch entsprechend gebohrte Löcher einen Faden in der senkrechten Achsenlinie des Kessels. Bei Peilung irdischer Gegenstände musste man entweder mittelst der Peilplatte den Kessel im inneren Gehängeringe oder den ganzen Kompasskasten drehen, bis der Gegenstand durch die Diopter sichtbar war; das eine wie das andere blieb in Folge der Erschütterung und Neigen des Kessels eine so mächtige Fehlerquelle, dass Schätzen der Richtung mit bloßem Auge über die Kompassrose hin, kaum größere Fehler ergab. Hierzu kommt noch, dass man stets zu beachten hatte, welcher Grad der Plattenteilung, dem Nordpunkt der Rosenteilung entsprach, um so die Ablesung der Platte auf letztere zu übertragen. — Die kleinen, außerhalb der Absehen (Diopter) angebrachten Knebel, stehen auf einer innen abgeschnittenen Kreisplatte, deren Abschnitt genau parallel zur Fläche der Diopter sein muss, damit man diese aufstellen kann. Obgleich dieser Kompass noch ungenauere Ergebnisse lieferte als der von Lassale an Halley zugeschriebene, so ist er doch wichtig für die Entwicklung des Kompasses und wir können sehr zufrieden sein, dass er in staatlichen Besitz gelangte. Auf ihn aufmerksam machte mich Herr Rubbert, früher Lehrer an der staatlichen Navigationsschule; ausnahmslos erinnern sich alle Schüler des jetzt 81 Jahre alten Herrn seiner mit Achtung, Dankbarkeit und Freude, mit Achtung und Freude auch alle die ihn persönlich kennen lernten. Die Photographie (nach der ich Fig. 1 auf Tafel 5 zeichnete) fertigte Herr Schumann, Mechanikergehilfe im Physikalischen Staats-Laboratorium, der auch einem Fehler an einem Gehängezapfen abhalf; Zahlen, Buchstaben und die in Fig. 3 in 4/5 der Größe des Vorbildes gegebene Nordmarke schrieb bezw. zeichnete Herr Heyder, der außerdem der Zeichnung da nachhalf wo Radierungen nötig gewesen. Herren Direktor Professor Dr. Bolte und Navigationslehrer Pusch bin ich dankbar für größtmögliches Entgegenkommen und Freundlichkeit bei Entleihen des Kompasses und der später zu erwähnenden Kompassrosen.

Tafel 7 Fig. 1 — 3 sind Abbildungen der Kompassrose aus einem Kompass wie die Hamburger (Patriotische) Gesellschaft wohl eher 1790 als 1767 sie anfertigen ließ (vgl. S. 4 — 5) er befindet sich noch im Besitz des Physikalischen Staatslaboratorium, wo ihn die Herren Assistent Portig und Mechaniker Schneider mehrmals zum Vorzeigen, Untersuchen und Abzeichnen bereitwilligst mir übergaben. Die Inschrift auf dem Rosenblatt liefert den Beweis, dass er einer s. Z. von der Hamburger Gesellschaft verausgabten ist; für 1790 spricht folgendes. Die Nachricht für Schiffer v. J. 1768 sagt (s. Anhang) „die Magnetnadel ist aus einem graden, an den Enden zugespitztem Stücke“ und „der Schiffer kann sie auch, wenn etwas daran verdorben wäre ohne alle Umstände selbst abnehmen und wieder ebenso leicht auf der Rose befestigen“; dies passt nicht auf das vorliegende Stück, denn der Magnet ist bogenförmig, auch ist weder Abnehmen noch Wiederanbringen leicht, ferner ist die Pinne (Stütze, der Stift) keine Nähnadel und das hier an der Unterseite der Rose angebrachte Messingkreuz, ist in der „Nachricht“ von 1768 nicht erwähnt.

Jeder Seefahrer wird gern glauben, dass die damals vorhandenen Kompasse nicht befriedigten, dieser konnte es auch nicht, weil er zu klein, die Rose zu schwer war (39,6 g bei 135 mm Durchmesser) und ihr Eigenmagnetimus sowie das Verhältnis ihrer einzelnen Teile zu einander nicht dem jedesmaligen Aufstellungsort entsprechend eingerichtet werden können.

In Fig. I und 3 fällt zunächst auf, dass der Magnet nicht unter dem Rosenblatt lag, sondern im Bogen über ihm angebracht ist, — außerdem, dass der Magnet viel dünner ist, als in den Büchern aus jener Zeit man abgebildet findet. Ersteres mag schon gebräuchlich gewesen sein zu der Zeit, in welcher dem Magnet beigefügt wurde ein Blatt, auf dem eine Kreis(die Strich)-teilung man angebracht hatte (möglicherweise um d J. 1300); der nach G. Knight’s Angaben von Smeaton in London gefertigte Kompass (auf solchen weist wohl hin die „Nachrichten für die Schiffer“) zeigt ebenfalls den Magnet als einen oben auf dem Rosenblatt liegenden Stab. Philos. Trsakt. R. S. Bd. 46. 1740 Nr. 492 Cmrzbibl. Diese Stäbe hatten alle ziemliche Dicke, — da Streichen mit einem Magnet einen Stahl- (oder Eisen)-stab aber nur wenig tiefer als an der Oberfläche magnetisiert, so hatten die gewöhnlichen Magnete viel totes Gewicht, die dünnen wie sie die Hamburger Gesellschaft anfertigen ließ waren also an sich erheblicher Fortschritt, sie in der Mitte breiter zu machen, statt wie damals und noch lange nachher häufig, nahe den Enden (s. Tafel 2 Fig. 3 a — 4, Tafel 3 Fig. 2) war es ebenfalls d. h. wenn kein grader Stab gewählt wurde, — warum man ihm aber Bogenform gab, ist nicht ersichtlich, wenn man nicht etwa glaubte, durch die so vergrößerte Oberfläche mehr Magnetismus wirken zu lassen (ganz unmöglich ist es nicht, dass H. Osorius schon solchen Magnet erwähnte in De rebus Emmanuelis Lusitaniae regis invictissimi etc. gestis. Conimbricae 1791 S. 95 (auch Coloniae 1580 Blatt 25 b) er nennt dort (die erste Form) den Stab „unten (kann auch sein: gering, ein wenig) ausgehöhlt und erhaben (inferiùs excavatum et fastigiatum).“ Vielleicht sollte es sein Vereinfachung des 1705 gemachten Vorschlages von Servington Savery of Chilston; den Kompassmagnet so zu biegen, dass er in der Mitte ein flaches Dach oder offenes Rechteck bildete. In französischen Lehrbüchern der Navigation aus jener Zeit findet man statt dessen eine Biegung in Form eines Halbkreises. Solche Vorrichtung gibt der Kompassrose außer den Schwingungen noch Schaukelbewegung (siehe weiter unten bei den Kompassmagneten Tafel 3, Fig. 6 — 7b). Fig. 3 zeigt auch die Glockenform des Hütchens (Dobbens), das sich an den Magnet stützt und befestigt ist in dem, unter dem Rosenblatt befindlichen Messing- kreuz, s. Fig, 2, das einesteils bei starker Wärme die Rose gegen Aufrollen schützen, anderenteils ihr die nötige Stetigkeit (Ruhe) geben sollte — aber doch nicht geben konnte. An den Ausschnitten am Nord- und Süd-Arm des Kreuzes ist das Messingblech nicht abgeschnitten, sondern durch das Rosenblatt gesteckt, dort quer ausgeschnitten und über die Enden des Magnet gestreift, um diese zu halten. — Die Kompassdose hat Kesselform und ist aus Messingblech, der Glasdeckel kann abgestreift werden. — A und A i zeigen das Blatt der Kompassrose, H das Hütchen, M ist der Magnet, m bedeutet Messing.

Dieser Kompass bleibt ein Wahrzeichen, dass die Hamburger (Patriotische) Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe, zu der auch Reeder gehörten und noch gehören, auf Verbesserung dieses, für die Seefahrt unentbehrlichen Hilfsmittels, Jahrzehnte vor dem Liverpool Compass Committee in hohem Maße bedacht war.



Diese Mitteilung ist wieder ermöglicht durch gütige Beiträge folgender Stiftung, Handelskammer, Dampfschiffs- Gesellschaften, Reeder, Vereine und Versicherer; durch sie konnte ich meine nautischen Arbeiten weiterführen.

Löbl. Bürgermeister Dr. Kellinghusen Stiftung (Drs. Hagedorn, Lehmann), Verehrliche Handelskammer in Altona (Kommerzienrat Johs. A. Menck), Hamburg -Amerika Linie (Sommer), Hamburg - Südamerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft (Th. Amsinck), Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft Kosmos (Overweg, Dr. Bloch), [b)Deutsche Ost- Afrika Linie[/b] (Hertz, Woermann), Woermann- Linie (A. Amsinck), Deutsch- Amerikanische Petroleum-Gesellschaft (G. Fimmen). Deutsche Levante- Linie (Dreessen, Campbell, Petersen), Dampfschiffs-Reederei Union (Johs. Kothe, A. Schmidt), Hanseatische Dampfer Compagnie, Hamburg- Bremer - Afrika - Linie, Transatlantica Reederei - Aktiengesellschaft (Menzell), Aug. Bolten (Binder, Gebr. Eckhusen), Knöhr & Burchard Nfl. (Elvers, Zimmer), [/b]F. Laeisz [/b](Ganszauge, Reisse, Struck). A. H. Wappaeus (Prehn), Norddeutsche Versicherungs-Gesellschaft (A. und H. W. Duncker), Verein Hamburger Assecuradeure (Baunbeck, Duncker, Eckstein, Dr. Knittel), Verein Hamburger Reeder (A. Ballin, Huldermann), Verein für Verbesserungen im Hamburger Hafen (durch F. Laeisz), Kapitän G. Voss, Hamburg.

Wie bisher, so danke ich auch diesmal viel, gütiger Fürsprache der Herren Direktoren und Sekretäre.

Es ist dies nur ein Teil des Stoffes, den ich sammelte über die Sagen von der Erfindung des Kompasses und über die Entwicklung dieses so wichtigen Hilfsmittels; dies Sammeln, Abzeichnen, Abschreiben Zusammenstellen ist eine sehr zeitraubende Arbeit; da die hier gebotene als ein, obwohl kleiner, doch in sich abgeschlossener Teil betrachtet werden kann, so bitte, vorläufig mit ihm vorlieb zu nehmen.

Die Änderung in den politischen Verhältnissen und des Besitzes die man gewöhnlich als Geschichte des betr. Staates betrachtet, sind in hohem Grade abhängig von seiner geographischen Lage und den mehr oder weniger von ihr bedingten Erwerbsverhältnissen. Für Hamburg bildete von jeher die Grundlage des Gedeihens die Vermittlung des Seehandels des gesamten Elbgebiets und die Teilnahme am Seehandel überhaupt; Seehandel und Seefahrt sind unzertrennlich. Seefahrt kann in unseren geographischen Breiten nicht, und mit genügender Sicherheit nirgends betrieben werden ohne Benutzung der Richtkraft des Magnet oder — nach dem Hilfsmittel, dessen Grundlage sie ist — ohne den Kompass. — Es zeigte sich, dass im Besitz Hamburger Staatsanstalten sind: sieben alte Kompasse und mehrere jetzt außer Gebrauch gekommene aber eigenartige Kompassteile, deren Abbildungen und Beschreibungen ich hier bringe, zusammen mit Zeichnungen von Kompassrosen in Hamburger Karten sowie Zeichnungen von Nord- und Ostmarken auf Hamburger Kompassrosen. Die Photographie der Zeichnungen und Rosen ist von Herrn W. Sülter besorgt, besondere Zeichnungen, Nachhilfe und Verbesserungen meiner Zeichnungen von den Gehilfen Herren Brockmeyer und Heyder.
Alte Schiffskompasse Tafel 01

Alte Schiffskompasse Tafel 01

Alte Schiffskompasse Tafel 02

Alte Schiffskompasse Tafel 02

Alte Schiffskompasse Tafel 03

Alte Schiffskompasse Tafel 03

Alte Schiffskompasse Tafel 04

Alte Schiffskompasse Tafel 04

Englischer Kompass, Tafel 05

Englischer Kompass, Tafel 05

Aufbau eines Kompass, Tafel 06

Aufbau eines Kompass, Tafel 06

Alte Schiffskompasse Tafel 07

Alte Schiffskompasse Tafel 07

Alte Schiffskompasse Tafel 08

Alte Schiffskompasse Tafel 08

Alte Schiffskompasse Tafel 09

Alte Schiffskompasse Tafel 09

Alte Schiffskompasse Tafel 10

Alte Schiffskompasse Tafel 10

Alte Schiffskompasse Tafel 11

Alte Schiffskompasse Tafel 11