Russische Friedensstimmungen.
Osteuropäische Zukunft. Zeitschrift für Deutschlands Aufgaben im Osten u. Südosten.
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Russland, Russen, Ukraine, Ukrainer, Deutsche, Kolonisten, Bauern, Verräter, Epidemien, Wolga,
Osteuropäische Zukunft. Zeitschrift für Deutschlands Aufgaben im Osten u. Südosten. Herausgegeben von: Dr. Falk Schupp Verlag: J. F. Lehmann, München. Die Zeitschrift enthält interessante und mit großer Sachkenntnis geschriebene Artikel, die zwar von einseitigem Standpunkt aus geschrieben, doch geeignet sind, gewisse Streiflichter auf schwierige politische Gegenwartsprobleme zu werfen. Ein besonderes Interesse erwecken die Aufsätze über die Ukraine, die mit besonderer Vorliebe geschrieben sind, nennt sich doch die Zeitschrift neben ihrem Haupttitel: „Amtliches Organ für ukrainische Freiheitsbestrebungen. O. Keßler, Berlin
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Moskauer Studenten veranstalteten kürzlich eine große Kundgebung zugunsten des Friedens, an der auch der Großfürst Konstantin teilgenommen hat, der von jeher als „Sapadni“, als Freund mitteleuropäischer Kultur gegolten hat und der infolgedessen auch kein militärisches Kommando übernahm. Den Hauptvortrag des Abends hielt der temperamentvolle Schriftsteller Arzibaschew, der nach den Mitteilungen der „Deutschen Tageszeitung“ an die Kriegssitte der alten Zeit erinnerte, wo man Stieren brennende Reisigbündel an die Hörner band und sie dann in die Reihen der Feinde trieb. „Die Stiere sind das russische Volk,“ so führte er aus, „und die brennenden Reisigbündel sind der irregeführte Ehrgeiz und das törichte Streben nach Zielen, die für Russland niemals erreichbar sind. Und so wie im Altertum die vor Schmerz brüllenden Stiere vom Feinde niedergemacht wurden, so geht jetzt das russische Volk zugrunde.
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Moskauer Studenten veranstalteten kürzlich eine große Kundgebung zugunsten des Friedens, an der auch der Großfürst Konstantin teilgenommen hat, der von jeher als „Sapadni“, als Freund mitteleuropäischer Kultur gegolten hat und der infolgedessen auch kein militärisches Kommando übernahm. Den Hauptvortrag des Abends hielt der temperamentvolle Schriftsteller Arzibaschew, der nach den Mitteilungen der „Deutschen Tageszeitung“ an die Kriegssitte der alten Zeit erinnerte, wo man Stieren brennende Reisigbündel an die Hörner band und sie dann in die Reihen der Feinde trieb. „Die Stiere sind das russische Volk,“ so führte er aus, „und die brennenden Reisigbündel sind der irregeführte Ehrgeiz und das törichte Streben nach Zielen, die für Russland niemals erreichbar sind. Und so wie im Altertum die vor Schmerz brüllenden Stiere vom Feinde niedergemacht wurden, so geht jetzt das russische Volk zugrunde.
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Inhaltsverzeichnis
Wir müssen endlich aufwachen und zu dem Entschluss kommen, die schmachvolle Rolle jener Stiere nicht länger spielen zu wollen, denn es ist unserer unwürdig und im höchsten Grade gefährlich, Leben, Hab und Gut und die heiligsten Interessen des Landes fremden Zielen zu opfern. Noch dazu fremden Zielen, die Russland nur schaden würden, wenn sie erreicht werden könnten. Russlands Zukunft liegt in der Entwicklung der asiatischen Besitzungen, wo große und dankbare Aufgaben zu lösen sind. Stattdessen verfallen wir in den Wahnsinn, uns im Westen Länder aneignen zu wollen, die uns in Bezug auf Kultur um Jahrhunderte voraus sind. Waren nicht die Deutschen in allen Teilen des Reichs, wo sie bei uns wohnten, die treibende Kraft für jede Kultur? Wir könnten deutschen Provinzen, die wir etwa eroberten, doch nur unsere kümmerliche Halbkultur bringen, denn wir können Westeuropa nichts geben, sondern nur von ihm empfangen. Vor allem von Deutschland haben wir noch unendlich viel zu lernen; dieses Land zu vernichten kann nicht der Wunsch eines einzigen vernünftigen Menschen in Russland sein, denn wir würden selbst am meisten darunter leiden. Es muss endlich ausgesprochen werden, dass jede Stärkung Englands, unseres Bundesgenossen, uns nur Schaden bringen kann, weil es die Freiheit unserer Entwicklung in Asien behindert. Lassen wir uns nicht weiter verblenden, sondern zur Vernunft kommen. Deutschland hat es immer gut mit uns gemeint und war uns ein Freund, mit dem wir geistige und wirtschaftliche Güter austauschen können. Jeder Gebildete in Deutschland kennt unsere Dichter und Gelehrten. Dort hat man sie zuerst erkannt und zu Ansehen gebracht, während bei uns auch heute noch die große Masse des Volkes nichts von ihnen ahnt, weil sie noch immer in geistigem Schlaf liegt. Die Zeit wird die vielen Millionen Mütter, die ihre Söhne verloren, trösten und die Tränen der Väter um ihre Kinder und der Kinder um ihre Väter trocknen. Möge aber aus den Gräbern der Geist des Verstehens und der Menschenliebe auferstehen, dann sind alle unsere Riesenopfer nicht umsonst gebracht.“ — Es wird versichert, dass die Rede auf die Versammlung einen tiefen Eindruck gemacht habe, der in begeisterten Zustimmungen zum Ausdruck kam.
Leider sind diese beachtenswerten Ansätze zu einer vernünftigen Selbsterkenntnis ohne praktische Bedeutung. — Russland, der tönerne Koloss des Ostens muss erst zertrümmert zu Boden sinken, ehe von Frieden gesprochen werden darf.
Leider sind diese beachtenswerten Ansätze zu einer vernünftigen Selbsterkenntnis ohne praktische Bedeutung. — Russland, der tönerne Koloss des Ostens muss erst zertrümmert zu Boden sinken, ehe von Frieden gesprochen werden darf.